Martin Stotter: Menschenrechtler als Banker
Der aus Kärnten stammende 35-jährige Jurist Martin Stotter macht in der Steiermark als Raiffeisen-Generalsekretär Karriere. Er ist zuständig für Recht, Betriebsorganisation, EDV und Sektorbetreuung.

Foto © KKMartin Stotter stammt aus Steinfeld. Verheiratet ist er mit einer Salzburgerin
Eigentlich wollte ich Diplomat werden", verrät Martin Stotter (35). Diplomatie dürfte er mit den 86 selbstständigen steirischen Raiffeisenbanken auch benötigen, vor allem aber Managerqualitäten eines Top-Bankers. Denn der aus Steinfeld im Drautal stammende Stotter übt in der Raiffeisen Landesbank Steiermark die eigens geschaffene Funktion des Generalsekretärs aus - mit 150 unmittelbaren Mitarbeitern und zuständig für Recht, Betriebsorganisation, EDV und Sektorbetreuung. "Ich bin praktisch der Innenminister im Konzern der RLB Steiermark", beschreibt er seine Rolle an der Seite von RLB-Generaldirektor Markus Mair, der an der Spitze der steirischen Raiffeisen-Bankengruppe mit 3500 Mitarbeitern und rund 25 Milliarden Euro Bilanzsumme steht.
Summa cum laude
Seinen Bildungsweg ging der Oberkärntner ebenso zielstrebig wie weltoffen. Schon während seiner Gymnasialzeit am BRG Spittal, wo er maturierte, besuchte er eine Austauschschule in San Diego (USA). Das Magister- und Doktoratsstudium an der juridischen Fakultät der Uni Graz absolvierte Stotter in Mindestzeit und summa cum laude. Den Experten in Internetrecht führte ein Harvard-Stipendium abermals in die USA. Als Erasmus-Stipendiat studierte er Europarecht in Spanien, ein Semester verbrachte er mit 21 in Indien in Mumbai bei einer Hindu-Familie. "Das war faszinierend. Es hat mich auch geprägt, zu sehen, wie arm die Menschen dort waren. Da will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben." Als Assistent für internationales Recht am Institut für Völkerrecht an der Uni Graz gründete Stotter das "Europäische Trainingszentrum für Menschenrechte". Zugleich war er Mitarbeiter von Historiker Stefan Karner, der Österreichs Vertreter bei der EU-Agentur für Menschenrechte in Wien war.
"Das passt heute gut zu meiner Rolle bei Raiffeisen. Der Weg von den Menschenrechten zum Banker ist nachvollziehbar", betont Stotter die ethischen Herausforderungen auf den Finanzmärkten und die Verwurzelung von Raiffeisen "mit den Privatkunden und Klein- und Mittelbetrieben im Land". Nach seinem Einstieg als Kommerzkundenbetreuer 2002 leitete er als 31-Jähriger die Integration der Hypo Steiermark in den RLB-Konzern. Nun blickt er als Generalsekretär kritisch auf Basel III: "Wir haben keine Finanzkrise gemacht, sondern sind in der Realwirtschaft verankert."














