Neuer Estag-Chef soll den Wandel befeuern
Christian Purrer, langjähriger Vertriebschef der Energie Steiermark, rückt in den Vorstand des Konzerns auf. Er übernimmt den Job des zurückgetretenen Oswin Kois und soll mit neuen Geschäftsfeldern die Erträge steigern.

Foto © APAChristian Purrer
Das Hearing der Estag-Chefkandidaten begann am Freitag erst um 14.30 Uhr, doch bereits knapp drei Stunden später stieg weißer Rauch auf. Christian Purrer (57), erfahrener Vertriebschef des Hauses, wurde vom Aufsichtsratspräsidium zum Nachfolger von Oswin Kois als Vorstandssprecher der Estag gekürt. Gemeinsam mit Olaf Kieser als Mitglied des Vorstands wird er künftig auf der Kommandobrücke des 1800-Mitarbeiter-Konzerns (Gruppenumsatz: 1,25 Milliarden Euro) stehen. Interessant: Die Verträge von Purrer und Kieser wurden synchronisiert. Beide wurden für fünf Jahre bestellt - offizieller Amtsantritt ist der 1. April.
Purrer ist Entsandter des Mehrheitseigentümers Land Steiermark und war nach der Papierform zuletzt der "logische Nachfolger". Externe Bewerber fanden sich wegen der vergleichsweise niedrigen Gage (211.000 Euro/Jahr) nicht in geforderter Qualität. Unter den internen Kandidaten war Purrer der Profilierteste, obwohl er ursprünglich nicht aus dem kommerziellen Bereich kommt, sondern aus dem technischen. Der gebürtige Grazer war erklärter Kandidat von ÖVP-Chef Hermann Schützenhöfer, nachdem sich der ebenfalls gehandelte Estag-Aufsichtsrat Karl Rose gleichsam selbst aus dem Rennen genommen hatte.
Der formal zuständige SP-Landeshauptmann Franz Voves hatte frühzeitig avisiert, die Auswahl dem schwarzen Lager zu überlassen, zumal ein paktierter dritter Estag-Vorstand (der von der ÖVP hätte kommen sollen) am Widerstand der französischen Co-Eigentümer gescheitert war.
"Wir müssen in Zukunft noch stärker in Richtung Kundenzufriedenheit und Kundenorientierung gehen", so Purrer in einer ersten Reaktion zur Kleinen Zeitung.
"Purrer hat im Rahmen des Hearings durch langjährige unternehmensinterne Führungs-Erfahrung und Fach-Expertise überzeugt und ein anspruchsvolles, zukunftsorientiertes Arbeitsprogramm präsentiert", so der Präsident des Aufsichtsrates, Josef Mülner. "Der Aufsichtsrat hat damit die personellen Weichen für eine erfolgreiche und innovative Weiterentwicklung der Energie Steiermark gestellt".
Auf Purrer warten einige heiße Baustellen. So etwa der endgültige Rückzug aus dem technisch und kommerziell unerfreulichen Müllverbrennungsgeschäft (ein Verkauf der Enages dürfte bevorstehen). Außerdem müssen die ungünstigen "Take or pay"-Gas-Lieferverträge mit der Gazprom-Tochter GWH, die noch bis 2027 laufen, neu verhandelt werden. Die Estag hat hier eine Kartellklage angestrengt.
Das Jahresergebnis 2011, das noch von Kois verantwortet wird, dürfte erfreulich ausfallen. Umsatz und Ergebnis sind gestiegen. Insbesondere die Auslandsbeteiligungen in der Slowakei, Tschechien und Ungarn werfen solide Gewinne ab.
Features
Zur Person
Christian Purrer wurde am 7. Jänner 1955 in Graz geboren. Er maturierte 1973 am Akademischen Gymnasium und studierte an der Technischen Universität Graz.
Seine Karriere in der Energie Steiermark führte ihn bisher vom technischen Bereich bis zum Vertriebschef des Konzerns. Er ist auch Prokurist der Steweag-Steg.
Als Langzeit-Präsident des überparteilichen Sportverbandes ASVÖ (gewählt bis 2015) und als Mitglied des Rotary Clubs Graz-Zeughaus ist Purrer gesellschaftlich stark verankert.















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