WK-Vize Roth: "Man soll uns jetzt arbeiten lassen"
Jürgen Roth (38) über die Motive seiner Kür zum Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer.

Foto © LeodolterJürgen Roth
S ie wurden sehr schnell zum Vizepräsidenten der Wirtschaftskammer Steiermark nominiert. Wie das?
JÜRGEN ROTH: Ich kann nur sagen, dass ich bis zum Tag der Entscheidung nicht kontaktiert wurde. Ich habe dann zugesagt, weil ich etwas bewegen möchte, weil ich der Wirtschaft etwas zurückgeben möchte, denn ich selber habe sehr viele positive Erfahrungen gemacht.
War es gut, dass es so schnell ging?
ROTH: Aus meiner Sicht ja. Es gab Handlungsbedarf. Nicht zuletzt wegen der Medien wäre es nicht positiv für die Wirtschaftskammer gewesen, wenn es länger gedauert hätte.
Ihre Vorgängerin Regina Friedrich ist eine Frau. Was sagen Sie den Unternehmerinnen, die jetzt eine der ohnehin wenigen öffentlichen Funktionen verloren haben?
ROTH: Ausgesucht hat mich Präsident Josef Herk, und zwar nach einem Kriterienkatalog. Ich glaube, dass die Frauen nicht an der Quote interessiert sind, sondern an den Inhalten. Ich kann ihnen von meiner Seite nur mitgeben: Ich weiß von der Kammer, dass noch nie so viele Frauen in diversen Positionen verankert waren wie jetzt. Und wenn Sie durch unser Unternehmen gehen, werden Sie 80 Prozent Frauen sehen.
Sie haben gesagt, Sie sind der Kandidat des Präsidenten. Also ist Kammerpräsident Herk an Sie herangetreten und nicht Landesrat Christian Buchmann, der Obmann des ÖVP-Wirtschaftsbundes?
ROTH: Das ist richtig.
Die Vorgänge zeigen, dass die Trennung zwischen der Interessenvertretung Wirtschaftskammer und der politischen Organisation Wirtschaftsbund nicht ganz klar ist. Wie sehen Sie das?
ROTH: Für mich ist es ein ganz klarer Auftrag: Ich bin in der Wirtschaftskammer da, um den Wirtschaftsstandort Steiermark zu stärken. Punkt. Da geht es nicht um Politik, sondern um Wirtschaft. Das mit dem Einflüstern, das muss einmal aufhören. Ich hoffe, dass man uns jetzt arbeiten lässt. Ich bin ein Teamplayer hier im Unternehmen und werde das auch dort umsetzen. Sonst bringt man nichts zusammen.
Was soll eigentlich die Position des Wirtschaftsbunds sein? Soll er nur der ÖVP-Wahlverein bei der Wirtschaftskammerwahl sein und sich ansonsten zurückziehen?
ROTH: Ich maße mir nicht an, so etwas zu sagen. Ich kann nur sagen: Ich werde in dieser neuen Funktion das Beste für die steirische Wirtschaft zu tun versuchen. Deshalb: Lasst uns arbeiten und messt uns an unseren Taten und nicht an irgendwelchen Zurufen. Ich kann ja auch in einer Firma einen neuen Geschäftsführer nicht schon beim Antritt beurteilen, sondern muss erst einen Leistungsnachweis abwarten.
Welche Reaktionen haben Sie aus der Unternehmerschaft?
ROTH: Viele Rückmeldungen zeigen mir, dass die Stimmung gut ist. Die Leute sagen: Gott sei Dank ist es einer aus der Wirtschaft, der nicht irgendwem zuzuordnen ist, oder was auch immer. Im Gegenteil. Sie hoffen, dass ich auf dieser Position die Stärke mitbringe, dass ich mich nicht beeinflussen lasse.
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Fakten
Jürgen Roth, geboren 22.4. 1973. Sein Vater ist Rudolf "Rudi" Roth (Roth Heizöle), sein Onkel Hans Roth (Saubermacher).
Karriere: Studium internationale Wirtschaft in Österreich und den USA. Seit 2004 operative Führung der Firma Roth Heizöle.
Roth ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. LEODOLTER














