Kärnten arbeitet an einem neuen Zukunfts-Leitbild
Startschuss für ein neues Leitbild. Experte: Kärntens Unternehmen wurden von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen.
Gestern gab Landesrat Josef Martinz den offiziellen Startschuss für einen Arbeitskreis zur Gestaltung eines neuen Kärnten-Leitbildes. Im Rahmen des Wirtschaftspolitischen Beirates des Landes machen sich in den nächsten Monaten Experten und Wirtschaftstreibende Gedanken darüber, in welche Richtung die heimische Wirtschaft steuern soll. Bis in den Herbst soll das neue Leitbild stehen.
Rund 35 Vorstände von Landesfirmen und Unternehmer waren gestern dabei, um sich zum Auftakt des Prozesses Einblicke von außen zu holen. Eingeladen war Peter Voithofer von der KMU-Forschung Austria. Voithofer gab einen Überblick über die momentane Lage der Wirtschaft in Kärnten und sprach auch strukturelle Probleme an.
"Wir wählten absichtlich eine Sicht von außen, um nicht im eigenen Saft zu baden", erklärte Volkswirt Gottfried Haber, Vorsitzender des Wirtschaftspolitischen Beirates. Voithofer wurde seiner Rolle gerecht und sprach Probleme für Kärnten an. Das Bundesland würde unter der aktuellen Wirtschaftskrise deutlich stärker leiden als andere.
Von Krise gebeutelt
Bei den Neugründungen gab es im vergangenen Jahr in Kärnten ein Minus von fünf Prozent, österreichweit ging die Zahl der Start-ups um zwei Prozent zurück. Die Zahl der Firmenpleiten nahm in Kärnten um 15 Prozent zu, bundesweit dagegen "nur" um neun Prozent. Auch die Umsatzrentabilität nahm hierzulande mehr ab als im Rest Österreichs.
Lichtblicke für Voithofer liefert der Tourismus. Lag die Eigenkapitalquote bei den heimischen Betrieben immer im Minus, sei sie nun im Durchschnitt positiv. Allerdings habe das damit zu tun, dass weniger Fremdkapital für Investitionen aufgenommen wurde. "Vielfach wurde nur kosmetisch etwas getan und große Veränderungen aufgespart", so der Unternehmensforscher.
Kärntens Betriebe seien zudem besser aufgestellt, als oft vermutet. "Sie müssen nur die Südautobahn anschauen. Kärntner Betriebe gewinnen selbst in Wien sehr viele Ausschreibungen", so Voithofer.
Förderchaos
Ungeschminkt berichtete Voithofer von der - seiner Meinung nach - dringend reformbedürftigen Förderlandschaft: "In jedem Bundesland gibt es oft Hunderte verschiedene Förderaktionen. Da blickt kaum noch jemand durch." Gerade weil es so viele Förderprogramme und damit viel Intransparenz gäbe, hätten sich einige darauf "spezialisiert, alles abzukassieren". Zudem würden Projekte extra aufgesplittet, um nur ein paar "Extra-Hunderter" an Fördergeld zu kassieren. Im Förderwesen gäbe es demnach - in allen Bundesländern - großen Reformbedarf.














