Atmende Sohle auf dem Weg nach Kärnten
Am Donnerstag stattete Landeshauptmann Gerhard Dörfler einen Betriebsbesuch bei Geox ab. Geox möchte in Kärnten einen Forschungs-Standort aufbauen.

Foto © GeoxMario Moretti Polegato: Der Erfinder der atmenden Schuhsohle
Auch Landeshauptmann Gerhard Dörfler hat Geox-Schuhe in seinem Kasten. Für den Betriebsbesuch bei Geox am Donnerstag, holte er die Schuhe mit der atmenden Sohle aber nicht hervor: "Die passen heute nicht zum Outfit." In braunen Lederschuhen machte er sich stattdessen auf zum größten Schuhhersteller Italiens, ins norditalienische Montebelluna.
Grund für den Besuch: Geox-Chef Mario Moretti Polegato zieht in Erwägung, auch in Kärnten Fuß zu fassen. "Eventuell möchten wir in Kärnten in Forschung und Entwicklung investieren", sagt der Firmenchef. "Wir sind dabei, den Standort für unsere Firma zu analysieren." Die niedrigen Unternehmenssteuern in Österreich, die Nähe zum osteuropäischen Markt und die lange Tradition der Schuherzeugung in Kärnten könnten entscheidende Motive für den Standort sein. Erste Kontakte zum Landeshauptmann knüpfte Polegato am Besprechungstisch aus weißem Glas, und er erzählte von einer steilen Karriere.
Abgeblitzt bei Adidas
Alles hat vor 20 Jahren mit einer Wanderung in Nevada begonnen. Die Hitze dort setzte dem damaligen Weinproduzenten Polegato zu - vor allem an den Füßen. Deshalb schnitzte er mit einem Taschenmesser zwei Löcher in die Sohlen seiner Turnschuhe, woraufhin allerdings Schmutz eindrang.
Daraus gebar Polegato die Idee zur Technologie, die ihn später so erfolgreich machen sollte. Durch Mikroporen in der Membran von Geox-Schuhen kann einerseits Schweiß austreten, Wasser dringt andererseits aber nicht hinein. Polegato versuchte dieses Konzept an Nike und Adidas zu verkaufen - erfolglos. So gründete er vor 16 Jahren eine eigene Firma mit fünf Mitarbeitern.
Heute arbeiten 30.000 Leute rund um den Globus für Geox. Durch das Logistikzentrum in Montebelluna werden täglich 300.000 Paar Schuhe geschleust. "Es ist ein Wahnsinn, was da los ist", ist der Landeshauptmann beeindruckt, während hunderte Pakete auf Förderbändern an ihm vorbeirauschen. Die Schuhe treffen aus China, Brasilien, Vietnam und 23 weiteren Ländern hier ein, werden sortiert, verpackt, auf Lkw verladen und in Geox-Shops in ganz Europa verschickt.
Produziert wird in Italien nicht, aber Prototypen werden hier entwickelt. Auch dem Labor stattete Dörfler einen Besuch ab. Eine ähnliche Einrichtung könnte Geox in Kärnten aufbauen. Dörfler möchte alles daran setzen, "dass der Konzern ein Standbein in Kärnten setzt." Für Ende September sei ein Besuch Polegatos geplant.
Features
Foto

Bild vergrößernJuniorchef Enrico Polegato führte Dörfler durch das Unternehmen Foto © LPD/Bodner
1100 Geox-Shops weltweit
In 105 Ländern wird die Marke Geox verkauft, in 26 Ländern produziert. Weltweit vertreiben 1100 Shops Geox-Artikel (teilweise auf Franchise-Basis), in Österreich sind es 30 Shops, in Kärnten fünf.
Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 850 Millionen Euro. Zwei Prozent des Umsatzes werden in Forschung investiert.
An der Mailänder Börse ist das Unternehmen seit 2004 notiert.















-Anzeigen