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Zuletzt aktualisiert: 28.10.2011 um 14:48 UhrKommentare

Drittel der Unternehmen glaubt an Zunahme von Korruption

Für Österreichs Großunternehmen ist Wirtschaftskriminalität nichts Ungewöhnliches. Fast jede zweite Firma mit mehr als 500 Mitarbeitern war schon davon betroffen. Unternehmen glauben an Zunahme von Korruption in Österreich.

Foto © APA

In Österreich hat fast jedes zweite größere Unternehmen mit über 500 Mitarbeitern in den vergangen zwei Jahren einen Schadens durch Wirtschaftskriminalität erlitten, geht aus einer Studie des Wirtschaftsprüfers PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor. Nach Ansicht des PwC-Experten Steffen Salvenmoser nehmen Wirtschaftsfälle aber nicht zu, sondern es wird mehr aufgedeckt. Insbesondere indirekte Schäden hinterlassen eine "starke Wirkung" bei Unternehmen, so Salvenmoser am Freitag in der Pressekonferenz in Wien.

Zu diesen zählt die Studie unter anderem Reputationsverlust, Rückgang der Arbeitsmoral und die Beeinträchtigung von Geschäftsbeziehungen. "Je mehr Aufmerksamkeit in den Medien und in der Politik, desto größer ist der Schmerz", berichtete Salvenmoser, der bis Ende der 90er Jahre als Staatsanwalt in Deutschland gearbeitet hatte und seit Sommer Partner bei PwC-Österreich ist. Die Unternehmen spüren dies unter anderem bei den zusätzlichen Kosten für Anwälte, Management und Krisen-PR. Insbesondere die großen Unternehmen geben den Trend vor.

Im Fokus der PwC-Untersuchung, für die Mitarbeiter von 100 österreichischen Unternehmen befragt wurden, stehen unter anderem Vermögensdelikte wie Untreue, Betrug, Datenklau, Kartellabsprachen, Korruption und Bestechung. Der Diebstahl eines Laptops sei nicht in die Untersuchung eingeflossen, erklärte der deutsche Strafrechtsprofessor Kai Bussmann, Co-Autor der Studie. Dies komme bei größeren Unternehmen deutlich öfter vor.

Fast jedes dritte Unternehmen gehe davon aus, dass Korruption in Österreich künftig noch häufiger auftreten werde, so Bussmann, der hinzufügte: "Wir sind nicht in Afrika, Indien, aber auch nicht in Italien und Griechenland". Das zeige, dass das Thema sensibler wahrgenommen werde, "in Österreich beginnt sich etwas zu bewegen". Lange Zeit wurde "nicht hingeguckt".

Schäden verdoppelt

Der Studie zufolge haben sich die durchschnittlichen Schäden der Unternehmen durch Wirtschaftskriminalität auf 1,9 Mio. Euro seit der letzten Studie 2007 verdoppelt. Die zusätzlichen Managementkosten betragen demzufolge 260.000 Euro. Die PwC-Experten beobachten aber einen Umdenkprozess: 2007 haben 21 Prozent der Unternehmen von der Einführung von Anti-Korruptionsprogrammen berichtet, heuer waren es bereits mehr als die Hälfte.

Salvenmoser betonte, dass die Komplexität von Wirtschaftsfällen im Vergleich zu einem Raubüberfall deutlich höher sei und die Verfahren daher oft auch länger dauern. In der Regel habe man auch viel größere Beweisthemen. Dazu komme, dass die "kooperativen" Verteidiger alle gesetzlichen Möglichkeiten wie etwa die Eingabe von Unmengen von Beilagen auszunutzen, um die Ermittler mit Arbeit einzudecken, berichtet er.

Die Täter seien keine "Unbekannten, die plötzlich aus dem Busch springen", so Slavenmoser. 42 Prozent seien interne Täter, 30 Prozent externe, wobei es bei den restlichen Tätern zu einem Zusammenspiel externer und interner komme. Als häufigste Gründe für die Delikte bei internen Tätern nennt PwC unter anderem einen aufwändigen Lebensstil und ein Management, dass sich über geltende Regeln hinwegsetzt, was auch auf andere Mitarbeiter abfärbt.


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