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Zuletzt aktualisiert: 14.07.2010 um 19:00 UhrKommentare

Nabucco-Pipeline: Lebensader für Industrie

Die Nabucco-Pipeline soll die Versorgung mit Gas für Europas Industrie sichern. Die Umsetzung des Großprojekts geht nur schleppend vor sich.

Foto © AP

Europa hat sich Großes vorgenommen. Mit einer gewaltigen Anstrengung, in technischer wie finanzieller Hinsicht, soll eine neue Gaspipeline aus dem Mittleren Osten in die EU verlegt werden. Das Ziel dahinter ist, Europa von Gaslieferungen aus Russland unabhängiger zu machen. Die Nabucco-Pipeline existiert aber erst auf dem Plan - und Russland schießt dagegen.

Zu mehr als zwei Dritteln bezieht die EU ihr Gas zur Versorgung der Industrie und der Haushalte aus Russland, für Österreich sind es 70 Prozent. Die Lieferungen aus den Feldern der westlichen Ölkonzerne in der Nordsee können den Bedarf nicht decken. Wie abhängig die EU vom Russen-Gas ist, zeigen immer wieder die Streitereien Russlands mit seinen Nachbarn Weißrussland und Ukraine wegen ausstehender Bezahlung von Gasrechnungen und daraufhin die Sperre der Pipelines, die Russen-Gas über diese Länder in die EU transportieren.

Verdeckte Karten

Die Nabucco soll Abhilfe schaffen. Unter Federführung der heimischen OMV haben sich europäische Energiekonzerne zu einem Konsortium zusammengeschlossen, das das Projekt umsetzen will. Über die Pipeline soll Gas aus Turkmenistan, Aserbaidschan und auch aus Kasachstan in Richtung Europa fließen. Russland startete mehrmals Versuche, Partner aus dem Konsortium herauszubrechen, wie jüngst bei der RWE, oder über Verträge mit Serbien und den EU-Ländern Italien und Bulgarien den Bau der Nabucco zu boykottieren. Mit dem italienischen Energieriesen Enel und mit Serbien soll die South-Stream-Gasleitung im Süden und Südosten Europas verwirklicht werden, auch die RWE wurde dazu eingeladen - sie tendiert noch zur Nabucco, prüft aber das Angebot.

Das Nabucco-Konsortium will heuer ab August oder September Gashändlern die Möglichkeit bieten, Kontingente zu buchen. Von der Nachfrage hängt es in erster Linie ab, wie wirtschaftlich Nabucco geführt werden kann.

Probleme tauchen aber bei Gas-Lieferanten wie Aserbaidschan und Turkmenistan auf. Sie produzieren derzeit noch zu wenig. HELLFRIED SEMLER


MEHR SICHERHEIT FÜR EUROPA

Die Nabucco-Pipeline, benannt nach Giuseppe Verdis Oper, soll Gas aus dem Mittleren Osten (wo die Oper spielt) nach Europa transportieren.

Nabucco soll künftig die Abhängigkeit der EU von Gas aus Russland verringern.

Die Pipeline ist 3300 Kilometer lang, kostet fast acht Milliarden Euro. Federführend ist die OMV.

Lieferbeginn soll 2014 sein.

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