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Zuletzt aktualisiert: 11.08.2011 um 16:54 UhrKommentare

Telekom-Affäre: Ex-Manager will als Kronzeuge auspacken

Ex-Vorstand Gernot Schieszler hat sich der Staatsanwaltschaft Wien als Kronzeuge angeboten. Mittlerweile hat die Telekom 16 fragwürdige Transaktionen gemeldet, bei denen an Lobbyisten wie Mensdorff-Pouilly oder Hochegger Millionenbeträge überwiesen worden sind.

Foto © Fuchs

Sieben Jahre nach einer möglichen Kursmanipulation wird es nun für das ehemalige Topmanagement der Telekom Austria eng. Der ehemalige Vize-Finanzchef der Telekom, Gernot Schieszler, vor den Vorhang getreten. Schieszler, derzeit im Vorstand des steirischen Anlagenbauers Christof Group AG und seinerzeit unfreiwillig bekannt geworden über ein YouTube-Video mit detaillierten Angaben darüber, wie man unliebsames Personal los wird, hat sich nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Format“ der Staatsanwaltschaft als Kronzeuge angeboten. Erst zu Wochenbeginn hatte die Telekom selbst einen 400 Seiten starken Revisionsbericht der Justiz übermittelt. Dem Vernehmen nach soll es beim internen Bericht der Telekom auch um umstrittene Immobiliendeals gehen.

Wie das Nachrichtenmagazin "Format" schreibt, soll eine Rückforderung der ausbezahlten Boni möglicherweise bereits beim Telekom-Aufsichtsrat nächste Woche Dienstag beschlossen werden. Am darauffolgenden Tag präsentiert die Telekom ihr Halbjahresergebnis. Telekom-Boss Hannes Ametsreiter hat mittlerweile seinen Bonus von 92.000 Euro auf ein Treuhandkonto eingezahlt.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hatte bereits 2004 eine mögliche Kursmanipulation untersucht, konnte aber nach der damaligen Rechtslage diese nicht feststellen, betonte die FMA. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wurde damals nicht erstattet. In den heimischen Medien waren die Auffälligkeiten um den Kurssprung jedenfalls ein großes Thema. Auch Kleinanlegervertreter Wilhelm Rasinger meinte seinerzeit, hier könne "sehr leicht der Geruch einer Kursmanipulation entstehen".

Am 26. Februar 2004 war es in den letzten zwei Minuten vor Börseschluss zu einem starken Kursanstieg der Telekom-Aktie gekommen, der knapp 100 Managern Prämien in Höhe von rund neun Millionen Euro bescherte. "Es gibt keine Hinweise dass das Management in die Abläufe am 26. 2 in die Schlussauktion involviert gewesen wäre", so FMA-Vorstand Kurt Pribil damals. Erst 2010, als bei einer Hausdurchsuchung bei dem Lobbyisten Peter Hochegger entsprechende Belege der Telekom gefunden wurde, habe es den Verdacht der Untreue gegeben, woraufhin der Staatsanwaltschaft die bisherigen Erkenntnisse übermittelt wurden, so die FMA zur APA.

Laut "Format" führt die Staatsanwaltschaft Ex-Telekomchef Heinz Sundt, die früheren Vorstände Rudolf Fischer und Stefano Colombo als Beschuldigte, weiters den PR-Unternehmer Peter Hochegger und den Investmentbanker Johann Wanovits. Auch Sundt-Nachfolger Boris Nemsic stehe auf der Liste. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Keine belastenden Hinweise liegen gegen den aktuellen Telekom-Chef Hannes Ametsreiter vor. Die StA Wien bestätigte der APA diese Angaben.

16 fragwürdige Transaktionen

Wie das Nachrichtenmagazin "profil" heute vorab schreibt, ist die Telekom bei ihrer internen Revision mittlerweile auf 16 fragwürdige Transaktionen zwischen dem teilstaatlichen Konzern und Lobbyisten gekommen. So soll der Waffenlobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly im Jahr 2008 ein Honorar von 1,1 Mio. Euro erhalten haben. Laut Revisionsbericht ohne "feststellbaren Leistungen". Der Anwalt von Mensdorff-Pouilly, Harald Schuster, wies am heutigen Donnerstag die Vorwürfe auf APA-Anfrage zurück.

20.000 Euro pro Werktag

Beachtlich sind auch die Zahlungen an Hochegger. Für ein dreimonatiges "Screening" osteuropäischer Telekom-Unternehmen etwa verrechnete Hochegger laut Revisionsbericht insgesamt 1,5 Mio. Euro - macht fast 20.000 Euro pro Werktag. "Das Honorar für den vereinbarten Leistungsinhalt sowie einen Leistungszeitraum von ca. drei Monaten ist nicht nachvollziehbar", heißt es in dem Bericht. Für "Regierungslobbying" und "Lobbying Beamtenagentur" bezahlte die Telekom dem Lobbyisten insgesamt 1,33 Mio. Euro, für das Projekt "EU-Präsidentschaft Österreich" weitere 400.000 Euro. 2004 soll die Telekom Hochegger auch mit der "Gründung eines Private Equity Fonds und einer Managementgesellschaft in Zypern" beauftragt haben, wofür er 205.000 Euro bekam. "Es ist in der TA nicht bekannt, dass ein Private Equity Fonds bzw. eine Managementgesellschaft in Zypern gegründet worden sind bzw. eine Intention dazu bestand", so die Revisoren laut dem Bericht.

Von den knapp hundert Mitarbeitern, die fast zehn Mio. Euro an Boni kassiert haben, sind mittlerweile nur mehr rund 30 bei der Telekom. Der damalige Personalchef Fanz Nigl wechselte kurz nach dem Stock Option Programm in den Chefsessel der ÖBB-Personalabteilung und ist mittlerweile Personalvorstand der Post. Eine APA-Anfrage zur Kursaffäre blieb von ihm bisher unbeantwortet. Die ehemaligen Telekom-Vorstände Stefano Colombo, Rudolf Fischer, Heinz Sundt und Boris Nemsic haben sich bisher in der Öffentlichkeit zurückhaltend zu den Vorwürfen gegeben.

Im Zuge der Kursaffäre rückt auch wieder die Vertragsauflösung von Ex-Telekom-Chef Sundt in den Fokus. Sundt schied mit 23. Mai 2006 aus dem Unternehmen aus, hatte aber noch einen laufenden Vertrag bis zum April 2007. Dieser wurde ihm dem Vernehmen nach mitsamt einer Abfertigung ausbezahlt. In Medienberichten war von in Summe zwei Millionen Euro die Rede, was Sundt klar dementiert hatte.

Ein Blick ins APA-Archiv zeigt, dass mögliche Ungereimtheiten der Telekom-Führung nicht erst seit kurzem bekannt sind. So war ein Immobiliendeal der Telekom im Umfeld des damaligen Festnetzvorstandes Rudolf Fischer und des damaligen ÖBB-Chefs Martin Huber bereits 2008 ein heißes Thema. Anlegerschützer Rasinger kündigte damals an, dass "der Schillerplatz-Verkauf sicher ein Thema bei der nächsten Hauptversammlung" Ende Mai sein werde. "Es muss geklärt werden, ob aus Sicht der Telekom vernünftig verkauft und im Interesse des Unternehmens gehandelt wurde", sagte Rasinger damals. Sundt bestätigte damals dem "WirtschaftsBlatt", dass er als Generaldirektor die "Letztverantwortung" getragen habe. Dass er persönlich davon profitiert haben könnte, wies er jedoch klar zurück.

Die Aktionäre der Telekom - 28 Prozent befinden sich noch im Staatsbesitz - reagierten jedenfalls bisher kaum auf die Kursaffäre. Die Aktie entwickelte sich in den vergangen Tagen vergleichbar mit dem ATX, heute gab es bei einem positiven Börsenumfeld ein Plus von 1,76 Prozent auf 7,27 Euro. Der Ausgabekurs im Jahr 2000 betrug 9 Euro. Damit die Manager 2004 in den Genuss des Bonusprogrammes kamen, musste der Kurs kurzfristig auf über 11,70 gehoben werden.


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Grafik © APA

Grafik vergrößernKurssprung 2004 brachte Telekom MillionenGrafik © APA

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