Treibstoff für Handelsriesen
Billa und Spar matchen sich über Tankstellenshops. Jetzt kommen auch Adeg und Merkur.

Foto © Traussnig/KK"Spar express"-Shop in Klagenfurt, Billa-Shop bei Jet: Von Reiseproviant ist keine Rede mehr
Der Alltag verliert seine feste Struktur. Selten noch trifft sich die ganze Familie am Tisch und isst gemeinsam - wenn es überhaupt eine Familie gibt. Es bleibt wenig Zeit für Haushaltstätigkeiten - auch für das Einkaufen.
Schnell einmal Milch und Brot kaufen zwischendurch ist gefragt. So werden ausgerechnet die Tankstellenshops zum modernen Nahversorger, dessen Marktpotenzial weiter wächst. Lebensmittel-Multi Billa kooperiert exklusiv mit Jet und betreibt österreichweit bereits 110 "stop & shop"-Märkte mit Ausblick auf mehr. Spar holte sich 2010 die Dopplergruppe, Österreichs größten privaten Tankstellenbetreiber, als Partner und hält derzeit bei 30 "Spar express"-Shops.
Jetzt verschärft sich das Match weiter. Diese Woche hat sich Spar den Treibstoffkonzern Shell Austria als weiteren Partner an Bord geholt. Heuer noch sollen 25 Standorte aufsperren, 2013 weitere 25.
Spar profitiert dabei von Öffnungszeiten sieben Tage die Woche, teilweise rund um die Uhr, denn für Tankstellen gilt das Ladenöffnungsgesetz nicht: Es ist eine Expansion durch die Hintertür. Aber auch Shell kann durch die Shops in einem gesättigten Markt wachsen. "Und dabei die Frequenz und den Treibstoffumsatz steigern", sagt "Shell Austria"-Geschäftsführer Gert Seybold. Eine Win-win-Situation.
Die Geschäfte laufen so gut, dass der Rewe-Konzern nun auch Merkur-Tankstellenshops aufbauen will. Hier ist eine Kooperation mit BP bereits fix, weil die grünen Markenzeichen gut zusammenpassen. Testmärkte mit Namen "Merkur inside" in Wien laufen. Zusätzlich will Rewe mit der Marke "Adeg am Weg" ins regionale Tankstellengeschäft. Auch hier gibt es bereits eine Pilotfiliale in der Steiermark. Hintergrund ist die flächendeckende Präsenz der großen Marken.
Was hat der Kunde davon? Von Reiseproviant ist schon lange keine Rede mehr. Das Sortiment umfasst pro Shop rund 1600 Produkte, die im Durchschnitt zwar 15 Prozent teurer sind als im normalen Geschäft, aber dafür eben allzeit verfügbar.
Top-Seller ist das Semmerl. Aber auch Convenience-Produkte wie Rewes "Chef Menü" reüssieren an Tankstellen enorm. Bernd Zierhut, Geschäftsführer der Doppler-Gruppe, verrät: "Mit dem Treibstoff sind wir bestenfalls kostendeckend. Die Erlöse machen wir mit den Shops und den Waschstraßen."
Features
Benzin und Semmerl
600 Millionen Euro war der Gesamtmarkt der Tankstellen in Österreich im sogenannten "Non-Oil-Bereich" im Jahr 2010 schwer. Bereits mehr als 50 Prozent des Umsatzes machen Tankstellen mit Shops.
Die Bedeutung der Tankstellenshops nimmt zu. Insbesondere bei der jüngeren berufstätigen Bevölkerung.
Die Gewerkschaft will die Flut an Tankstellenshops von Rewe und Spar bekämpfen. Es werde das Verbot der Sonntagsöffnung umgangen.














