Jetzt beginnt das große Zittern
3000 Mitarbeiter von Schlecker Österreich vorerst nicht von der am Montag eingebrachten Insolvenz betroffen. Die Verunsicherung ist aber groß. Gläubiger wollen Gründer zur Kasse bitten - es soll um Milliardenbeträge gehen.

Foto © APADie Firmenzentrale in der Nähe von Ulm
Am frühen Morgen war es so weit. Die deutsche Drogeriekette Schlecker hat am Amtsgericht Ulm per Fax Insolvenzantrag eingereicht, ein Schritt, der bereits am Freitag angekündigt worden war. Ziel ist es, sich über die sogenannte Planinsolvenz zu sanieren. Die Schlüsselfrage ist, ob auch die Gläubiger mitziehen. Schlecker beschäftigt allein in Deutschland 30.000 Mitarbeiter, europaweit sind es 47.000. Davon 3000 in Österreich. Die Frage, wie es mit den rund 970 Schlecker-Filialen in Österreich weitergehen wird, ist noch nicht gänzlich geklärt. Dennoch können die österreichischen Mitarbeiter vorerst aufatmen. Denn das Auslandsgeschäft von Schlecker - das sind rund 3000 Filialen in sieben Ländern - ist von der Insolvenz nicht betroffen. Vorerst zumindest. Scheitert die Sanierung in Deutschland, könnte es zu einer Zerschlagung kommen. Und so auch das Österreich-Geschäft mit in den Abgrund reißen. Obwohl es erst vor einigen Monaten von Firmenchef Lars Schlecker als "absolut profitabel" bezeichnet wurde.
Maulkorb für Mitarbeiter
Immer wieder verweisen Insolvenzexperten in dem Zusammenhang auf den Versandhändler Quelle. Dessen Pleite in Deutschland hat letztendlich auch das damals positive Geschäft in Österreich getroffen. Der Handelsexperte Peter Schnedlitz erwartet zwar keine Kündigungswelle in Österreich, rechnet aber mit einem Prozess des Gesundschrumpfens. Er meint, dass rund zehn Prozent der 970 Filialen geschlossen werden könnten.
Offizielle Informationen zur Zukunft von Schlecker in Österreich sind weiterhin nicht zu bekommen. "Die Verunsicherung ist groß", sagt eine heimische Schlecker-Mitarbeiterin. Sie habe seit Freitag zwei Fax-Mitteilungen erhalten: Eine, in dem Schlecker darauf hinweise, dass alles normal weitergehe. Und eines, in dem Mitarbeitern sämtliche Medienkontakte und Fotos streng verboten wurden. Auf der Internet-Seite preist der Drogeriekonzern zunächst weiterhin "das größte Investitionsprogramm der Unternehmensgeschichte" an.
Milliarden im Visier
In Deutschland wird unterdessen intensiv über das Schlecker-Familienvermögen debattiert. Schließlich zählt Firmengründer Anton Schlecker zu den reichsten Deutschen, laut dem US-Magazin Forbes ist er 2,4 Milliarden Euro schwer. "Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten. Besonders in einem solchen Falle gilt: Eigentum verpflichtet", betont die Gewerkschaft Verdi. Das Handelsgericht Ulm weist Schlecker als Personengesellschaft aus, daher - so wird spekuliert - könnten die Gläubiger tatsächlich aus dem Privatvermögen bedient werden müssen.
Features
Fakten
1,652 Milliarden Euro wurden im heimischen Drogerie-Fachhandel 2010 umgesetzt, berichtet RegioPlan. Das Plus gegenüber 2009 betrug zwei Prozent, gegenüber 2008 5,4 Prozent.
Schlecker ist mit aktuell 970 Filialen zwar von den Geschäftsstellen her die Nummer eins in Österreich, nicht aber beim Umsatz. Der Umsatz-Marktanteil liegt laut RegioPlan bei 20 Prozent.
Mit 25 Prozent Marktanteil und rund 570 Filialen ist die Rewe-Tochter Bipa vom Umsatz her die Nummer eins in Österreich. dm Drogeriemarkt (Spar ist beteiligt) ist Bipa beim Marktanteil dicht auf den Fersen, auch wenn es "nur" 370 dm-Filialen gibt.















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