Um saftige 71.000 Dollar ist man in Davos dabei
Ohne Einladung oder Promi-Bonus geht beim Weltwirtschaftsforum in Davos gar nichts. Die unzähligen, hochkarätig besetzten Vorträge zu allen möglichen Themen sind nur ein Nebenschauplatz. Ein Blick hinter die Kulissen.

Foto © APAGoogle-Chef Eric Schmidt
Wer den Hindernisparcours durch die zahllosen Sicherheitsschleusen mit den auf Dächern postierten Scharfschützen bewältigt hat, hat es in jederlei Hinsicht geschafft. Im Davoser Kongresszentrum ist man dank der verwinkelten Gänge automatisch auf Tuchfühlung mit jenen, die mächtig und wichtig sind - oder die sich für mächtig und wichtig halten. Bill Clinton eilt ohne Begleitung immer wieder durch das Labyrinth von einem Termin zum nächsten, noch öfters sieht man nur Kofi Annan. Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit lehnt an der Bar und plaudert mit Google-Chef Eric Schmidt. In einer Ecke die Chefs einiger fernöstlicher Autokonzerne, daneben Außenminister Michael Spindelegger, der im 15-Minuten-Rhythmus Leute wie Tony Blair, chinesische Investoren, den deutschen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder den palästinensischen Premier Salam Fayyad trifft. Nur kurz gesichtet in dieser weltweit wohl einzigartigen Kontaktbörse: Bundeskanzler Werner Faymann.
Die unzähligen, hochkarätig besetzten Vorträge zu allen möglichen Themen sind nur ein Nebenschauplatz. Davos bietet Politikern, Unternehmern, Top-Wissenschaftern und anderer Prominenz die Möglichkeit, ungezwungen zwischen Tür und Angel Kontakte zu knüpfen, Geschäfte anzubahnen, Kooperationen einzugehen. Noch nie waren so viele Chinesen und Inder im Schweizer Kurort, die Südamerikaner waren diesmal auch schon stark vertreten. "Davos ist ein Seismograf, wo die neuen Märkte liegen", so Ex-Magna-Chef Sigi Wolf. Von Nachdenklichkeit keine Spur.
Veranstaltungen en masse
Am Abend steigen in den großen Hotels dann die wirklich wichtigen Events: die exklusiven Partys der großen Konzerne. "In Davos hat man immer das Gefühl, dass man gerade was verpasst und vielleicht gerade auf der falschen Veranstaltung ist", meinte ein Konzernchef. Freitag früh lud Nestle ein, am Abend war Google an der Reihe. An sich herrscht in Davos Krawattenverbot, nur wenige, darunter Clinton oder Blair, halten sich dran.
Die Teilnahme an Davos lassen sich die Konzernchefs viel kosten. Ohne Einladung durch den Chef des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, geht einmal überhaupt nichts. Wer eine solche in Händen hält, wird sogleich zur Kassa gebeten. 71.000 Dollar kostet - inklusive Jahresmitgliedschaft - allein der Zutritt. Wer mehr erleben will, muss schon 156.000 Dollar hinlegen. Will man ein, zwei Mitarbeiter mitbringen, kostet das fünftägige Happening schon 301.000 Dollar. Da sind aber weder Anreise noch Übernachtung und auch kein Sandwich dabei. Von den heimischen Firmen sind nur Swarowski und Zumtobel Davos-Mitglieder, unter den wenigen Promis mit österreichischem Idiom wurden neben Sigi Wolf diesmal Peter Löscher und Brigitte Ederer (Siemens) und Peter Brabeck-Letmathe (Nestle) gesichtet.















