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    Zuletzt aktualisiert: 23.08.2010 um 19:32 UhrKommentare

    Billigfleisch verschärft das Bauernsterben

    Artgerechte Tierhaltung und hohe Qualität beim Fleisch kosten Geld, sagt Österreichs Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski und warnt vor den Folgen des Bauernsterbens.

    Landwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski

    Foto © ScheriauLandwirtschaftskammerpräsident Gerhard Wlodkowski

    Herr Präsident, wie stehen Sie persönlich zum Thema "Tiere essen"?

    GERHARD WLODKOWSKI: Ich bin damit aufgewachsen, dass wir die Tiere auf unserem Hof so gehalten haben, dass sie sich bis zu ihrem Tod wohlgefühlt haben. So habe ich auch überhaupt kein Problem, Tiere zu essen. Und wer österreichisches Qualitätsfleisch isst, muss sich auch um seine Gesundheit keine Sorgen machen.

    Stichwort artgerechte Haltung: Wo stehen wir da in der Steiermark?

    WLODKOWSKI: Zehn Tiere schlecht gehalten ist genauso wenig vertretbar, wie unkontrollierte Massenproduktion. Ist die Tierhaltung aber artgerecht, kann sie auch in größeren Einheiten nicht verteufelt werden. Uns Steirer zeichnet nicht nur aus, dass wir auf unsere Tiere schauen, sondern auch unsere Kreislaufwirtschaft: Wir erzeugen das Futter, wir bringen den Dünger auf unsere Felder, schauen gleichzeitig darauf, dass der Boden in Ordnung ist - und verhindern damit jede Industrialisierung der Tierproduktion.

    Viele Bauern klagen über den Preis, der ihnen vom Handel diktiert wird . . .

    WLODKOWSKI: Wir stecken in einer Doppelschere, wobei der Handel Gott sei Dank auf österreichische Qualität setzt. Die Schwierigkeit aber ist, dass unsere Qualitätsprogramme viel kosten und das Preisniveau dadurch anheben. Auf der anderen Seite nimmt der Druck mit billiger Ware aus dem Ausland ständig zu. Da greifen viele Konsumenten lieber zum billigen Fleisch, auch wenn sie damit brutalen Massentierhaltungen Vorschub leisten - wie etwa der in Brasilien, Dänemark oder Argentinien, wo es keine Qualitätskontrollen gibt.

    Ist also der Konsument daran schuld, wenn es den Bauern nicht gut geht?

    WLODKOWSKI: Nein, die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch bei den Konsumenten ihre Spuren hinterlassen. Ein Teil kauft deshalb eben nicht Bio, sondern billig. Wobei Bio immer etwas teurer sein wird, aber Produkte mit geprüfter Qualität preislich durchaus sehr attraktiv sind.

    Immer wieder ist vom Bauernsterben die Rede. Sehen Sie die Situation auch so dramatisch?

    WLODKOWSKI: Die Gefahr ist wirklich sehr groß, dass unter diesem Preisdruck ein Betrieb nach dem anderen zusperren muss. Das werden auch die nächsten Jahre wieder zeigen, wenn der Importdruck noch stärker wird. Und wenn wir dann die Mengen, die gebraucht werden, nicht selbst erzeugen, weil es zu wenige Bauern gibt, dann steht die Massenproduktion mit schlechter Qualität vor der Tür - und diktiert trotzdem den Preis.

    Dann sterben aber auch die verarbeitenden Betriebe und damit jede Menge Arbeitsplätze. Ganz zu schweigen davon, dass unsere alpine Landschaft nur mit Tierhaltung so bleiben kann, wie wir sie kennen und lieben.

    Viele Bauern quält der hohe bürokratische Aufwand, den sie betreiben müssen. . .

    WLODKOWSKI: Unsere Bauern empfinden das als Belastung, aber wenn wir weiterhin Unterstützung haben wollen, dann werden wir diese Anforderungen erfüllen müssen, um entsprechende Kontrollen und damit Qualität zu ermöglichen. Leider gibt es immer wieder schwarze Schafe, weshalb dann wieder mehr kontrolliert werden muss. . .

    Die Kammer wird heftig kritisiert, sie mache nichts gegen die niedrigen Preise.

    WLODKOWSKI: Ich muss in aller Deutlichkeit sagen, dass nicht wir die Preise machen, sondern der Markt. Die Instrumente aus der Vor-EU-Zeit sind da längst nicht mehr einsetzbar. Wir als Kammer fühlen uns aber für die Rahmenbedingungen verantwortlich - und ich kämpfe mit vollem Einsatz etwa gegen eine Grundsteuer oder andere Gesetze, die die Bauern benachteiligen.

    INTERVIEW: BERND OLBRICH

    Bauernsterben

    Im Jahr 1980 gab es noch 40.522 steirische Rinderbauern und 455.000 Rinder. Im Vorjahr waren es 343.000 Tiere, die von nur noch 14.064 Bauern gehalten wurden.

    Bei den Schweinebauern sind die Zahlen ähnlich, 1990 hielten 37.300 Bauern 961.000 Schweine, 2009 waren es 10.000 Bauern mit 864.000 Schweinen.

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