Jetzt sind gute Nerven gefragt
Die Bindung des Schweizer Frankens an einen Mindestkurs zum Euro bringt die Häuslbauer ins Schwitzen. Ausstieg aus Franken-Krediten oder doch noch nicht? Das ist auch eine Frage guter Nerven.

Foto © Michel Müller / FotoliaIm Wert von 48 Milliarden Euro sind Franken-Kredite vergeben, 37 Milliarden davon entfallen auf Häuslbauer
Der Schritt der Schweizer Notenbank (SNB), den Wechselkurs des Frankens zum Euro auf nicht näher bestimmte Zeit auf mindestens 1,20 festzulegen (am Mittwoch 1,2052), schafft für viele Inhaber von Franken-Krediten eine gewisse Sicherheit. Sonst müssten sie vor noch stärkeren Verlusten zittern.
Ein Beispiel: 100.000 Franken, 2004 zu einem Kurs von 1,54 aufgenommen, ergeben bei 1,20 einen Kursverlust von rund 28.000 Euro. Durch die niedrigeren Franken-Zinsen ersparte sich der Kreditnehmer bisher rund 13.000 Euro - er hätte derzeit also einen Verlust von rund 15.000 Euro.
1. Wie soll sich ein Franken-Kreditnehmer verhalten, wenn seine Nerven jetzt flattern?
CHRISTOF SPERK (Bank Austria): Nervösen Kunden wird angeraten, aus dem Franken auszusteigen. Auf jeden Fall ist aber ein abklärendes Gespräch mit der Bank unbedingt nötig.
REINHARD AUMANN (Erste Group): Jetzt ist ein sehr guter Zeitpunkt, den Ausstieg aus dem Franken zu überlegen. Wir wissen nicht, wie lange der Mindestkurs bestehen bleibt. Sicher aber nicht über die gesamte Restlaufzeit des Kredits.
2. Sollen Kreditnehmer mit guten Nerven den Ausstieg planen?
AUMANN: Endfällige Kredite sollte man in tilgende Kredite umwandeln. Um die Raten zahlen zu können, besteht die Möglichkeit, den Tilgungsträger stillliegen zu lassen und die Prämie für die Rückzahlung zu verwenden.
3. Tilgungsträger sollen bekanntlich die Kreditschuld abdecken. Die meisten werfen derzeit geringere Erträge als erwartet ab. Wie schließt man die Lücke?
SPERK: Für das Gegensteuern gibt es keinen eindeutigen Ratschlag. Jeder einzelne Kredit muss dazu beurteilt werden. Die breite Masse der Kreditnehmer hat gegenwärtig Kursverluste, die vielfach die Reserven übersteigen.
AUMANN: Wir raten dazu, Lebensversicherungen mit Ablebensschutz keinesfalls anzutasten. Versicherungen können ohne weiterlaufende Prämienzahlung stillgelegt werden.
4. Hängt die Entscheidung über den Verbleib im Franken-Kredit auch mit der restlichen Laufzeit zusammen?
SPERK: Dazu gibt es keine allgemeingültige Aussage, außer: Je näher das Auslaufen rückt, desto mehr könnte man sich den Ausstieg überlegen. Aber in jedem Fall mit der Bank reden.
AUMANN: Die Reduktion der Kreditschuld ist in jedem Fall eine sinnvolle Maßnahme. Der Schuldenstand sinkt, wie auch die Belastung durch die Zinsen.
5. Also warten, bis der Franken wieder weniger wert ist, spekulieren auf 1,40 oder 1,50?
AUMANN: Mittelfristig gibt es keine Indizien für eine Schwäche des Frankens. Die Staatsschulden in Europa bleiben noch lange ein Thema, Experten sehen keine Besserung. Ausschließen kann man im Kapitalmarkt nichts.
SPERK: Die Schuldenkrise sorgt für Unsicherheit, da bleibt der Franken eine Fluchtwährung. Eine solche Überlegung ist ein Spiel mit der Zeit.
HELLFRIED SEMLER
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Fakten
Im Schnitt ist jeder vierte Privatkredit in Österreich ein Franken-Kredit. Insgesamt sind das rund 210.000 Verträge.
Der überwiegende Teil der Kreditnehmer ist bei einem Frankenkurs zwischen 1,50 bis 1,65 zum Euro eingestiegen. Beim Mindestkurs von 1,20 ergibt das einen Verlust zwischen 20 bis 27 Prozent oder: Um diesen Wert ist der Franken-Kredit teurer geworden.














