BMW baut in China weiter aus
Für die deutschen Oberklasse-Hersteller wird China zum wichtigsten Automarkt. BMW hat nun seine dortigen Fertigungskapazitäten verdoppelt.

Foto © BMW
Das zuletzt etwas eingetrübte Wachstum der globalen Konjunkturlokomotive China führt auch bei den Managern von Europas Industrieunternehmen zu Sorgenfalten. Wobei eingetrübtes Wachstum im Fall von China immer noch ein Plus jenseits von acht Prozent bedeutet.
Keine Probleme sind indes bei den deutschen Autobauern auszumachen. Im Vorjahr konnten Daimler, VW, Audi, Porsche und BMW durchwegs Rekordabsatzzahlen in China verbuchen. Insbesondere die Premium-Modelle boomen im Reich der Mitte, gefragt sind große Limousinen und geräumige SUV. BMW hat dem Wachstum in China mit Milliarden-Investitionen Rechnung getragen. Am Donnertstag wurde in Shenyang im Nordosten des Landes ein neues Werk eröffnet, in dem künftig der geländegängige BMW X1 sowie der 3er-BMW - auch in einer Langversion - gefertigt werden.
Die Kapazität liegt bei 100.000 Autos pro Jahr. Vorerst. Denn das Werk ist so konzipiert, dass eine Erweiterung auf 200.000 Produktionseinheiten problemlos möglich ist, und die BMW-Lenker lassen keine Zweifel daran, dass es - voraussichtlich schon ab 2014 - auch dazu kommen wird. Insgesamt könnten so 300.000 BMW im Jahr in Shenyang produziert werden, weil neben dem neuen Werk in Tiexi bereits seit 2004 im Stadtteil Dadong in Kooperation mit dem lokalen Hersteller Brilliance gefertigt wird.
Zweistelliges Absatzplus
Während der europäische Markt heuer "die größte Herausforderung" wird, biete China "beste Perspektiven", betont BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer. Erstmals in der Unternehmensgeschichte war China im ersten Quartal der größte BMW-Absatzmarkt, innerhalb der letzten sechs Jahre habe sich der Absatz in China verzehnfacht, so Reithofer. Geht's in diesem Tempo weiter? "Wir rechnen heuer mit zweistelligen Zuwächsen." Damit wird der Rekordabsatz von rund 217.000 Autos vom Vorjahr wohl neuerlich übertroffen.
Aber: Selbst im Mega-Markt China rechnet man nicht mit ausschließlich linearem Wachstum. Auch dort stehen die Autobauer vor der technischen Herausforderung, den Flottenverbrauch sowie die Emissionen der Fahrzeuge zu senken, dementsprechende Verordnungen sind in Planung.
Was in China produziert wird, ist auch für den chinesischen Markt bestimmt. Seit 2009 hat BMW Brilliance 1,5 Milliarden Euro in Shenyang investiert. Die Wochenarbeitszeiten für die bald 10.000 BMW-Mitarbeiter in Shenyang liegen bei 40 bis 48 Stunden, die Lohnkosten bei einem Zehntel von jenen in Deutschland. Zuletzt stiegen die Löhne jedoch um bis zu 20 Prozent. Pro Jahr. "Die Lohnunterschiede werden nicht so bleiben", so Reithofer.
Know-how aus Graz
Auch Grazer Know-how findet sich auf den chinesischen Straßen wieder. Der bei Magna Steyr gefertigte Mini Countryman hat im Straßenbild von Shenyang seinen Platz gefunden. In den ersten vier Monaten des Jahres lag der Mini-Absatz in China mit knapp 7000 verkauften Autos um ein Drittel über jenem im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Reithofer betont, dass eine zu große Abhängigkeit vom chinesischen Markt dennoch vermieden werden soll. Neben China wird etwa auch in den Ausbau der Kapazitäten in den USA und Südafrika investiert. Und auch bei Magna Steyr in Graz hat sich BMW, wie berichtet, Kapazitäten reserviert.















