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    Zuletzt aktualisiert: 16.03.2012 um 19:00 UhrKommentare

    Verhasster Frieden unter Feinden

    Die Früchte für Investmentbanker hängen immer höher. Die meisten Konzernchefs haben Übernahme- und Fusionspläne wegen der Euro-Krise in ihren Schubladen verschwinden lassen oder gleich im Papierkorb versenkt. "Die Behörden sind schuld", heißt es.

    Bankenviertel in Frankfurt: Die Vorsicht regiert

    Foto © fotolia.com | david@engel.acBankenviertel in Frankfurt: Die Vorsicht regiert

    Die Banken und deren Kreditabteilungen sind wegen der höheren Kapitalanforderungen knauserig bei der Darlehensvergabe. Und wenn ein Unternehmen trotz aller Widrigkeiten den Anlauf für eine große Übernahme nimmt, machen die immer häufiger die Regulierungsbehörden Unternehmen und Bankern einen Strich durch die Rechnung.

    "Die Behörden sind unberechenbar geworden", klagt eine Person aus dem Umfeld der Deutschen Börse, deren Fusion mit der New Yorker Nyse am Veto der EU-Kommission scheiterte. Die Unternehmen hatte vor der Ankündigung ihrer Milliarden-Fusion in Brüssel vorgefühlt und glaubten positive Signale vernommen zu haben. Am Ende verbot die Kommission das Geschäft trotzdem wegen der Marktmacht beider Anbieter im Derivategeschäft an europäischen Börsen.

    Auch der 39-Milliarden Dollar schwere Verkauf des US-Geschäfts der Deutschen Telekom an AT&T platze, weil er aus Sicht der US-Behörden den Wettbewerb am amerikanischen Mobilfunkmarkt beeinträchtigt hätte. Auf viele fusionswillige Unternehmen hätten diese Fälle abschreckende Wirkung, klagen Investmentbanker. "Ich bekomme viele besorgte Anrufe von Kunden", sagt einer von ihnen. Viele Konzerne würden große Transaktionen erst gar nicht in Angriff nehmen.

    Gestiegenes Risiko

    Die Arbeit von Fusionsberatern, die an Milliarden-Deals kräftig mitverdienen, ist durch den schärferen regulatorischen Gegenwind schwieriger geworden. Das Risiko, dass ein großes Geschäft von Behörden untersagt wird, sei oft extrem schwer einzuschätzen, sagt Dirk Notheis, Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan-Stanley. "Derzeit beobachten wir grundsätzlich eine eher restriktivere Handhabung von Kartellbehörden." Notheis hat den geplanten Verkauf von T-Mobile USA an AT&T mit ausgehandelt und erlebt, wie schnell sich Übernahmepläne heutzutage in Luft auflösen können.

    Der Fall T-Mobile USA ist aber auch ein Beispiel dafür, wie ein Unternehmen auf das gestiegene Risiko des Scheiterns reagieren kann - indem es für den Fall, das der Deal platzt, eine Ausgleichzahlung aushandelt. Die Telekom erhielt von AT&T einen Ausgleich im Wert von sechs Milliarden Dollar - die höchste jemals bezahlte "Break Fee". "Man wird Kartellrisiken nie absorbieren können, aber über das Konstrukt einer Break-Fee besteht zumindest die Möglichkeit die ökonomischen Folgen abzumildern", sagt Morgan-Stanley-Banker Notheis. "Break-Fees werden zukünftig eine eher bedeutendere Rolle spielen."

    Ursprünglich sollte mit "Break-Fees" sichergestellt werden, dass Unternehmen eine geplante Übernahme oder Fusion auch durchziehen und sich nicht nach besseren Angeboten oder anderen potenziellen Partnern umsehen. Wer welche Risiken trägt, ist Verhandlungssache. In letzter Zeit gewinnt dieses Instrument vor allem wegen der strengeren Herangehensweise der Aufseher an Bedeutung, berichtet ein anderer Investmentbanker. "Wegen der steigenden Ungewissheit, ob Transaktionen gelingen, ist das Bedürfnis nach Absicherung so groß wie nie zuvor."

    Grenzen gesetzt

    Der Einsatz von "Break Fees" wird allerdings von Land zu Land sehr unterschiedlich gehandhabt. In den USA sind sie weit verbreitet. Üblich sei, dass sich die Ausgleichszahlung auf drei bis vier Prozent des Kaufpreises des übernommenen Unternehmens belaufe, sagt ein Investmentbanker. In Europa und vielen anderen Regionen fallen die "Break Fees" üblicherweise geringer aus, in manchen Ländern sind ihnen gesetzlich sehr enge Grenzen gesetzt.

    Deutsche Unternehmen haben hohe "Break Fees" bisher vor allem bei grenzüberschreitenden Zukäufen mit US-Unternehmen ausgehandelt, nicht aber bei Übernahmen im Inland. Banker führen dies vor allem darauf zurück, dass deutsche Gerichte Extra-Zahlungen im Rahmen von Übernahmeprozessen kritisch sehen, die in anderen Ländern gang und gebe sind. Deutlich wurde dieser kulturelle Unterschied unter anderem bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone im Jahr 2000, nach der sich zahlreiche Beteiligte wegen Millionenprämien für Mannesmann-Manager vor Gericht verantworten mussten.

    Mehrere Banker gehen davon aus, dass deutsche Gerichte auch Ausgleichszahlungen nur dann akzeptieren, wenn sich deren Höhe konkret bemessen und rechtfertigen lässt. "Break Fees müssen angemessen sein und sich an den Kosten orientieren, die wegen des Übernahmeprozesses auftreten", sagt ein Fusionsberater. Das sechs Mrd. Dollar dicke Trostpflaster für die Deutsche Telekom dürfte somit fürs Erste ein Sonderfall bleiben.


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