Beyrer soll bei IV Telekom-Informant gewesen sein
Der jetzige Chef der Staatsholding ÖIAG, Markus Beyrer, soll sich in seiner früheren Tätigkeit als Generalsekretär der Industriellenvereinigung als "Informant" für das Management der Telekom Austria betätigt haben.

Foto © APAÖIAG-Chef Markus Beyrer
Der jetzige Chef der Staatsholding ÖIAG, Markus Beyrer, soll sich in seiner früheren Tätigkeit als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) als "Informant" für das Management der Telekom Austria (TA) betätigt haben. Das geht laut neuer Ausgabe des Wochenmagazins "News" aus weiteren nun aufgetauchten internen TA-Mails hervor. Die ÖIAG hält 28,42 Prozent an der TA, und Beyer ist Aufsichtsratschef des Unternehmens. Pikant ist, dass Beyrer ja, als er noch bei der IV war, an von der Telekom bezahlten Jagdausflügen und anderen Events teilgenommen hat, jetzt aber als deren AR-Chef auch Affären wie die Aktienkursmanipulationen von Frühjahr 2004 rund um Boni-Zahlungen an frühere Telekom-Spitzenmanager aufklären soll.
Im nun bekannt gewordenen Mail-Verkehr geht es um die Rolle, die Beyrer im November und Dezember 2008 als IV-Generalsekretär rund um Proteste der Telekom-Belegschaft gegen einen angekündigten Jobabbau gespielt haben soll. Die TA-Personalvertreter hatten damals unter anderem an den Präsidenten der IV, Veit Sorger, geschrieben: Das Telekom-Management agiere nur im Sinne von kurzfristigem Erfolg mit massiven Kostenreduktionsprogrammen. Als verantwortungsvollem IV-Chef wolle man ihm nahebringen, wie wichtig die Telekom als Leitbetrieb mit fast 10.000 Beschäftigten für das Land und dessen Infrastruktur sei. Das Schreiben - in dem (angebliche) TA-Managementfehler taxativ ausgezählt werden, datiert von 5. November 2008.
Disziplinarverfahren für Beamte
Schon am 7. November, zwei Tage danach, traf bei Michael Fischer, dem TA-Public-Affairs-Head und Ex-ÖVP-Organisationsreferenten, ein E-Mail ein. Zitat: "Wie mit Generalsekretär Beyrer besprochen, das Schreiben des Zentralausschusses der Telekom Austria TA AG". Fischer schickte das Mail gleich an die Unternehmensspitze (Ametsreiter, Nemsic, Schieszler) weiter - zur Information und "mit der Bitte um Geheimhaltung". Dieses Mail druckt das Magazin als Faksimile ab ("Betreff: Brief_M_Kolek.pdf").
Als am 4. Dezember dann eine Demonstration folgte, wurden nicht nur die Manifestanten minutiös beobachtet, sondern laut "News" schlug der Telekom-Manager Michael Jungwirth, davor ÖVP-Sekretär, auch vor, zu überprüfen, ob die Teilnahme an einem Streik bei Beamten nicht mit einem Disziplinarverfahren geahndet werden könnte. Bei IV-Chef Veit Sorger bedankte sich der TA-Öffentlichkeitsarbeiter Michael Fischer dann: "Danke Veit! Auf Euch ist Verlass!" Sorger hatte, so "News" noch während der Demo eine Aussendung gegen den Streik versandt.
Saubermacher
Beyrer, dem Magazin zufolge damals Informant von Fischer, soll heute dafür sorgen, dass reiner Tisch bei der Telekom gemacht wird. Der Aufsichtsrat hat ja die deutsche Prüfungsfirma BDO beauftragt, Missstände in der TA zu überprüfen. "News" fragt sich, ob Beyrer die Funktion des Saubermachers angesichts seiner Nähe zu den Betroffenen überhaupt ausüben kann. Ja, das könne er schon, hatte Beyrer etwa am 5. November 2011 im Radio gesagt. Denn "mit den Prüfungshandlungen, die wir jetzt zu setzen haben und meiner Tätigkeit bei der Telekom Austria, hat das überhaupt nichts zu tun", meinte der TA-AR-Chef gefragt etwa zur Teilnahme an vom Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly organisierten und der Telekom bezahlten Jagden. Ober er nun ganz unbelastet im Aufsichtsrat der Telekom sein könne? "Natürlich kann ich das", so der ÖIAG-Chef: "In meiner Zeit als Generalsekretär der IV wurde ich natürlich von Mitgliedsunternehmen zu unterschiedlichen Dingen eingeladen. Einen relativ geringen Anteil dieser Einladungen habe ich auch angenommen, das war aber alles vor meiner Zeit in der Telekom Austria."
Zum "News"-Artikel liegt noch keine Stellungnahme von Beyrer oder von der ÖIAG vor. Das Magazin verfügt nach eigenen Angaben über rund 200.000 Telekom-E-Mails. Insgesamt habe die Telekom über eine Million E-Mails nicht der Justiz übergeben, darunter auch Beyrer betreffende. Am Donnerstag legt die Telekom ihre Jahresbilanz 2011 vor.














