Guter Lohn für späte Pension
Mit mehr Geld will WKO-Präsdient Christoph Leitl Arbeitnehmer, die später in Pension gehen, locken. Zusätzlich pocht er weiterhin auf ein "intelligentes Zuwanderersystem".

Foto © APWKO-Präsident Christoph Leitl.
Jene, die über das gesetzliche Pensionsantrittsalter hinaus arbeiten, sollen 25 Prozent ihres Ruhestandbezuges auf das Gehalt aufgeschlagen bekommen, weitere 25 Prozent verbleiben beim Arbeitgeber. Die Wirtschaftskammer will so die Potenziale am österreichischen Arbeitsmarkt besser nutzen, darüber hinaus regt sie ein intelligentes Zuwanderungssystem an.
Win-Win-Win-Situation
Leitl sieht in dem neu ausgearbeiteten System eine "Win-Win-Win"-Situation: Die Arbeitnehmer hätten mehr Geld, kämen den Arbeitgebern weniger teuer und die Pensionskassen müssten nur die Hälfte auszahlen. Tritt der Arbeitnehmer seinen Ruhestand dann an, habe er außerdem einen höheren Pensionsbezug, weil er ja länger gearbeitet hat, so Leitl.
Die demografische Entwicklung stellt die Finanzierbarkeit des Pensionssystems immer mehr infrage. Aus Sicht Leitls müsse das durchschnittliche Antrittsalter von 58 Jahren, das "seit zwei Jahrzehnten unverändert" sei, endlich angehoben werden können. Allerdings: "Freiwillig und nicht durch Zwang", betonte Leitl.
Intelligentes Zuwanderermodell gefordert
Nichtsdestotrotz fordert die Wirtschaftskammer ein intelligentes Zuwanderungsmodell für Fachkräfte, Akademiker und "High Potentials". Die WKO-Integrationsbeauftragte Margit Kreuzhuber präsentierte eine mögliche Variante der Rot-Weiß-Rot-Card, die über ein Punktesystem eine "kriteriengeleitete Zuwanderung" ermögliche. Mögliche Faktoren wären etwa Sprachkenntnisse, Berufserfahrung und Ausbildung. Je nach Bedarf an ausländischen Kräften könnten Zuwanderer so ins Land geholt werden.
Wer als Arbeitskraft ins Land geholt wird, soll nach Ansicht der WKO auch seine Familie sofort ins Land holen dürfen, egal ob Angehörige dem Kriterienkatalog entsprechen. Nachdem das Ausbildungsniveau in den meisten Familien ohnehin auf einem ähnlichen Niveau sei, sei dies kaum ein Kriterium.
Kaum seriöse Informationen
Kreuzhuber sprach sich dafür aus, auch nach außen sichtbarer um qualifizierte Zuwanderer zu werben. Wer sich etwa im Internet über die Möglichkeiten erkundigen will, in Österreich einzuwandern, finde kaum seriöse Informationen. Dies sei in Ländern wie Kanada oder Australien, die sich sehr erfolgreich um qualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland bemüht hätten, besser gelöst. Dort könne man sich meist schon online ansehen, welche Chancen bestünden und was für eine Einwanderungsgenehmigung notwendig sei.
Leitl kritisierte, dass sich die Zuwanderungsdebatte hierzulande immer nur um die Versorgung von Migranten drehe, wiewohl man Kräfte aus dem Ausland auch zur Abdeckung heimischer Arbeitsmarktbedürfnisse brauche. So sei etwa in wenigen Jahren mit einem Personalmangel im Pflegebereich zu rechnen.
Österreich hat es laut WKO bisher nicht in ausreichendem Maß geschafft, hoch qualifizierte Migranten zu holen. In einem OECD-Ranking rangiere man an letzter Stelle, so Kreuzhuber: Nur 11,3 Prozent der in Österreich ansässigen Migranten hätten einen akademischen Abschluss. Bei Ländern wie Großbritannien, Kanada oder Irland liege diese Quote bei einem Drittel.
Roter Teppich für internationale Elite
Das bisherige Schlüsselkraftsystem ist nach Ansicht der WKO wenig tauglich, da das notwendige Einstiegsgehalt, das Zuwanderer vorweisen müssen, in vielen Fällen nicht erreicht würde. "Unser System ist nicht flexibel genug, um den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu genügen", sagte Kreuzhuber.
Den roten Teppich solle man der internationalen Elite ausrollen. Diese "High Potentials", etwa ein Forscher mit Elite-Uni-Abschluss sollen ein "Jobseeker-Visum" bekommen, so Kreuzhuber. Damit sollen sie einwandern können, ohne einen Job zu haben. Diesen können sie sich in einem bestimmten Zeitfenster suchen.
Für das Migrationsmodell sieht Kreuzhuber jedoch baldigen Handlungsbedarf, da es Jahre dauere, bis sich ein solches System etabliere. In der Schweiz habe dies beispielsweise zehn Jahre gedauert.












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