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Zuletzt aktualisiert: 03.11.2011 um 22:20 UhrKommentare

"Jetzt müssen die Pflöcke eingeschlagen werden"

Willibald Cernko, Vorstandschef der Bank Austria, zu Griechenland, den neuen Kapitalvorschriften für die Banken und der Angst der Wirtschaft vor einer Kreditklemme.

Willibald Cernko

Foto © APAWillibald Cernko

Viele Österreicher befürworten bei Griechenland langsam eher ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wie sieht das der Banker?
WILLIBALD CERNKO: Einmal mehr erhebt sich die Frage ob der Qualität des Krisenmanagements. Einmal mehr hat man Zweifel, ob man auf Dinge, die diskutiert und Beschlüsse, die seit rund eineinhalb Wochen gefasst worden sind, ob man darauf bauen kann oder nicht. Und einmal mehr stellt sich die Frage ob der Managebarkeit des Projektes Europa. Die Märkte sind verunsichert, weil gerade das Gegenteil dessen erreicht worden ist, was man erwartet hat. Was verabschiedet wurde, was in Grundzügen festgelegt wurde, war aus meiner Sicht eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung. Das Gute an dem ganzen Thema ist, das man ein relativ knappes Zeitfenster festgelegt hat, in dem unser Sektor massiv Vorkehrungen zu treffen hat, um auf ein Krisenszenario vorbereitet zu sein. Das heißt, die Kapitalbasis zu stärken.

Sie sprechen damit die neun Prozent Kernkapitalquote bis Mitte nächsten Jahres an.
CERNKO: Ich sehe das positiv, weil es auch in Einklang steht mit den Grundzügen von Basel III. Es ist einfach eine Beschleunigung, es ist aber auch eine Verschärfung der Situation zu sehen. Es wird uns Banken gut tun, wenn wir rasch diese Hausaufgaben erledigen, weil wir damit auch unseren Beitrag zur Stabilisierung der Situation leisten können.

Das klingt sehr zufrieden.
CERNKO: Ich vermisse, und das sage ich auch ganz deutlich, dass sich auch das politische Management von Europa mit derselben Vehemenz, mit derselben Klarheit in einem knappen Zeitfenster ähnlich klare Ziele gesetzt hätte. Um etwa die Staatshaushalte zu sanieren.

Hat diese neueste, verschärfte Griechenlandkrise da nicht indirekt den Vorteil, dass Europas Politiker jetzt wohl endgültig handeln müssen? Heißt es jetzt nicht endgültig hopp oder tropp?
CERNKO: So verrückt es wohl klingen mag, aber ich pflichte dem durchaus bei. Nicht dass ich mir das gewünscht hätte, bei Gott nicht, aber wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo man von einer Art Alternativenlosigkeit sprechen kann. Es geht nur mehr schwarz oder weiß, hopp oder tropp. Jetzt müssen die Pflöcke eingeschlagen werden. Hoffen wir, dass dieses Ereignis zu einem positiven Ende führt. Mit Bestimmtheit kann das leider keiner sagen.

Die Mutter der Bank Austria, die UniCredit, hat einen Kapitalbedarf von 4,4 Milliarden Euro genannt, wie schaut es für ihr Haus unter den absehbaren Bedingungen aus?
CERNKO: Unter den verschärften Bedingungen werden aus unseren zehn Prozent hartem Kernkapital 9,7 Prozent. Das heißt, wir haben keinen Handlungsbedarf. Wir können das durchaus entspannt sehen. Die UniCredit hat 4,4 Milliarden Euro errechnet, Mitte November wird man sagen was notwendig ist, um diese Lücke zu schließen. Wir werden, das kann ich aber jetzt schon sagen, weder hier noch da Staatshilfe in Anspruch nehmen.

Werden da die Töchter zur Kassa gebeten?
CERNKO: Nein, das kann man ganz klar ausschließen. Vorausschicken möchte ich: Dass wir diese zehn Prozent haben, ist eine Konsequenz dessen, dass wir drei Jahre lang keine Dividende bezahlt haben. Wir sind also sauber mit Kapital ausgestattet worden. Unser Eigentümer hat sehr langfristig gedacht, auch weil unsere Zuständigkeit für Österreich und Mittel-/Osteuropa einfach eine stärkere Kapitalbasis notwendig macht. Ganz abgesehen davon unterliegen wir der Aufsicht von Notenbank und FMA, und da wird sowohl das Thema Kapitalausstattung aber auch das Thema Liquidität genauestens verfolgt.

Liquidität ist das Stichwort, das die Wirtschaft derzeit stark interessiert, geistert doch bereits wie 2008 wieder das Gespenst der Kreditklemme herum. Zu Unrecht?
CERNKO: Man muss eines nüchtern sagen: Wer mehr Kapital bei den Banken sehen will, muss ganz klar sagen, dass das keine Einladung zum Mittagessen ist, wo man nichts bezahlt. Wenn das risikobehaftete Geschäft mehr Kapital erfordert, verursacht das Kosten, das schlägt sich im Preis nieder. Wir werden eine Verteuerung der Kredite sehen, aber nicht in Prozentpunkten sondern deutlich drunter.

INTERVIEW: RAINER STRUNZ


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