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Zuletzt aktualisiert: 23.09.2011 um 15:15 UhrKommentare

Geld an Aktionäre statt Beschäftigte

Die Arbeiterkammer kritisiert enorme Gewinnausschüttungen bei heimischen Unternehmen und die negativen Effekte auf Investitionen und Beschäftigung: Die Telekom Austria z.B. mache seit Jahren "konstant hohe Ausschüttungen, ohne im Gegenzug die entsprechenden Gewinne lukrieren zu können", heißt es.

Foto © HLPhoto - Fotolia.com

Rund 85 Prozent des erzielten Unternehmensgewinns werden heuer an Muttergesellschaften und Aktionäre abgeführt.

664 Unternehmen unter der Lupe

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle AK-Studie basierend auf dem Jahresabschluss 2010 von 664 großen und mittelgroßen Unternehmen (ohne Banken und Versicherungen). "Es darf nicht sein, dass die Unternehmen lieber die Aktionäre abkassieren lassen, statt in Beschäftigung zu investieren", kritisierte AK-Präsident Herbert Tumpel am Freitag in einer Aussendung. Im vergangenen Jahr lag die Ausschüttungsquote bei 80,6 Prozent und 2009 noch bei 88,3 Prozent.

Über Ausschüttungen würden den Unternehmen Mittel entzogen die knapp das 1,5-fache der Investitionen ausmachen, erklärte Tumpel. Besonders dramatisch sei diese Entwicklung in der Industrie: In diesem Sektor seien die Ausschüttungen 2011 fast beim dreifachen des Investitionsvolumens des Vorjahres. "Immer mehr steht damit das Interesse der Aktionäre und immer weniger das Wohl des Unternehmens und der Beschäftigten im Vordergrund", sagte Tumpel. Österreich liege damit beim Investitionswachstum im unteren Drittel der OECD-Länder. Mit den heuer getätigten Ausschüttungen könnten rund 80.000 Jobs geschaffen werden, schätzt der AK-Präsident.

Die 20 größten börsenotierten Unternehmen (u.a OMV, Strabag, voestalpine), die im Wiener Aktienleitindex ATX gelistet sind, haben laut AK ihre Gewinne im vergangenen Jahr auf 6,3 Milliarden Euro fast verdoppelt, wovon 2,1 Milliarden Euro (+15,8 Prozent) ausgeschüttet wurden. Die Telekom Austria hat 169,9 Prozent ihres Gewinns ausgeschüttet, gefolgt vom Immobilienentwickler conwert mit 105,8 Prozent und der Österreichischen Post mit 91,3 Prozent.

Ausschüttungen ohne Gewinn

"Es ist zu beobachten, dass die Telekom Austria bereits in den letzten Jahren konstant hohe Ausschüttungen getätigt hat, ohne im Gegenzug die entsprechenden Gewinne lukrieren zu können", heißt es in der AK-Studie. Trotz der guten Ertragslagen der ATX-Unternehmen wurde die Anzahl der Beschäftigten deutlich verringert. Sie beschäftigen im Jahr 2010 im Schnitt rund 386.000 Mitarbeiter und damit um 22.000 weniger als noch 2008.

Die AK fordert in ihrer Studie "eine zurückhaltende Dividendenpolitik": Das Nichtausschütten von Gewinnen biete den Unternehmen "den notwendigen Spielraum für Investitionen". "Die gute Entwicklung der Ertragslage darf keineswegs nur der kleinen Gruppe der Aktionäre in Österreich zugutekommen, sondern muss gerecht verteilt werden", so die AK.


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