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Zuletzt aktualisiert: 09.02.2012 um 20:37 UhrKommentare

Industrie bangt um Rohstoffe

Die Industrie schlägt Alarm: Bei vielen wichtigen Rohstoffen sei die Versorgung Europas nicht mehr gesichert. Nötig seien "Rohstoff-Diplomatie", bessere Wiederverwertung und sparsamere Verwendung.

Foto © APA

Am bekanntesten ist das Beispiel der "Seltenen Erden": Das sind metallische Minerale, die man etwa für Magnete, Laser, Glasfaserkabeln und Energiesparlampen braucht. Zu 95 Prozent stammen sie aus China, das sein Quasimonopol weidlich nützt. Im Jahr 2010 wurden die Exportlizenzen von fast 60.000 auf 30.000 Jahrestonnen halbiert. Zugleich wurden die Exportsteuern erhöht. Engpässe und Preissprünge waren die Folge.

Doch auch mehrere Dutzend andere wichtige Industrierohstoffe fließen nur noch zögernd nach Europa, wie die Industriellenvereinigung (IV) in ihrer Studie "Rohstoffsicherheit 2020+" schreibt. "Die Versorgung der europäischen Industrie mit nicht energetischen Rohstoffen kann nicht länger als selbstverständlich vorausgesetzt werden", heißt es dort. Betroffen ist etwa Magnesit, wo es trotz inländischer Abbaustätten einen "eklatanten Mangel" gibt, wie IV-Vizegeneralsekretär Peter Koren der Kleinen Zeitung sagt. Bei Eisenerz, Wolfram, Zink oder Bauxit besteht eine sehr hohe Importabhängigkeit. Platin, Kobalt oder Molybdän werden sogar zur Gänze aus Übersee eingeführt.

Die Ursachen der Rohstoffknappheit sind vielfältig: Die aufsteigenden Wirtschaftsnationen wie China und Indien benötigen selbst immer mehr Rohstoffe. Eine Vielfalt hochmoderner Technikprodukte (etwa Smartphones) treibt die Weltnachfrage an. Aber auch Spekulation, Protektionismus und nicht zuletzt der Umweltschutz, der den Abbau verhindert oder verteuert, tragen zu dieser Entwicklung bei.

Während sich die USA den Löwenanteil der weltweiten Energiequellen (Öl) gesichert haben und China schon seit Jahrzehnten in Afrika und Australien Rohstoffe aufkauft, steht die EU mit ihrer "Rohstoffdiplomatie" erst am Anfang. Die Industrie verlangt hier deutlich höhere Anstrengungen. Die Erkundung neuer Lagerstätten in Europa müsse außerdem als "Forschung" anerkannt und gefördert werden. Eine IV-Arbeitsgruppe unter Führung des Chefs der Lenzing AG, Peter Untersperger, soll künftig Druck machen.

Lenzing benötigt Zellstoff aus Buchenholz, Holz ist aber wegen der Förderung seiner Verheizung knapp. Die Umweltorganisation Global 2000 fordert freilich im Gegenzug eine Reduktion des Ressourcenverbrauchs: Europa verbrauche seit Jahrzehnten deutlich zu viele Rohstoffe.

ERNST SITTINGER

Grafik

Grafik © Kleine Zeitung

Grafik vergrößernRohstoffimporte in der EUGrafik © Kleine Zeitung

Strategien

Diplomatie: Europa soll Rohstoff-Partnerschaften mit Produktionsländern eingehen, fordert die Industrie. Über Kartellrecht und Handelspolitik soll man Monopolstrukturen verhindern.

Rohstoffplan: Nach österreichischem Vorbild solle Europa alle seine Rohstoffvorkommen erheben und in die Raumplanung einbeziehen. Behördenverfahren sollen erleichtert werden. Dies stößt aber auf Widerstand der Umweltschutzorganisationen, die Raubbau befürchten.

Materialeffizienz und Wiederverwertung: Die Rückgewinnung wertvoller Stoffe soll deutlich intensiviert werden. Derzeit beträgt etwa der Rücklauf bei Handys nur ein Prozent.

Sonderfall Holz: Dieses soll zunächst nicht verheizt, sondern stofflich genützt werden. Motto: erst Sessel, dann Papier, dann Altpapier, dann Verbrennung.

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