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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2012 um 15:34 UhrKommentare

Ausverkauf bei Schlecker ist gestartet

In rund 2800 Schlecker-Filialen in Deutschland hat am Freitag der Ausverkauf begonnen. Die Kunden stürzten sich auf verbilligte Duschgels und Deos, in einigen Filialen in der Hauptstadt Berlin waren bereits am Mittag die Regale leer.

Foto © Reuters

Lange Schlangen und randvolle Einkaufswagen: In rund 2800 Schlecker-Filialen in Deutschland hat am Freitag der Ausverkauf begonnen. In den Märkten gab es Preisnachlässe zwischen 30 und 50 Prozent. Nach Auskunft eines Sprechers der insolventen Drogeriekette lief die Rabattaktion gut an. In den nächsten Tagen sollen dem Plan zufolge die Preise weiter reduziert werden - je nach Fortschritt des Abverkaufs.

Regale zu Mittag leer

In vielen Läden war der Kundenansturm groß. Schon vor Ladenöffnung um 9.00 Uhr hätten sich Menschen vor der Tür aufgereiht, berichtete eine Verkäuferin aus einer Filiale nahe der Berliner Friedrichstraße. Vor allem Rentner und junge Leute stapelten Putzmittel, Toilettenpapier, Duschgel, Deo und Windeln in ihren Körben. In einigen Filialen in der Hauptstadt waren bereits am Mittag Regale leer, die Schlangen reichten durch den gesamten Verkaufsraum. "Alles Gute für Ihre Zukunft" - das wünschten mehrere Kunden den Verkäuferinnen an der Kasse.

Die noch verbliebenen gut 13.000 Mitarbeiter der Kette sollen ihre Kündigung zum Monatsende erhalten. Schlecker veröffentlichte eine Liste im Internet, aus der alle Ausverkaufsadressen hervorgehen.

Unklar blieb am Freitag zunächst, wie es für die etwa 5.000 Beschäftigten bei IhrPlatz und Schlecker XL weitergeht. Sie haben - anders als die Mitarbeiter des Mutterunternehmens Schlecker - eine Zukunftschance. Der Münchner Investor Dubag will IhrPlatz und die XL-Märkte übernehmen und fortführen, doch die Verhandlungen darüber waren ins Stocken geraten.

Am Freitag hieß es aus mit der Sache vertrauten Kreisen, dass weiter mit dem Investor gesprochen werde. Aber wann die erwartete Einigung zustande komme, sei unklar. Zuletzt hatte der große Schlecker-Gläubiger Euler Hermes - ein Hamburger Kreditversicherer - noch offene Fragen geklärt haben wollen. Allein bei ihm steht Schlecker mit 300 Mio. Euro in der Kreide.

25.000 Mitarbeiter betroffen

Derweil richtet die Agentur für Arbeit aus Ulm in der Schlecker-Zentrale in Ehingen ein spezielles Beratungs- und Vermittlungsbüro ein, das am 25. Juni seine Arbeit aufnehmen soll. Ein Sprecher der Regionaldirektion in Stuttgart sagte, von dem Aus für die Drogeriemarktkette seien allein in Ehingen mehr als 600 Menschen betroffen. Insgesamt verlieren wegen der Insolvenz rund 25.000 Schlecker-Mitarbeiter ihren Job.

Die gekündigten Beschäftigten, vor allem Frauen, sollen nach dem Willen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise Fachkräftelücken in anderen Branchen füllen. Besonders gesucht würden Erzieher und Altenpfleger. Die Arbeitsagenturen wollen ihnen vollwertige Umschulungen in diese Mangelberufe anbieten.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) unterstützte den Vorstoß, warnte aber, dass Sozialberufe nicht zum Auffangbecken werden dürften. "Qualifizierte und menschlich zugewandte Kinderbetreuung und Altenpflege - dass kann aber nicht jeder", teilte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler mit.

Verdi-Chef Frank Bsirske forderte unterdessen von den Bundesländern einen neuen Anlauf für regionale Qualifizierungs- und Vermittlungsgesellschaften. "Wir nehmen die von SPD und Grünen regierten Bundesländer in die Pflicht, regionale Transfergesellschaften zu schaffen", sagte Bsirske der "Schweriner Volkszeitung" (Freitag). Zusammen mit dem Arbeitslosengeld I würden die Betroffenen damit erst einmal auf 80 Prozent ihres bisherigen Einkommens kommen und hätten bessere Chancen auf Weitervermittlung.

Rettungsaktion wegen FDP gescheitert

Im Frühjahr waren bereits in einer ersten Welle 11.190 Schlecker-Beschäftigte entlassen worden, nachdem Ende März eine Rettungsaktion in letzter Minute am Widerstand der FDP gescheitert war. Bayern hatte sich nach wochenlangem Tauziehen geweigert, gemeinsam mit 13 anderen Ländern eine Bürgschaft für den Kredit von 70 Mio. Euro für eine Transfergesellschaft zu schultern. Mittlerweile haben rund 5.000 der damals betroffenen Menschen entweder einen neuen Job oder werden weiterqualifiziert. Allerdings haben weniger als 2.500 eine vollwertige neue Stelle angetreten.

Ein Datum für das endgültiges Ende der Schlecker-Läden gibt es noch nicht. Zuletzt war von Ende Juni die Rede gewesen. Die Abwicklung des Konzerns - der Ausverkauf der restlichen Ware sowie etwa der Verkauf von Immobilien und Auslandsgesellschaften - könnte laut Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zwischen 500 und 700 Mio. Euro bringen. Dem stehen bisher Forderungen in Höhe von 665 Mio. Euro entgegen.

Quelle: APA

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