Magna: Ansturm auf BMW lässt Graz hoffen
Der Boom bei BMW könnte den Automobilstandort Graz erneut beflügeln. Die Bayern denken darüber nach, freie Kapazitäten bei Magna zu nutzen.

Foto © Magna SteyrKommt der BMW X3 bald wieder aus Graz?
Während weltweit bereits die Ängste vor einem neuen Abkühlen der Konjunktur umgehen, erhöht der Münchner Autobauer die Drehzahl und rast von einem Rekordergebnis zum nächsten. Hatten die Bayern erst vor wenigen Tagen das beste Halbjahresergebnis der Firmengeschichte vermeldet, legte man jetzt mit einem Rekordergebnis für Juli nach. Mit einem Plus von 18 Prozent in den ersten sieben Monaten und einer Umsatzrendite von über 13 Prozent ist BMW der profitabelste Premium-Hersteller und auf dem Weg, in diesem Jahr die neue Bestmarke von mehr als 1,6 Millionen verkaufter Autos zu erreichen.
Chance für Graz
Der Boom und das Wachstum bei der Edelmarke könnten sich aber auch als Glücksfall für Graz erweisen und dem "Detroit der Alpen" einen neuen Höhenflug bescheren. Weil die Bayern schon jetzt eine Auslastung von 102 Prozent in den eigenen Werken verzeichnen, sucht Vorstandschef Norbert Reithofer dringend nach weiteren Kapazitäten, um die derzeitige Nachfrage erfüllen zu können. Diese könnte er in Graz finden: Weil man bei Magna-Steyr theoretisch bis zu 250.000 Fahrzeuge pro Jahr montieren könnte (was im historischen Jahr 2006 auch passierte), derzeit aber die Auslastung gerade einmal der Hälfte davon entspricht, wären die Steirer als verlängerte Werkbank ein idealer Partner.
Fakt ist, dass man bei BMW diese Option längst ins Auge gefasst hat und auch schon intensiv prüft. Zumal die Bayern seit 2003 mit BMW und Mini der größte und wichtigste Kunde von Magna Steyr sind und die Kooperation auch bei jeder Gelegenheit preisen. Nicht zuletzt würde sich für BMW die Gelegenheit ergeben, den Feinkostladen Graz mehr oder weniger exklusiv zu nutzen. Was freilich zu einer gefährlichen Abhängigkeit seitens der Grazer führen und im Falle einer Krise fatale Folge haben könnte.
Bei Magna will man sich zu den Überlegungen der Bayern nicht äußern. "Wir können das nicht kommentieren", sagt Konzernsprecher Daniel Witzani.
Comeback des X3?
Bei der Flut an Modellen, die BMW in den nächsten Jahren bringen will, würden für Graz in erster Linie Nischenmodelle aller Art infrage kommen, wobei ein Comeback des X3 nicht auszuschließen ist. Weil hierzulande Kunden schon bis zu acht Monate auf den nun in den USA montierten Geländewagen warten müssen, überlegt BMW eine zusätzliche Fertigung in Graz, um die Nachfrage in Europa zu befriedigen. Von der ersten Generation des X3 baute Magna in Graz von 2003 bis 2010 über 600.000 Stück, ehe die Produktion nach Spartanburg/South Carolina verlegt wurde.
Nicht zur Debatte für Magna Steyr in Graz stehen hingegen die BMW i genannten Elektromodelle: Sie werden ab 2013 ausschließlich in Leipzig gebaut.
Features
Fakten
Marken: Unter dem Dach der BMW Group sind die Marken BMW, Mini und Rolls-Royce vereint. Weltweit beschäftigt der Konzern 96.000 Mitarbeiter.
Produktion: In Graz lässt BMW den Mini Countryman und bald den Mini Paceman bauen. Stückzahl: 100.000
Absatz: Im Jahr 2010 verkaufte der Weltmarktführer im Premiumsegment 1,46 Millionen Autos, 230.000 Fahrzeuge steuerte Mini bei. Der Umsatz im Vorjahr betrug 60,5 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern fünf Milliarden.
Ziele: Im heurigen Jahr will BMW 1,6 Millionen Fahrzeuge bauen. 2016, zum hundertjährigen BMW-Jubiläum, möchten die Münchner die Zwei-Millionen-Marke knacken.














