Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 20. August 2014 14:44 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Weinsammlung von Gribkowsky kommt unter den Hammer Zukunft des Airports liegt im Tourismus Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Wirtschaft Nächster Artikel Weinsammlung von Gribkowsky kommt unter den Hammer Zukunft des Airports liegt im Tourismus
    Zuletzt aktualisiert: 08.02.2011 um 13:42 UhrKommentare

    Aufstieg und Fall der Schifirma Kneissl

    Die Tiroler Schifirma Kneissl und deren Gläubiger haben es nicht geschafft, zu frischem Geld zu kommen. Mehrheitseigentümer Scheich Mohamed Al Jaber blieb eine mehrfach zugesagte Kapitalspritze schuldig. Mehrere Zahlungsfristen verstrichen, ebenso ein letztes Ultimatum des Konkursgerichts am Montagabend. Ein Großteil der Firmengruppe musste am Dienstag die Insolvenz bekannt geben. Die Geschäftsführung hofft indes auf neue Investoren, um die Traditionsmarke nicht untergehen zu lassen.

    Seit Monaten hatte es Exekutionsanträge gehagelt, ein (neuerlicher) Konkursantrag des einstigen Miteigentümers Fritz Unterberger war nun entscheidend für die Beschlüsse des Gerichts. Kneissl war schon öfters in Problemen gewesen in seiner Geschichte und in den vergangenen Jahren mehrmals insolvent. Ein Rückblick in die wechselvolle Geschichte:

    1919: Franz Kneissl sen. übernimmt von seinem Ziehvater die Wagnerei und fertigt den ersten Schi Österreichs. Der Kneissl Schi wird als Marke angemeldet.

    1946: Franz Kneissl jun. übernimmt mit 26 Jahren die Firma und baut das Traditionsunternehmen auf. Er startet mit drei Mitarbeitern. Gemeinsam mit seinem Bruder Walter stellt er den Handwerksbetrieb auf Industriefertigung um.

    1960er Jahre: Kneissl entwickelt mit dem "White Star" den ersten Kunststoff-Schi mit Holzkern, der als Meilenstein in der Schiindustrie gefeiert wird. Weltcupsieger Karl Schranz wird das Aushängeschild des Unternehmens.

    1970er Jahre: Die Marke Kneissl erringt auch mit der Produktion von Langlaufschiern und Tennisschlägern eine führende Marktposition.

    1980: Kneissl muss Konkursantrag stellen, nachdem ein Überbrückungskredit nicht gewährt wird. Der deutsche Langlaufhersteller Trak wird Eigentümer.

    1983: Die US-Firma Tristar übernimmt die Marke Kneissl, zu der mittlerweile auch Trak und die Schimarke Olin gehören.

    Februar 1989: Eine Unternehmergruppe um Erhard Grossnig, Reinfried Spazier und Hans-Peter Haselsteiner übernehmen die Mehrheit bei Kneissl.

    1990: Kneissl entwickelt den "Big Foot", der sich als Verkaufsschlager herausstellt, und nach mehreren Verlustjahren die Umsatztalfahrt bei Kneissl kurzfristig stoppt.

    1991: Kneissl fusioniert mit dem oberösterreichischen Sportartikelhersteller Dachstein.

    1992: Der erste Carving-Schi "Ergo" wird von Kneissl auf den Markt gebracht und beschert der Branche einen Aufschwung. Firma Kneissl Dachstein wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmiert künftig unter dem Namen "Kneissl Dachstein Sportartikel AG"

    24. Mai 1994: Franz Kneissl stirbt im Alter von 73 Jahren an Herzversagen.

    1995: Kneissl expandiert und verleibt sich den Schweizer Sportartikelhersteller Raichle ein, die Marken Dynafit, Dee Luxe und Marker folgen und werden ebenfalls in den Konzern integriert.

    1998: Der Schiproduzent gibt sich einen neuen Namen: "kneissl & friends"

    1999: Der Standort in Molln (OÖ), der Verwaltungssitz, wird geschlossen und die Zentrale wird damit wieder nach Kufstein verlegt. Kneissl verfügt über zwei Standorte in Ungarn mit insgesamt 300 Mitarbeitern, 100 Beschäftigte arbeiten bei Raichle in der Schweiz und 200 in Kufstein.

    September 2002: Die Expansionsstrategie geht nicht auf. Das Kerngeschäft, die Schiproduktion in Kufstein, muss eingestellt mit Ende des Jahres eingestellt werden und wird teilweise von Fischer übernommen.

    Jänner 2003: Raichle wird an den Schweizer Bergsportspezialisten Mammut AG verkauft.

    April 2003: Kneissl muss abermals Konkurs beantragen und steht mit 18 Mio. Euro in der Kreide.

    Juli 2003: Ein Tiroler Bieterkonsortium aus den Investoren Fritz Unterberger, Richard Labek, Anton Pletzer, Friedrich Obholzer und Karl Handl übernehmen das marode Unternehmen. Sie steigen allerdings aller der Reihe nach wieder aus.

    Oktober 2006: Kneissl stoppt die Schimassenproduktion am Standort Kufstein. Aus Kostengründen wird die Alpinproduktion zu Fischer, die Langlaufschiproduktion nach Tschechien und die Big-Foot-Herstellung zu Pale in Kärnten ausgelagert.

    2007: Andreas Gebauer wird Geschäftsführer bei Kneissl und soll dem Stern zu neuem Glanz verhelfen, das Unternehmen schreibt aber weiterhin Verluste und die verbliebenen Eigentümer Unterberger, Obholzer und Pletzer können es nur mit erheblichen Finanzspritzen über Wasser halten. Obholzer steigt im Februar bei Kneissl aus.

    Juli 2008: Der durch seinen (geplatzten) Einstieg bei der AUA bekannte austro-arabische Scheich Mohamed bin Issa Al Jaber wird mit 60 Prozent Mehrheitseigentümer. Kneissl soll mit frischem Geld zu einer modernen Life-Stylemarke avancieren. Bekleidung, Erlebnisgastronomie und Hotelprojekte werden angekündigt, bloß an der Umsetzung haperte es. Hotels in Osttirol und Kärnten kommen über die Planungsphase nicht hinaus.

    5. November 2010: Die Modelieferantin Susan Strasser bringt Exekutionsantrag gegen Kneissl ein. Grund: Eine offene Rechnung über 158.000 Euro.

    9. November 2010: Es wird bekannt, dass auch der ehemalige Eigentümer Unterberger auf Teile des Kaufpreises für seinen 40-Prozent-Anteil wartet. Auch er stellt einen Exekutionsantrag. 40-Prozent-Eigentümer ist seit dem Verkauf die UBH Unternehmensberatung Huber, des Tiroler BZÖ-Politikers Simon Hermann Huber.

    11. November 2010: Kneissl sieht sich mit fünf Exekutionsanträgen konfrontiert.

    21. November 2010: Kneissl-Gesellschafter Huber droht mit Ausstieg: "Es gibt derzeit keine Ergebnisse, die ein Festhalten am Investment rechtfertigen"

    22. November 2010: Al Jaber plant eine Kapitalerhöhung. Der frühere Eigentümer Unterberger bringt Konkursantrag gegen die Holding ein.

    23. November 2010: Die Gesellschafterversammlung am Firmensitz in Kufstein segnet einstimmig eine Kapitalerhöhung von 1,2 Mio. Euro ab. Al Jaber würde dadurch 99-Prozent-Eigentümer.

    9. Dezember 2010: Der Exekutor stattet der Kneissl Star Lounge in Innsbruck einen Besuch ab. Die angekündigte Kapitalspritze lässt auf sich warten. Weitere Gläubiger sitzen auf unbezahlten Rechnungen.

    31. Dezember 2010: Al Jaber lässt die behördlich gesetzte Frist für die angekündigte Kapitalerhöhung verstreichen.

    5. Jänner 2011: Unterberger bringt erneut Konkursantrag gegen Kneissl ein.

    9. Jänner 2011: Ein Gerichtsurteil eines ägyptischen Gerichts bringt weiteres Ungemach für Al Jaber. Er wird als Aufsichtsratschef des Lebensmittelkonzerns Ajwa Food Industries in erster Instanz wegen Dokumentenfälschung und Aktienkursmanipulation zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Scheich dementiert und kündigt umgehend Berufung an.

    12. Jänner 2011: Laut Geschäftsführer Gebauer hat der Scheich in Paris das notwendige Dokument für die Kapitalerhöhung unterzeichnet. Das Geld soll nun endgültig "nächste Woche" fließen. Alle offenen Rechnungen sollen dann beglichen werden. Die Geschäftsführung wird um Andrea King erweitert. Mashael Al Jaber, die Tochter des Scheichs, wird von ihr abgelöst.

    7. Februar 2011: Einvernahme von Kneissl-Chef Gebauer durch den Konkursrichter. Al Jaber bekommt eine letzte Zahlungsfrist bis zum Abend.

    8. Februar 2011: Das Gerichts-Ultimatum ist verstrichen: Insolvenzantrag über einen Großteil der Firmengruppe.


    Mehr Wirtschaft

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Obsterzeuger spüren Russland-Sanktionen

      In den Obstanbaugebieten am Bodensee sorgen sich die Landwirte um die Ma...Bewertet mit 5 Sternen

       


      Kleine Zeitung Akademie

      Wissen für Leser: Die Kleine Zeitung Akademie bietet Ihnen ein vielfältiges Angebot an Seminaren und Veranstaltungen zu den Themen Journalismus, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Proftieren auch Sie vom Know-how unserer Mitarbeiter!

       

      Wirtschaft-Fotoserien

      Größte Fischtreppe Mitteleuropas in Rosegg 

      Größte Fischtreppe Mitteleuropas in Rosegg

       

      Lebe deinen Plan!



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!