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Zuletzt aktualisiert: 30.06.2010 um 18:23 UhrKommentare

Tirol Milch: Fusionsplan wurde Obmann zum Verhängnis

Die jüngsten Turbulenzen rund um die Fusionspläne der Tirol Milch mit der Berglandmilch sind dem Obmann der Tirol Milch, Hans Schweiger, offenbar zum Verhängnis geworden. Er warf am Mittwoch das Handtuch.

Foto © APA

Ihm folgt interimistisch sein bisheriger Stellvertreter Stefan Lindner als Obmann nach. Geschäftsführer Carl-Albrecht Benker bleibt vorerst beurlaubt.

Das operative Geschäft übernehmen ab sofort Geschäftsleiter Manuel Hofer (Beschaffung/Verwaltung), Armin Pichler (Marketing/Verkauf) sowie Stefan Halmel (Produktion), teilte das Unternehmen in einer Aussendung mit. Außerdem wurde im Zuge der Sitzung eine Anhebung des Milchpreises von derzeit 32 Cent auf 35 Cent pro Kilo beschlossen. Ab August sollen die Lieferanten schließlich 36 Cent erhalten.

Auf Eigentümerebene sei entschieden worden, dass die Zusammenarbeit mit der Berglandmilch weiterverfolgt werden soll. Im Grunde gehe es aber allen Beteiligten um den Erhalt einer "gesunden und wettbewerbsfähigen Tirol Milch", betonte der designierte Obmann, "ob nun mit oder ohne Partner". Eine Entscheidung soll erst fallen, nachdem Experten die wirtschaftliche Notwendigkeit geprüft haben. Nach einer Vorstandssitzung die vergangenen Freitag hatte Schweiger noch erklärt, dass sowohl er als auch Benker weiterhin auf ihren Posten bleiben und gemeinsam eine Fusion mit der Berglandmilch weiterverfolgen werden.

Alleingang wurde Schweiger zum Verhängnis

Kritik dürfte Schweiger sein Alleingang eingebracht haben. Bereits vor einigen Wochen hatte er Verhandlungen mit der Berglandmilch in Oberösterreich aufgenommen. Nach Bekanntwerden der Pläne hatte Tirol-Milch Geschäftsführer Benker quergeschossen, indem er öffentlich Zweifel an der Notwendigkeit einer Fusion kundtat. Laut Benker könne die Tirol Milch auch allein bestehen. Zudem würden die derzeitigen Zahlen über dem Plan liegen. Auch innerhalb der Tiroler Landespolitik hatte sich Misstrauen gegen die angedachte Fusion gebildet. Unter anderem hatte der für Landwirtschaft zuständige LHStv. Anton Steixner (V) davor gewarnt die Fusion mit der Berglandmilch "übers Knie brechen" zu wollen.

Am vergangenen Montag hatte schließlich auch noch die niederösterreichische Molkerei NÖM Lust auf eine Ehe mit der Tirol Milch bekommen. Der Eigentümervertreter der NÖM, Raiffeisen Holding NÖ-Wien-Generaldirektor Erwin Hameseder, erklärte Interesse an einer engen Zusammenarbeit bis hin zu einer Übernahme. Er habe bereits Gespräche diesbezüglich mit dem Geschäftsführer der Tirol Milch geführt. Eine Kooperation würde allein wegen der "geographischen Dislozierung" der Unternehmen Synergieeffekte bringen. Die NÖM sei im Osten des Landes stark die Tirol Milch im Westen.

Die Tirol Milch, die wie die Berglandmilch genossenschaftlich organisiert ist, schrieb zuletzt Millionenverluste. Die Molkerei wird zu einem großen Teil von Bergbauern beliefert, was regelmäßig zu starken Schwankungen bei der Milchanlieferung und daraus resultierenden Ertragsproblemen führt. Wegen des hohen Anteils an Rohmilchexporten wurde die Molkerei zudem extrem von den Preisrückgängen auf den internationalen Märkten getroffen.

2008 stand in der Bilanz ein Minus von 5,15 Mio. Euro, im Vorjahr lag das Plus bei 352.000 Euro. Die Reduzierung des Netto-Umsatzes auf 136,2 Mio. (2008: 153,9 Mio.) war vor allem auf die Bereinigung des Sortiments und den Verfall des Milchpreises auf den europäischen Märkten zurückzuführen. Im vergangenen Jahr wurden von knapp 4.000 anliefernden Bauern 217 Mio. kg Milch übernommen.

Gemeinsam würden Tirol Milch und Berglandmilch künftig knapp 1,2 Mrd. Liter Milch verarbeiten. Das wären nahezu 45 Prozent der gesamten heimischen Milchmenge, geliefert von rund 16.000 Bauern. Der Umsatz würde ein Volumen von knapp 750 Mio. Euro erreichen. Erst im Vorjahr hat Österreichs größte Molkerei die Welser Landfrisch-Molkerei übernommen.


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