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Zuletzt aktualisiert: 05.02.2012 um 05:06 UhrKommentare

Milliardenprozess nach Datendiebstahl

Weil ein frustrierter Ingenieur Daten der Klagenfurter Firma Windtec verkaufte, führen USA und China ihre wohl teuerste "Wirtschaftsschlacht".

Heiß umkämpft: Auf dem Windenergiemarkt geht es um viele Milliarden. Da ist Datenklau verlockend

Foto © APHeiß umkämpft: Auf dem Windenergiemarkt geht es um viele Milliarden. Da ist Datenklau verlockend

Was Experten seit Monaten erwarten, ist eingetroffen: Die Industriespionage-Aktion eines serbischen Ingenieurs bei der Klagenfurter US-Tochter Windtec hat einen Monsterprozess um 1,2 Milliarden Dollar ausgelöst. "Das ist die größte Klage eines US-Konzerns gegen ein Unternehmen in China", so Gunter Huainigg, Anwalt des im September 2011 verurteilten Täters.

Das Drama begann mit einem banalen Konflikt: Der Ingenieur sollte vom Entwickler zum Kundenbetreuer absteigen und war sauer. Bei Servicearbeiten für Windtecs größten Kunden Sinovel kam er den Chinesen näher. Die boten ihm einen guten Job, doch nachdem er in Klagenfurt gekündigt hatte, setzten sie ihn unter Druck und forderten schnelle Lösungen für Software-Probleme bei Windenergieprojekten. Der Täter saugte immense Datenmengen bei Windtec ab und gab sie Sinovel. Dafür soll er 15.000 Euro bekommen haben.

Danach brauchte Sinovel die Klagenfurter nicht mehr, verweigerte die Annahme und Bezahlung vertraglich vereinbarter Leistungen und stürzte Windtec und ihre US-Mutter AMSC in eine existenzbedrohliche Krise.

Als der Ingenieur ein letztes Mal nach Klagenfurt kam und seine Kommunikationsgeräte abgeben wollte, schnappte die Falle zu. Er wurde verhaftet und zu drei Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, und 200.000 Euro Schadenersatz verurteilt.

FBI: Hilfe aus Kärnten

Trumpf des Täters: Er ist Hauptbelastungszeuge in der Klage von AMSC gegen Sinovel in Peking, bei der es - laut Reuters - schon um 1,2 Milliarden Dollar geht. Ein Rechtshilfeersuchen des US-Justizministeriums ist bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingetroffen, wie deren Sprecher Helmut Jamnig bestätigt. Anwalt Huainigg zufolge ist auch das FBI eingebunden. Er kündigt an, "dass mein Mandant auch weiterhin alles auf den Tisch legt". Und schon im März, wie Huainigg glaubt, wieder freigelassen wird.

Der Streit ist auch weltweit bedeutsam: Er zeigt, wie ernst China Urheberrechte und geistiges Eigentum nimmt, worum viele westliche Firmen seit Langem kämpfen.

JOCHEN BENDELE

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