"Vom Wohlstand etwas abgeben"
"Freilich wird es einige Regionen geben, die vom Klimawandel profitieren, aber die globale Welt verliert" - Ökonom Christoph Böhringer über die Kosten des Klimawandels.

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Herr Professor Böhringer, Sie sagen gute Klimapolitik muss kosteneffizient sein. Wie viel kostet denn die Energiewende?
BÖHRINGER: Schätzungen ergaben, dass die Energiewende das einzelne Land ein Prozent vom Wohlstand kostet. Damit meine ich ein Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, das ja trotz Krise weiterwächst. Man muss also vom Wohlstand etwas abgeben.
Ist das viel?
BÖHRINGER: Wenn der Schaden, nichts zu machen, 20 mal so hoch ist, nicht.
Warum kommen die Regierungen dann auf keinen grünen Zweig?
BÖHRINGER: Jeder will nur der Trittbrettfahrer vom anderen sein. Jetzt sage ich, freilich wird Österreich, Deutschland oder die EU das nicht alleine schaffen. Aber: Die Pro-Kopf-Emission ist bei uns immer noch höher als in den aufstrebenden Drittländern.
Was passiert, nichts passiert?
BÖHRINGER: Wenn man mit dem Auto auf einem Feldweg fährt und der endet mit 95-prozentiger Sicherheit in einem Steilhang und man fällt runter - dann fährt man nicht, oder? Freilich wird es einige Regionen geben, die vom Klimawandel profitieren, aber die globale Welt verliert. Wissenschaftlich gesagt: Der Nettoschaden ist positiv.
Was tun?
BÖHRINGER: Aus ökonomischer Sicher brauchen wir für die Energiewende Emissionsmärkte. Dadurch, dass das derjenige, der mehr verbraucht, auch mehr zahlt, richtet sich die Sache von selbst. Das Problem, das die Politik hat, ist hingegen, dass sie viele Instrumente - etwa Förderungen - parallel hat. In Deutschland zum Beispiel sind 100 Milliarden Euro über Windkraft- und Photovoltaik-Förderung gebunden - das bringt aber für die Emissionen nichts.
Bringen denn die neuen Glühbirnen etwas für die Emissionen?
BÖHRINGER: Ihr Nutzen für den Klimaschutz geht gegen Null. Sie ist ein Symbol, mehr nicht. Als Ökologe sage ich: Mein Gott, lasst doch die alte Glühbirne leben und regelt das einfach auch hier über Emissionen. Der, der mehr Energie verbraucht, zahlt mehr.
Was sind die Herausforderungen in Sachen Emissionshandel?
BÖHRINGER: Etwa, dass die energieintensive Industrie einfach in Länder abwandert, die keine so hohe Beschränkung haben, etwa Brasilien. Dann könnten dort sogar mehr Emissionen entstehen. Wir forschen daher an angemessenen Strafzöllen. Zum Beispiel könnte man Importsteuern auf das Kohlendioxid im Stahl, der aus China kommt, einheben. Die Schwierigkeit ist, wie man es herausrechnet.
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Christoph Böhringer ist Professor für Wirtschaftspolitik an der Universität Oldenburg. Kommenden Montag (7. November) referiert er auf der von der Kelag organisierten "Konferenz Erneuerbare Energie" in Velden.
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