"Wenig flexibel und mobil"
Scharfe Kritik an Ausbildung, Berufswahl, Flexibilität und Mobilität der heimischen Jugend übt die Wirtschaftskammer. Aufgrund fehlender Lehrstellen schafft das AMS 2010/2011 weitere 1.500 neue Lehrplätze.

Foto © Fotolia_aesnnovViele Mädchen dem Klischee treu und werden Friseurin.
Daran dass viele Jugendliche keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, sei laut Wirtschaftskammer natürlich vor allem die schlechte Wirtschaftslage Schuld. Die Betriebe litten noch immer unter der Krise, daher müsse auch die Ausbildung eingeschränkt werden, erklärte Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer im ORF-Mittagsjournal am Dienstag. Zudem seien die Jugendlichen schlecht ausgebildet, wenig flexibel und wenig mobil.
Kritik an Berufswahl der Jugend
Der Großteil der Jugendlichen entscheidet sich noch immer für eine kleine Auswahl von Berufen: Bei den Mädchen seien das die Top drei: Verkäuferin, Friseurin oder Bürokauffrau. Bei den Burschen Automechaniker, Installateur oder Elektroinstallateur. Zur Auswahl stünden aber insgesamt 250 Lehrberufe. Außerdem seien viele der Lehrstellensuchenden laut Hochhauser nicht bereit, für eine Lehre auch den Wohnort zu wechseln, etwa vom Burgenland nach Salzburg.
AMS stockt auf 13.800 Lehrlingsplätze auf
Da es nach wie vor zu wenig Lehrstellen gibt, wird das Auffangnetz für Jugendliche, die keine Lehrstelle in einem Betrieb finden, im Ausbildungsjahr 2010/ 2011 noch einmal aufgestockt. Danach sollte die Zahl der Lehrstellensuchenden aus demografischen Gründen sinken, so dass das Arbeitsmarktservice das Auffangnetz zurückfahren kann. Ab kommenden Herbst ist jedenfalls eine Aufstockung um 1.500 auf 13.800 Ausbildungsplätze vorgesehen. Davon entfallen 7.300 Plätze für Neueintritte und 6.500 Plätze auf Verlängerungen. Die AMS-Kosten dafür werden 189 Mio. Euro betragen, hieß es im AMS zur APA. Inklusive Länderbeitrag werde der Gesamtaufwand dann auf rund 215 Mio. Euro steigen.
Die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehre beginnen werden, sei heuer zwar noch leicht rückläufig, 2011 sei jedoch mit einem Anstieg zu rechnen, in den darauffolgenden Jahren werden die Zahlen zurückgehen. Konkret werden nach AMS-Zahlen heuer rund 42.100 Jugendliche eine Lehre beginnen. In der Zeit von 2010 bis 2014 werde die Zahl der 15- bis 19-Jährigen um rund 33.400 Personen sinken. Damit werden Jugendliche künftig wieder leichter eine Lehrstelle finden.
Aktuell ging die Zahl der Lehrstellensuchenden in Österreich im Juli um 16,4 Prozent oder um 1.698 auf 8.638 Personen zurück, die Zahl der offenen Lehrstellen stieg gleichzeitig um 4,4 Prozent auf 3.581 Stellen. Daraus ergibt sich ein Überhang von 5.057 Lehrstellensuchende in Österreich. Die meisten Lehrstellensuchenden gab es in der Metall- und Elektrobranche. Allerdings ging die Zahl in dieser Branche im Juli um 24,2 Prozent oder um 595 auf 1.864 Lehrstellensuchende zurück. Die meisten offenen Stellen gab es im Tourismus mit 1.728 Lehrplätzen (plus 13,2 Prozent).
Lehrwerkstätten bieten Top-Ausbildung
Die Jugendlichen erhalten in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten "eine sehr gute, umfassende Ausbildung in top-ausgestatteten Werkstätten", betont AMS-Vorstand Johannes Kopf am Dienstag im ORF-Morgenjournal. Die Kosten müsse man sich leisten, junge Menschen seien die wichtigste Zielgruppe der Arbeitsmarktpolitik. In den Lehrwerkstätten könne man auch auf schwächere Jugendliche eingehen. Das sei aber auch ein Auftrag an die Gesellschaft, so Kopf. Denn: Betriebe würden auch mehr Lehrlinge aufnehmen, wenn sie mehr junge Leute finden, die "ordentlich lesen, schreiben und rechnen" können. Es sei aber keine Rede davon, dass die betriebliche Lehre nicht funktioniere.
Grüne: "Keine Dauerlösung"
Begrüßt wird die Aufstockung der überbetrieblichen Lehrplätze von den Grünen. Allerdings könne das keine Dauerlösung sein, sagte Grüne-Arbeitnehmersprecherin Birgit Schatz. Betriebe, die sich vor der Lehrlingsausbildung "drücken"sollten zumindest "einen finanziellen Beitrag in einen Lastenausgleichtopf zahlen". Die niederösterreichische VP-Landesrätin Johanna Mikl-Leitner warnt vor einer "Panikmache" rund "um einen angeblichen Lehrstellenmangel". Dies schade der Wirtschaft und "stimme auch nicht". FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl kritisiert die Regierung. Denn der Lehrstellenmangel sei "von der rot-schwarzen Regierung hausgemacht. Für Niederösterreichs Landeshauptmann-Stellvertreter Sepp Leitner (S) sind überbetriebliche Lehrwerkstätten das wichtige Standbein in der Lehrlingsausbildung.<7p>
















-Anzeigen