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Zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 um 15:50 UhrKommentare

Rekordhoch beim Kaffee-Preis

Missernten beim Kaffee-Anbau sorgen für eine Steigerung des Rohkaffeepreises um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig steigt der weltweite Kaffeeverbrauch kontinuierlich an.

Wird Kaffee bald ein teures Vergnügen?

Foto © APWird Kaffee bald ein teures Vergnügen?

Der Weltmarkt für Kaffee ist derzeit großen Turbulenzen ausgesetzt. Sorgen um Versorgungsengpässe bei den Sorten Robusta und Arabica ließen die Preise an den Rohstoffbörsen von London und New York im Jahresvergleich um 30 Prozent in die Höhe schnellen. Gleichzeitig nimmt der Kaffeekonsum weltweit zu, seit dem Jahr 2000 um weltweit ein Viertel.

Der von der International Coffee Organization (ICO) berechnete Durchschnittspreis für Rohkaffee stieg im Juni 2010 auf 142,2 US-Cent pro Pfund - das ist der höchste Wert seit der Preismonitor erstellt wird. Verglichen mit Juni 2009 (119,1 US-Cent/Pfund) bedeutet dies einen Zuwachs von 20 Prozent. Bis Ende Juli ist der Rohkaffee-Preis weiter auf 153,4 Cent gestiegen und liegt damit um 30 Prozent über dem Vorjahreswert. Als besonderer Kostentreiber für die europäische Kaffeebranche kommt der im Vergleich zum Dollar schwache Euro hinzu.

Rückläufige Lieferungen aus Produzentenländern, darunter vor allem Kolumbien und Vietnam haben die Vorräte an den internationalen Kaffeebörsen nach Angaben von Experten bedenklich schrumpfen lassen. Auch die Lagerstände haben sich in den vergangenen Monaten drastisch reduziert, sagte der Geschäftsführer von cafe+co, Gerald Steger, im Gespräch mit der APA. Preiserhöhungen für die Konsumenten erwartet Steger derzeit - noch - nicht, die aktuellen Einkäufe der Kaffeeröster seien durch laufende Kontrakte gesichert.

Wetterphänomene, Blattkrankheiten und Insekten als Hauptursachen

Vor allem Kolumbien, traditionell der zweitgrößte Kaffeeproduzent nach Brasilien und gleichzeitig wichtigster Verkäufer der in Österreich beliebten milden Sorte Arabica, hat in den vergangenen Jahren geringere Ernten eingebracht und ist inzwischen hinter Vietnam und Indonesien auf Platz vier unter den wichtigsten Erzeugerländern abgerutscht.

2009 wurde mit 7,8 Millionen Sack zu je 60 Kilogramm in Kolumbien die niedrigste Menge der letzten 33 Jahre geerntet, gegenüber noch 11,1 Millionen Sack 2008. Gründe für die Rückschläge im Kaffeeanbau Kolumbiens sind starke Regenfälle, das Wetterphänomen El Nino, teurer gewordene Düngemittel, Insektenplagen und Blattkrankheiten.

Zusätzlich dezimierte ein langfristiges landesweites Umbauprogramm zugunsten der Anpflanzung von neuen Kaffeesträuchern die Ernten der letzten Jahre. Wegen der zuletzt niedrigen Kaffeepreise sind zudem zahlreiche Bauern auf den illegalen Anbau von Kokain ausgewichen. Allerdings haben sich die Witterungsbedingungen derart verbessert, dass im neuen Jahr 2010/11 wieder mit einem größeren Ertrag von 10,5 Millionen Sack gerechnet werden könne, so Experten.

Doch auch der weltgrößte Lieferant der vor allem für den klassischen Espresso verwendeten Sorte Robusta - Vietnam - hatte zuletzt Missernten. Die Verkäufe liegen derzeit um rund 20 Prozent unter denen des Vorjahres. Zudem verhindert eine außergewöhnliche Trockenheit in Uganda, Afrikas führendem Kaffeeproduzenten, heuer die Erfüllung der Ernteprognosen.

Alle Hoffnung liegt derzeit bei Brasilien, wenngleich Experten damit rechnen, dass die bisherigen Voraussagen über die neue Ernte zu hoch geschraubt wurden. Die Ernte dürfte dennoch gut werden, und wenn genügend Rohkaffee im Herbst auf den Markt kommt, könnten sich bis Jahresende auch die Preise entspannen, hofft Steger.

Stetig steigender Kaffeekonsum

Die ICO in London rechnet für die ausgehende Saison 2009/10 mit einer stabilen globalen Erzeugung von 120,6 Millionen Sack und stellt erst für 2010/11 wieder eine Zunahme auf 133 bis 135 Millionen Sack in Aussicht. Wesentlich zu dieser Steigerung dürfte Brasilien beitragen, wo mit einer Ernte für 2010/11 von rund 50 Millionen Sack gerechnet werden kann, was eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr von mehr als eine Million Sack bedeuten würde.

Gleichzeitig steigt der weltweite Kaffeeverbrauch kontinuierlich an. Laut Daten der ICO wurden im Vorjahr 132 Millionen Sack Kaffee verbraucht - um 25 Prozent mehr als noch 2000. Für 2010 rechnen die Experten trotz Wirtschaftskrise mit einem weiteren Zuwachs auf 134 Millionen Sack.

cafe+co gehört zur Leipnik-Lundenburger Invest AG, beschäftigt 1.200 Mitarbeiter und ist derzeit mit 17 Tochtergesellschaften in zwölf Ländern tätig. Mit bis zu 5.000 Tonnen Rohkaffee pro Jahr ist das Unternehmen einer der größten Kaffee-Einkäufer Österreichs. Um den Kaffeepreisschwankungen entgegen zu steuern, will cafe+co nun vermehrt direkt bei nachhaltig produzierenden Plantagen einkaufen. Von den derzeit rund 500 Millione Kaffeeportionen, die jährlich an café+co-Geräten getrunken werden, sollen mittelfristig 200 Millionen aus nachhaltigem Anbau stammen.


Kaffeepreis - Entwicklung seit 2006

Grafik © APA

Grafik vergrößernDurchschnittspreis pro Pfund, Entwicklung 2006-2010Grafik © APA

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