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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2011 um 21:44 UhrKommentare

Uniqa-Boss im Interview: "Alle müssen Opfer bringen"

Uniqa-Boss Andreas Brandstetter über Folgen einer Griechenland-Pleite und Personalabbau.

Foto © APA

Z ieht sich die Uniqa auch warm an, wie das Andreas Treichl mit der Erste Bank tun muss?

ANDREAS BRANDSTETTER: Wir gaben jüngst bekannt, dass wir 190 Millionen Euro Vorsorgen für Belastungen in die Bilanz 2011 hineinpacken. Wir sehen wie Treichl Unwägbarkeiten auf den Kapitalmärkten und bereiten uns für schwere Zeiten vor. Wir wollen diese aus einer Position der Stärke bewältigen und rüsten uns für das Kerngeschäft Versicherung.

Statt 146 Millionen Euro Ergebnis wie im Vorjahr kündigen Sie heuer eine schwarze Null an und selbst die wackelt, wenn Griechenland pleitegeht. Was aber dann?

BRANDSTETTER: Wir nannten die schwarze Null auf Vorbehalt für den Fall, dass heuer keine weiteren Griechenland-Abschreibungen mehr notwendig sind. Wir haben dazu bereits zum Halbjahr 58 Millionen Euro auf den Marktwert abgeschrieben. Wir wollen Sicherheit geben und uns nicht an Spekulationen beteiligen, was kommt. Sollte aber ein Haircut auf Basis 40, 50 oder 60 Prozent kommen, müssen wir nachziehen.

Wie hoch ist Ihr restliches Griechenland-Exposure denn noch?

BRANDSTETTER: 240 Millionen.

Beachtliche 892 Millionen Euro beträgt es für die Uniqa bei Italien. Machen Sie sich da noch mehr Sorgen als bei Griechenland?

BRANDSTETTER: Nein, da gibt es einen großen Unterschied. In Italien sind wir wie alle Lebensversicherer per Gesetz gezwungen, Staatsanleihen zu kaufen. Italien ist für Europa so bedeutend, dass wir trotz aktueller Unschärfen keine existenzielle Gefahr sehen.

Treichl und Erste Bank holten sich in Ungarn und Rumänien kalte Füße. Wie riskant ist Ihre Osteuropa-Position?

BRANDSTETTER: Wir sind in 15 Ländern bis Russland tätig und haben kein Problemkind. Osteuropa ist unsere zweite Heimat und Wachstumsmarkt der Zukunft.

Von den 190 Millionen Euro Vorsorge sind 80 Millionen für die Kosten drastischen Mitarbeiterabbaus: Im Konzern müssen 600 Leute gehen, davon 200 in der Verwaltung in Wien. Grabesstimmung im Uniqa-Tower?

BRANDSTETTER: Wir erklären offen, warum wir das tun und bieten soziale Module an wie in den letzten zehn Jahren, wo wir 700 Leute ohne Kündigungen abgebaut haben. Die Reduktion um 200 Mitarbeiter in der Zentrale binnen eines Jahres ist sicher etwas anderes. Jetzt stellen wir uns auf zehn Jahre neu auf.

Für Solvency-II-Vorschriften benötigen Sie mehr Eigenkapital. Da wird Ihre 2013 geplante Kapitalerhöhung an der Börse nicht reichen.

BRANDSTETTER: Wir werden die Vorschriften ohne Motzen erfüllen und warten nicht, auch falls sie erst nach 2013 kommen. Wir wollen in zehn Jahren von 7,5 auf 15 Millionen Kunden wachsen, dafür brauchen wir Kapital von der Börse. Sollte die nicht funktionieren, bin ich zuversichtlich, dass die Eigentümer investieren.

Ihre Aktionäre, mit Raiffeisen, Austria und Collegialität als Kernaktionären, müssen heuer wohl auf eine Dividende verzichten.

BRANDSTETTER: Alle tragen dazu bei, dass wir Uniqa langfristig neu aufstellen - das Management, die Mitarbeiter, die Aktionäre. Alle müssen Opfer bringen. Das bedeutet 2011 stark reduzierte Dividende oder sogar Verzicht.

Verunsichert die Krise auch Sie?

BRANDSTETTER: Wir sehen, was am Horizont los ist, zur EU und dem Euro gibt es aber keine Alternative. Das Hauptthema ist, dass die europäische Politik zu langsam reagiert.

INTERVIEW: ADOLF WINKLER

Fakten

Andreas Brandstetter (42) ist seit Juli CEO der Uniqa Versicherungen AG.

Der Politikwissenschaftler war Mitarbeiter von Vizekanzler Erhard Busek, ÖVP Bundesgeschäftsführer und Leiter des Raiffeisenbüros in Brüssel, ehe er 1997 zur Uniqa Gruppe in Wien kam.

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