Streit in Kärntner Ärztekammer
Wirtschaftskrise und Verteilungskämpfe haben die Kärntner Ärzteschaft erreicht. In ihrer Kammer bekämpfen sich die Fraktionen in ungeahnter Schärfe.

Foto © APA
Klientelpolitik", "absolutistischer Sonnenkönig", "unverantwortlich", "schamlose Machtausüber", (Koalitions-) Partnertausch auf halber Strecke: Wenn's ans Eingemachte geht, entpuppen sich sogar Ärzte als normal-emotionale Menschen!
Montagabend beendete Ärztekammerpräsident Othmar Haas die Koalition seines "Kärntner Ärzteverbandes" mit den "Wahlärzten und Spitalsärzten Kärntens", deren Vertreter aus allen Funktionen flogen. Neuer Partner des Verbandes ist die Fraktion "Arzt 2000". "Wir hätten zwar allein die Mehrheit gehabt", so Haas, "aber eine breite stabile Mehrheit ist mir lieber."
Nächtliches Fax
Dienstag kurz nach Mitternacht ließ Haas die Begründung zu den Medien faxen: Die Wahlärzte-Fraktion wehre sich dagegen, dass die Belastungen zur Rettung der ärztlichen Zusatzpension (Wohlfahrtsfonds) auf alle Ärzte "gleichermaßen und berechenbar" verteilt würden. Es sei nicht gut, wenn innere Widersprüche nach außen getragen werden. Haas: "Wenn jemand Opposition machen will, dann nicht aus der Regierung heraus, sondern besser gleich in der Opposition!"
Das sieht Peter Wellik, Listenführer der geschassten Gruppe, anders: "Ich glaube, Dr. Haas will uns vernichten und die Diskussion mit uns abwürgen. Knackpunkt ist die Sanierung des Wohlfahrtsfonds." Der ist krisenbedingt wie die meisten Pensionsfonds in Schieflage geraten und soll durch höhere Ärztebeiträge entlastet werden. Wellik: "Die Jüngeren sollen die Zeche zahlen. In den nächsten 15 Jahren geht die Hälfte der Ärzte in Pension, sie zahlen in dieser kurzen Zeit etwas mehr und kassieren für den Rest ihres Lebens die volle Summe. Die Jüngeren bezahlen viele Jahre lang mehr und was sie bekommen werden, ist unklar. Berechnungen zufolge ist der Wohlfahrtsfonds nämlich Mitte der 2030er Jahre zahlungsunfähig." Bis zu dreistellige Millionenbeträge könnten fehlen. Deshalb ist Wellik für moderate, Solidarität zeigende Kürzung laufender Zusatzpensionen, für die Beschleunigung versicherungsmathematischer Gutachten, die vor einem Jahr in Auftrag gegeben wurden, und für eine offene Diskussion.
Haas kann die Welliks Zahlen übrigens nicht nachvollziehen.
Dass die Autorität oder das Image der Ärzte unter dem Streit leidet, glaubt Haas nicht: "Das ist ein rein standespolitisches Thema. In ein paar Tagen redet niemand mehr darüber."
Features
Wohlfahrtsfonds
Beispiel. Um die maximale Anwartschaft von 1100 Euro brutto pro Monat zu erwerben, muss man 33 Jahre lang 1500 Euro pro Quartal einzahlen.
Sanierung. Kritiker der jetzigen Ärztekammer- "Regierung" fürchten, dass die Beiträge zur Fonds-Sanierung um bis zu 40 Prozent steigen können. Ärztekammerpräsident Haas hingegen kommt auf 15 Euro im Monat: "Wir müssen innerhalb von zehn bis 20 Jahren 20 Prozent einsparen, das macht ein Prozent pro Jahr." In diesem Berechnungsmodell ist aber vorgesehen, dass die Zahl der Ärzte um 100 steigt, was unter den gegenwärtigen Umständen als illusorisch bezeichnet werden kann.














