"Keine Rechnung ohne den Wirt"
Eine Urabstimmung 1985 hat dem Salzburger Tourismus den Befreiungsschlag gebracht: Damals wurde festgelegt, dass der Fremdenverkehr nicht länger von Gemeindestuben gemanagt wird, sondern von privaten Pflichtverbänden mit Wirtschaftsvertretern. 90 Prozent der Salzburger Gemeinden haben heute Verbände, die das gesamte Budget, das der Tourismus aufbringt, verwalten.
"Das Miteinander und die Verantwortung der Unternehmer funktioniert sehr gut", lobt der Tourismus-Obmann in der Salzburger Wirtschaftskammer, Reinhold Hauk. "Wer zahlt, schafft an": Jene, die mehr zahlen, haben auch mehr Stimmrechte. Über Infrastrukturmaßnahmen entscheidet der Verband. Wenn die Gemeinde finanziert, hat er ein Mitspracherecht. Hauk: "Hier macht man die Rechnung nicht ohne Wirt." Die Salzburger Gemeinden sind damit bisher gut gefahren. "Eine Win-win-Situation", so Hauk, "wenn investiert wird, kommt Kommunalabgabe herein, Mitarbeiter werden beschäftigt und Gäste kommen. Warum sollen sich Gemeinden einmischen?"
Der Kärntner Tourismusreferent Josef Martinz hat sich das Salzburger Modell zum Vorbild für das neue Kärntner Tourismusgesetz genommen. Es soll 2012 in Kraft treten. Spannend ist, ob sich in Kärnten Unternehmer finden, die Verantwortung auf sich nehmen, denn bisher war die Situation zwar nicht optimal, aber für viele bequem.
Branchenfremde
Im Lieser-Maltatal und in Velden funktioniert das Modell - die regionalen Verbände erhalten bis zu hundert Prozent der Mittel für das touristische Marketing; im Falle Lieser-Maltatal 330.000 Euro: "Wir haben der Gemeinde viel Arbeit abgenommen, entscheiden über das Budget und tragen Verantwortung", so Regionsgeschäftsführer Sigi Neuschitzer. "Bankerln sind keine touristische Infrastruktur, Ortsbildpflege nützt auch Einheimischen." Sinnvolle Gemeinde-Projekte werden unterstützt - was sinnvoll ist, entscheiden Unternehmer, nicht der Gemeinderat: "Dort sitzen Polizisten und Lehrer. Sie sollen über den Tourismus entscheiden?", fragt Neuschitzer.
Features
Budgetentwicklung
In den meisten Bundesländern sind Budgets gleich geblieben, in Kärnten wurden sie heuer um 24 Prozent gekürzt
2005: 10,33 Millionen Euro
2006: 14,39 Millionen Euro. 2006 wurde auch die Fremdenverkehrsabgabe erhöht und die Nächtigungstaxe verdoppelt
2007: 12,71 Millionen Euro
2008: 12,51 Millionen Euro
2009: 12,21 Millionen Euro
2010: 9,77 Millionen Euro
Die Fremdenverkehrsabgabe wird von allen Unternehmen, gestaffelt nach Tourismusintensität, aufgebracht. Beispiel: Ein Hotel ist in der Stufe A, ein metallverarbeitender Betrieb in der Stufe H.
Die Ortstaxe und Nächtigungsabgabe wird den Gästen bei den Beherbergern vorgeschrieben. Sie variieren von Ort zu Ort.














