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Zuletzt aktualisiert: 24.09.2010 um 05:10 UhrKommentare

"Steuer-Anreiz für faire Produkte"

Christian Felber plädiert für ein reines Sparkassen- und Genossenschaftsbanken-Modell. "Das hat es lange gegeben - da waren Finanzmärkte stabil und Banken Infrastruktur für Wirtschaft und Gesellschaft."

Attac-Aktivist Christian Felber: "Die Menschheit dachte auch lange, die Sonne dreht sich um die Erde"

Foto © WEICHSELBRAUN Attac-Aktivist Christian Felber: "Die Menschheit dachte auch lange, die Sonne dreht sich um die Erde"

International gibt es Beifall dafür, dass die Banken mit Basel III neue Schranken aufgezeigt bekommen. Was halten Sie vom neuen Regelwerk?

CHRISTIAN FELBER: Das ist ein Herumdoktern für systemrelevante Banken. Die durchschnittlichen Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben heute schon Eigenkapitalquoten von 15 Prozent. Das Problem ist, dass es überhaupt systemrelevante Banken gibt.

Sie plädieren für ein reines Sparkassen- und Genossenschaftsbanken-Modell?

FELBER: Ja, ein breites dezentrales Netzwerk solcherlei Banken. Sie sollen nicht gewinn-, sondern gemeinwohlorientiert sein. Das hat es lange gegeben - da waren Finanzmärkte stabil und Banken Infrastruktur für Wirtschaft und Gesellschaft.

Was ist das Problem an großen Banken?

FELBER: Sie sind unregulierbar, da das dem Profitstreben widerspricht. So werden Markt und Demokratie abgeschafft - weil sie, ohne sich zerteilen zu lassen, gerettet werden. Alle haben noch Filialen in Steueroasen, was kein Thema beim Rettungspaket war. Bessere inhaltliche Regulierungen reichen nicht mehr, die Global Players müssen kleiner und weniger mächtig werden.

Sie hoffen auf Erfolg mit Ihrer Idee der "Gemeinwohl-Ökonomie"?

FELBER: Der erste Schritt ist die Erkenntnis, dass wir uns derzeit im falschen System befinden. Die Strategie ist, dass aus dem wachsenden Kreis der Unternehmen - es sind schon 91 - sich eine andere Philosophie, wie globale Aktiengesellschaften sie leben, entwickelt. Fragen nach dem Wohlbefinden der Mitarbeiter und deren Mitbestimmungsrechte oder der Nachhaltigkeit der Produktionsverfahren sollen entscheidend sein. Herzstück des Modells ist die Gemeinwohl-Bilanz, die dann erfolgreich wäre, wenn darin abgebildete Leistungen systematisch belohnt würden.

Welche Anreize meinen Sie?

FELBER: Vorteile beim öffentlichen Einkauf und Steuerbegünstigungen. Vor allem bei der Mehrwertsteuer: Sie könnte steuernd eingesetzt werden. Wer die Umwelt schont und hohe soziale Sicherheit bietet, zahlt weniger Steuern. Der Zoll kann auch eine Rolle spielen: Erhöht man ihn für Nicht-Fair-Trade-Produkte, wird es bald nur noch faire Ware im Regal geben.

Ist es nicht zu tief in den Köpfen der Menschen im westlichen Kulturkreis verankert, Erfolg mit Geld zu messen?

FELBER: Vorteilsstreben und Egoismus sind nicht die stärksten Antriebe des Menschen. Es sind gelingende Beziehungen. Alle wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl - das steht im Artikel 151 der bayrischen Verfassung. So gesehen wollen wir dieser zum Durchbruch verhelfen. Vom jetzigen System profitiert eine Minderheit mit Meinungshoheit. Sie schafft es regelmäßig, an die Regierung gewählt zu werden. An allen Wirtschaftsunis wird gelehrt, der Mensch sei kapitalistisch: genetisch programmiert zu Konkurrenz und Egoismus. Wir haben aber auch lange gedacht, die Sonne drehe sich um die Erde. Ähnlich bahnbrechend sehe ich die Erkenntnis, dass Kooperation die Energie der Evolution ist. Auch führt Kooperation nachweislich zu höherer Leistung und macht glücklicher als Konkurrenz.

Wie arbeitet man nach der Gemeinwohl-Ökonomie?

FELBER: Einzelheiten werden erst bei Kongressen von Firmen, die sich interessieren, etwa rund um meine Buchpräsentation am 11. Oktober in Klagenfurt, ausgearbeitet. Dann sollen erste Unternehmen ihre Bilanzen vorweisen. So soll der Druck für ein gesamtheitliches Umdenken laufend erhöht werden - die Menschen sind bereit dazu.

PHILIP STOTTER

Vier Firmen aus dem Süden

In Kärnten und Osttirol partizipieren bereits vier Unternehmen in der Gemeinwohl-Ökonomie.

Der Unternehmensberater und Ex-Geschäftsführer der Industriellen Vereinigung Kärnten, Werner Sattlegger, ist als Ein-Personen-Unternehmen dabei.

Als solches ist auch die Zukunftsraum Regionalentwicklung aus Lienz von Michael Hohenwarter engagiert.

17 Mitarbeiter hat das ebenso teilnehmende Institut für Zukunftskompetenzen aus St. Veit.

Mit ihren 45 Mitarbeitern wendet auch die Firma Weissenseer Holz System-Bau aus Greifenburg Gemeinwohl-Prinzipien an.

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