Das große Hoffen auf süßere Zeiten
Seit fast zwei Jahren liegen die Apfelpreise im Keller. Obstbauern können dem Druck kaum noch standhalten. Nun mehren sich Anzeichen, dass sich die Marktlage heuer erholen könnte.

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Der Schritt, den Helmut und Evelyne Weber gesetzt haben, ist ebenso drastisch wie medienwirksam. Die Obstbauern aus Minihof-Liebau haben endgültig genug. Das Ehepaar will seinen 16 Hektar großen Obstbaubetrieb abtreten - und zwar gratis, an jeden, der ihn haben will (wir berichteten). Zu groß wurde der Familie der Preisdruck: Binnen zwei Jahren haben sich die Erlöse für ein Kilogramm Äpfel halbiert.
Schuld an den abstürzenden Preisen sind Faktoren, gegen die selbst so kräftige Obstmarken wie "Frisch, saftig, steirisch" machtlos sind. Da mag der Marktanteil der zugehörigen Bauern in der Steiermark auch 80 Prozent betragen - um wie viel Geld der frische, saftige Apfel letztlich im Regal zu haben ist, darauf haben die Produzenten nur begrenzt Einfluss. Es sind längst die internationalen Märkte, die das Preisniveau regeln.
So fegte vor drei Jahren ein unerwartet heftiger Frost die osteuropäischen Obstbäume leer. Die Folge war ein internationaler Apfel-Engpass, der die Verkaufspreise für Gala, Golden Delicious & Co hierzulande auf mehr als 50 Cent je Kilo in die Höhe trieb. "Im Jahr darauf hat es in Polen eine Rekordernte gegeben", sagt Gerhard Pfeifer-Sieber, Vorsitzender der "Obstpartner Steiermark" (OPST), der Erzeugerorganisation hinter "Frisch, saftig steirisch". Wieder reagierte das Preisgefüge in der Steiermark - diesmal nach unten. "Wirtschaftskrise und ein schwacher Dollar haben dann zur Situation beigetragen, die wir jetzt haben", sagt Pfeifer-Sieber. Im vergangenen Jahr bekamen die Apfelbauern pro Kilo nur noch 24 Cent.
Wussten Sie, ...
...dass es in der Steiermark 1500 Apfelproduzenten gibt?
...dass von diesen Landwirten rund 1000 bei der Erzeugerpartnerschaft OPST Mitglied sind?
...dass in der Steiermark jährlich fast 200.000 Tonnen Äpfel geerntet werden, was rund 80 Prozent der gesamten österreichischen Apfelernte ausmacht?
...dass etwa die Hälfte aller steirischen Äpfel in andere Staaten exportiert wird?
...dass Äpfel die beliebteste Obstsorte der Österreicher sind, gefolgt von Bananen?
...dass der durchschnittliche Österreicher pro Jahr 28 Kilogramm Äpfel verzehrt?
...dass die hierzulande beliebteste Apfelsorte, der Golden Delicious, um 1890 als Zufallssäumling in West Virginia (USA) entdeckt wurde?
...dass es weltweit rund 20.000 Apfelsorten gibt?
...dass etwa 70 Prozent der Vitamine eines Apfels in seiner Schale stecken?
...dass ein einzelner Apfel zum optimalen Wachstum rund 30 grüne Blätter benötigt?
Eine Insel der Apfel-Seligen ist die Steiermark also trotz ihrer Obst-Dominanz nicht. Jeder zweite "Frisch, saftig, steirisch"-Apfel geht als Exportware in Länder wie Deutschland, Großbritannien oder nach Osteuropa. Gleichzeitig importieren die heimischen Handelsketten Sorten aus Argentinien, Südafrika und Neuseeland. Sie tun das nicht, weil es hierzulande zu wenige Äpfel gäbe. "Aber die Äpfel aus dem Süden kann man im Frühjahr als ,erntefrisch' bewerben, während die heimischen aus dem Lager kommen", sagt Pfeifer-Sieber. Für den Handel rechnet sich dieses Geschäft allemal, nachdem Reedereien das Kilo Äpfel zum Spottpreis von 15 Cent aus Südamerika einschiffen.
Ersehnter Lichtblick
Trotz all dieser Unwägbarkeiten keimt bei den steirischen Apfelvermarktern nach einer langen Durststrecke wieder Optimismus auf. Der lange Winter hat dem Norden Europas verspätetes Blühwetter besorgt. "Es gibt dort Engpässe, und wir haben bereits Anfragen für große Mengen Äpfel", sagt Pfeifer-Sieber. Zudem sei heuer nirgends in Europa mit Rekordernten zu rechnen. Und der Dollarkurs steigt. "Es zeichnet sich deutlich ab, dass es bergauf geht", so der Obstexperte.
Wo sich die Preise tatsächlich einpendeln, ist erst im Spätsommer gewiss. Nach der Ernte - zu Hause und im Rest Europas.
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Fünf Prozent der Äpfel im steirischen Handel kommen aus Übersee Foto © Scheriau














