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    Zuletzt aktualisiert: 21.04.2012 um 20:49 UhrKommentare

    Rekordhalter bei Handelsflächen

    Kärnten hat mit zwei Quadratmetern pro Einwohner die größte Dichte an Handelsfläche in Österreich. Die Raumordnung versagte.

    Foto © KLZ/Traussnig

    Josef Matschek hat seine Funktion als Gremialvorsteher des Lebensmittelhandels längst zurückgelegt, sein Geschäft in Fürnitz vor Jahren zugesperrt. Als Vorkämpfer für liberale und unbürokratische Öffnungszeiten in Tourismusgebieten ist er froh, dass der Sozialpartnervorschlag, der für 40 Handelsbetriebe das Aus für die Sonntagsöffnung im Sommer gebracht hätte, abgewendet worden ist. "Das wäre ein Rückschritt ins Mittelalter gewesen", meint Matschek und fügt hinzu: "Wo gibt es denn noch die kleinen Händler, die man schützen will? Da hätte die Raumordnung längst eingreifen müssen, doch der Zug ist abgefahren", ist Matschek überzeugt. "Kärnten war 1985 Vorreiter bei der Sonntagsöffnung im Tourismus, alle Bundesländer haben neidvoll auf uns geschaut."

    Nachdem Landeshauptmann Gerhard Dörfler eine neue Verordnung über die Sonntagsöffnung in Tourismusgebieten unterschrieben hat, dürfen die meisten Geschäfte, wie bisher am Sonntag aufsperren. Also: "Viel Lärm um nichts."

    Bekanntlich hat es im Vorjahr Anzeigen von Arbeiterkammer und Gewerkschaft gegen Händler gegeben, die mehr verkauft haben, als Waren des täglichen Bedarfs. Also auch Hundefutter, Klopapier und Haarshampoo. "Das wäre für ein Tourismusland lächerlich", sagt Dörfler. Wiewohl er auch weiterhin ein Gegner der generellen Sonntagsöffnung der Geschäfte sei. Dem Wildwuchs an Handelsflächen, wie beispielsweise in Annenheim/Treffen, soll ein Riegel vorgeschoben werden.

    Beim Tauziehen um die Sonntagsöffnung in Tourismusgemeinden werden die wahren Probleme des Kärntner Handels an die Oberfläche gespült. Die selbstständigen Händler, die in Kärnten noch übrig geblieben sind, kann man auf wenigen Händen abzählen. In den letzten Jahren musste ein Nahversorger nach dem anderen vor den großen Handelsketten und den Einkaufszentren kapitulieren, die von der Politik schrankenlos bewilligt worden sind. Einen Schutz der kleinen Händler hat es in Kärnten nie gegeben. Die Nahversorgung wurde längst von Tankstellenshops mit teilweise weit überhöhten Preisen übernommen. Die Sonntagsöffnung hat vielen Händlern wenigstens ein Auskommen garantiert.

    Kärnten hat mit zwei Quadratmetern pro Einwohner die größte Dichte an Handelsfläche, österreichweit sind es 1,7 Quadratmeter, in Italien 0,9, in England 0,7. "Die Kaufkraft, ohnehin die niedrigste Österreichs, nimmt dadurch aber nicht zu", sagt Spartenobmann Jürgen Mandl.

    Johann Schleicher: "Lebensqualität geht vor"

    Der Adeg-Kaufmann Johann Schleicher war der Platzhirsch in Drobollach. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich Billa im Nachbarort Egg angesiedelt hat. "Billa sollte eigentlich nach St. Niklas, aber dort gibt's keine Tourismusregelung und auch keine Sonntagsöffnung", erzählt Schleicher.

    Jetzt hat er in den Saisonzeiten immer noch am Sonntag offen, doch erst ab Mitte Mai bis Mitte September und statt der zweistündigen Mittagspause sperrt er schon um 16 Uhr seinen Laden zu. Das Geschäft brummt vor allem im Juli und August.

    Er erinnert sich an die 80er-Jahre, als man als Kaufmann weder geschnittene Wurst noch Brot verkaufen durfte. Er wurde angezeigt, und musste Strafe bezahlen.

    "Ich mache zwar im Sommer einen guten Umsatz, aber das ist nicht alles. Nach 40 Jahren hat die Lebensqualität Vorrang", so Schleicher. Das Geschäft ist am Sonntag geöffnet, weil er dem Billa-Markt nicht das Terrain überlassen möchte. Im Sommer arbeiten um vier Angestellte mehr. "Viele wollen nur am Sonntag arbeiten, weil sie das Doppelte verdienen."

    Albert Kogler: "Ertrag nur mit Sonntag"

    Der selbstständige Spar-Kaufmann von Pörtschach, Albert Kogler, ist heilfroh, dass die Sozialpartnereinigung abgewendet worden ist. Er hätte zwar in Pörtschach weiterhin am Sonntag aufsperren dürfen, doch die geplanten eingeschränkten Saisonzeiten (statt von 1. Mai bis Ende September, von Christi Himmelfahrt bis Mitte September) hätten ihm Umsatzeinbußen bis zu 50.000 Euro beschert.

    Besonders empört hatte Kogler aber die überfalls-artige Aktion, mit der die Änderungen beschlossen hätten werden sollen. Die Möglichkeit der Sonntagsöffnung sei das Hauptargument gewesen, warum er vor drei Jahren den 450 Quadratmeter großen Spar-Markt in Pörtschach übernommen habe. "Sonst wäre das uninteressant für mich gewesen." Im Sommer beschäftigt Kogler bis zu 14 Mitarbeiter, die am Sonntag einen hundertprozentigen Zuschlag zum Lohn bekommen, im Winter sind es acht.

    In dem Fragebogen, der von der Wirtschaftskammer auf seinen Tisch geflattert ist, hat er aus voller Überzeugung angegeben: "Es soll alles so bleiben, wie es ist."

    ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

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    Foto © KLZ/Traussnig

    Bild vergrößernAdeg-Kaufmann Johann Schleicher in DrobollachFoto © KLZ/Traussnig

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    Bild vergrößernSpar-Kaufmann Albert Kogler in PörtschachFoto © KLZ/Weichselbraun

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