Erste-Group tief in der Verlustzone
Die Erste Group baut im dritten Quartal 1,49 Milliarden Euro Verlust und braucht 750 Millionen Euro, um den neuen Kapitalanforderungen für Banken zu genügen.

Foto © Reuters
Es ist eine ähnlich ungewöhnliche Optik wie vor drei Wochen: Hatte Erste-Boss Treichl damals überraschend eine radikale "Bilanzumkehr" präsentiert, sind es diesmal Aussagen zum Kapitalbedarf für die Erfüllung der härteren Kernkapitalquoten ab Juli 2012, die weit auseinanderklaffen. War am Donnerstag von einem zusätzlichen Bedarf von 59 Millionen Euro die Rede, griff Treichl am Freitag in die Vollen. Rund 750 Millionen könnten dafür notwendig sein, sagte der Erste-Boss bei einer Analystenkonferenz in London. Hilfe, dieses Geld aufzustellen, dürfte die Bank nicht brauchen. Treichl zufolge sollten die bis Ende Juni 2012 zu erwartenden operativen Gewinne für die Abdeckung reichen.
Die erstgenannten 59 Millionen Euro hatten die gute Halbjahresbilanz als Basis. Mit der aktuelleren Einschätzung von 750 Millionen Euro durfte Treichl erst gestern herausrücken, weil da die mit Spannung erwartete Bilanz für die ersten neun Monate vorgelegt wurde.
Weitere Überraschungen blieben aus, aber die Zahlen sind durchaus beeindruckend. Die radikalen Abwertungen der Tochterbanken in Ungarn und Rumänien, bei Staatspapieren und Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) haben allein im dritten Quartal für einen Verlust von 1,49 Milliarden Euro gesorgt. Für die gesamten ersten neun Monate beläuft sich der Nettoverlust auf 973 Millionen Euro. Für das gesamte Jahr wird wegen der guten operativen Erträge "nur" mit einem Nettoverlust zwischen 700 und 800 Millionen Euro gerechnet.
Weil die Bilanzpositionen des Vorjahres im Sinne der Vergleichbarkeit korrigiert werden mussten, hat der Vorstand 1,9 Millionen Euro seiner Bonuszahlungen für 2010 zurückgezahlt, das entspricht etwas mehr als einem Drittel. Treichl und seine fünf Vorstandskollegen hatten für 2010 insgesamt Sonderzahlungen in Höhe von 5,59 Millionen Euro erhalten. Infolge der Neubewertungen beziffert die Erste Group den Jahresgewinn für 2010 nun mit 987,9 Millionen Euro, um 13 Prozent niedriger als zuvor.
Das Credit Default Swap-Portfolio von 5,2 Milliarden Euro, das durch Treichls Bilanzakt als "Zockerportfolio" in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt war, ist inzwischen fast zur Gänze verkauft. Die restlichen Papiere im Wert von 300 Millionen Euro stößt die Bank in den nächsten Tagen ab.
Treichl bezieht sich im Aktionärsbrief auch auf die Ermittlungen der Finanzmarktaufsicht (FMA) wegen Marktmanipulation. Er habe Ende September mit Reuters über das Betriebsergebnis geredet, nicht über Gewinnziele. Die Unklarheiten seien bedauerlich, allerdings nicht verhinderbar.












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