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    Zuletzt aktualisiert: 30.04.2012 um 20:55 UhrKommentare

    Die schöne neue Arbeitswelt

    Das neue Jahrtausend stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Anstelle von Sicherheit tritt die Möglichkeit zur Entfaltung. Das schafft viele Verlierer.

    Foto © Fotolia

    Dicht an dicht sitzen die Zuhörer in dem kleinen SPÖ-Lokal. Seit einer geschlagenen Stunde referieren Gewerkschafter und Betriebsräte über die Verwerfungen der modernen Arbeitswelt, als sich ganz hinten ein junger Mann zu Wort meldet. Bis vor Kurzem, so erzählt er, sei er zufriedener Freiberufler mit drei unterschiedlichen Jobs gewesen. "Jetzt wurde ich zwangsangestellt. Für euch ist das bestimmt ein Erfolg, aber mein Einkommen ist um 20 Prozent gesunken."

    Die Welt ist kompliziert geworden für Gewerkschafter. Wir werden immer mehr zu einer Gesellschaft von Individualisten geworden", stöhnt eine Funktionärin am Podium.

    Und in der Tat: Die Arbeitswelt ist aus den Angeln gehoben. Die junge Generation, so scheint es, pfeift auf alte gewerkschaftliche Errungenschaften. 38,5-Stunden-Woche? Kündigungsschutz? Urlaubs- und Weihnachtsgeld? "Vor allem in den kreativen Branchen fragt kaum jemand mehr danach", sagt der Soziologe Kenan Güngör. "Mit zunehmender Ausbildung stellen die jungen Leute vermehrt die Frage nach der Sinnhaftigkeit, sie werden über Motivation gesteuert." Und wenn es einmal nicht so läuft? "Wer früher 20 Jahre bei derselben Firma arbeitete, bekam ein Abzeichen. Heute wird er eher komisch angesehen."

    Schöne neue Arbeitswelt: Jeder dritte Arbeitnehmer in Österreich hat keine klassische Anstellung mehr, im Vorjahr zählte die Wirtschaftskammer bereits 280.000 Ein-Personen-Unternehmen. Nur: Wollen das wirklich alle so?

    "Die Individualisierung wird vielen Beschäftigten aufs Aug gedrückt", sagt der Sozialpolitik-Experte Emmerich Talos. Mit leichter Verspätung habe der Trend zur Auslagerung von Arbeitskräften in den späten Neunziger-Jahren auch Österreich voll erfasst. Den Unternehmen kamen neue Selbstständige, Leih- und Teilzeitarbeitskräften günstiger, die Politik erhoffte sich davon zusätzliche Arbeitsplätze.

    Machtlose Gewerkschaft

    Auf der Strecke blieb dabei die arbeitsrechtliche Absicherung. Zwar hat es in den letzten Jahren zahlreiche Verbesserungen gegeben, insgesamt konstatiert Talos aber eine "Schieflage" gegenüber klassischen Arbeitsverhältnissen - nicht zuletzt bei der Bezahlung. Das trifft auch gut ausgebildete Junge, die nach dem Studium Praktikum an Praktikum reihen - ohne soziale Absicherung und Pensionszeiten. "Ich habe trotz Nacht- und Wochenenddiensten jahrelang von der Hand in den Mund gelebt", sagt die Wiener Journalistin Sahel Zarinfard, die unlängst mit Gleichgesinnten das Onlinemagazin "Paroli" gegründet hat - auch um auf die schlechten Arbeitsbedingungen vieler Kreativer aufmerksam zu machen. "Das Thema Praktika wird von der Gewerkschaft unter den Teppich gekehrt", sagt sie.

    Talos urteilt weniger hart, aber auch er stellt fest, dass die Gewerkschaften den neuen Gegebenheiten lange ratlos gegenüberstanden. Noch immer sei es offensichtlich, dass "die Gewerkschaft ihren Fokus eher auf die Normalarbeitsplätze setzt". Wohl auch aus einer gewissen Machtlosigkeit heraus: Denn streng genommen ist die Gewerkschaft für die neuen Selbstständigen gar nicht zuständig, formal werden sie von der Wirtschaftskammer vertreten. "Arbeitsrechtlich haben sie damit logischerweise keine Vertretung", sagt Talos.

    Die neue Vielfältigkeit und Unübersichtlichkeit der Berufswelt stelle auch die traditionelle Arbeitnehmervertretung auf den Kopf, meint Soziologe Güngör. Der Einfluss der Gewerkschaft sinke zugunsten temporärer Zweckgemeinschaften. Alte gewerkschaftliche Werte wie Solidarität blieben dabei freilich auf der Strecke: "Wir verlieren zunehmend unser gemeinsames Haus."

    WOLFGANG RÖSSLER

    Fakten

    Eine Million Menschen (29,6 Prozent der Erwerbstätigen) arbeiten in atypischen Niedriglohnjobs: 24,2 Prozent der Frauen, 7,4 Prozent der Männer. 40 Prozent davon leben unter dem Existenzminimum. Im Schnitt verdienen regulär Beschäftigte um 1,2 Euro mehr pro Stunde.

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