AMS will Informationen zu Migranten sammeln
Zuwanderer sind doppelt so oft arbeitslos, drei Mal so oft überqualifiziert. Das AMS will mehr Daten einholen, um besser fördern zu können.

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Mitten in Wien, nur ein paar Gehminuten entfernt vom Stephansdom, betreibt das Arbeitsmarktservice (AMS) seit fast 30 Jahren ein eigenes Büro für Gastarbeiter und neue Staatsbürger. Der Andrang ist ungebrochen: Fast jeder dritte Beschäftigungssuchende hat ausländische Wurzeln, die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie bei gebürtigen Österreichern. Begehrt sind Jobs bei der Gebäudereinigung, im Tourismus und bei der Schneeräumung. "Migranten haben im Schnitt eine schlechtere Ausbildung und tun sich doppelt so schwer", sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf.
AMS-Chef Snobe
Nur: Allzu viel mehr kann er nicht sagen über jene Menschen, die in der Hoffnung auf einen guten Arbeitsplatz nach Österreich gekommen sind. Denn bisher fehlen dem AMS präzise Aufzeichnungen über die Lage von Migranten. Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) will nun die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass personenbezogene Daten über Migranten und Ausländer besser verarbeitet werden können. Nur so könne man gezielte Schulungspakete schnüren. "Ich hoffe, dass wir das bis zum Frühjahr zusammenbringen", sagt Hundstorfer. Verhandelt werde auch über Erleichterungen bei der Anrechnung von ausländischen Berufszertifikaten und Bildungsabschlüssen, sogenannten "Nostrifikationen". Denn auch das lässt sich aus den derzeit verfügbaren Daten herauslesen: Migranten sind am Arbeitsmarkt drei Mal so oft überqualifiziert wie gebürtige Österreicher.
"Die Hürden bei der Anerkennung sind viel zu hoch", sagt der türkischstämmige Soziologe und Migrationsexperte Kenan Güngör. "Ich kenne persönlich viele Menschen, die angesichts der bürokratischen Hindernisse aufgegeben haben. Die Behörden sind auf Abwehr eingestellt."
Warnung vor Populismus
Die Absicht des Arbeitsamtes, künftig mehr Daten über Zuwanderer zu erfassen, beurteilt Güngör zurückhaltend kritisch. "Wir haben jetzt schon so viele Daten, die wir kaum auswerten können." Er warnt auch davor, mit der Auswertung "ins Fahrwasser populistischer Gehässigkeiten" zu geraten. "In den meisten Fällen spielt der Migrationshintergrund eine geringere Rolle als etwa das Milieu, in dem die Leute leben."
Güngör plädiert viel mehr dafür, bereits vorhandene Informationen besser zu verknüpfen. Eines steht aber auch für ihn fest: "Es ist auf jeden Fall wichtig, dass wir genauer hinsehen."















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