Koffein für Liebhaber
Andrea Illy, Chef der Triester Kaffeerösterdynastie, über Kompromisslosigkeit, seine "Universität des Kaffees" und Konkurrent Nespresso.

Foto © espressocaffe/ C. Jobst
Der Hersteller der berühmten achteckigen Espressomaschinen, Bialetti, sperrt sein Werk in Italien zu. Ist die traditionelle italienische Kaffeekultur in der Krise?
ANDREA ILLY: Das ist kein Zeichen für eine Krise am Kaffeemarkt. Es ist unmöglich, solche Produkte in westeuropäischen Hochlohnländern zu produzieren. Positiv ist, in armen Ländern entstehen Jobs. Wir müssen uns auf Ideen, Technologieentwicklung, Qualität und Ästhetik konzentrieren.
Was bedeutet der starke Marktauftritt von Nespresso für Illy?
ILLY: Wir haben gelitten, wir profitieren aber auch. Vor zehn Jahren waren alle Kaffees von mehr oder weniger niedriger, mittelmäßiger Qualität. Wir waren praktisch Monopolist im Premiumsegment. Jetzt belebt Konkurrenz das Geschäft. So ist das Hochpreissegment inzwischen auf acht Prozent des globalen Kaffeemarktes gewachsen. Der Konsument wird zum Connaisseur und akzeptiert Premiumpreise. Wir zahlen die Produzenten besser, was das bisher schwächste Glied in der Produktionskette stärkt.
Inwiefern haben Sie gelitten?
ILLY: Wenn man Jahrzehnte gewohnt war, allein zu sein, ist echte Konkurrenz erst einmal ein Schock. Die Spielregeln sind neu.
Wie sind die neuen Spielregeln?
ILLY: Nespresso ist sehr aggressiv im Markt unterwegs, mit einem multinationalen Konzern im Rücken, der praktisch unlimitiert Geld in die Marke pumpen kann. Darunter leiden andere Hersteller sicher ärger als wir, weil wir selbst eine starke Marke haben.
Lesen Sie für uns im Kaffeesud?
ILLY: Was bringt die Zukunft: Die Hersteller hochwertiger Maschinen, in denen viele Patente stecken, werden derzeit massiv von Klonentwicklungen und kompatiblen Systemen attackiert. Vielleicht erleiden manche ein Schicksal wie IBM, einst Frontrunner, heute unter ferner liefen.
Sehen Sie sich als Familienunternehmen gut gewappnet?
ILLY: Wir denken langfristig, wachsen langsam und bleiben kompromisslos in der Qualität. Die Strategie ist einfach: perfekter Espresso bis zum Ausschank an der Bar. Dafür haben wir unsere "Universität des Kaffees" in Triest. Teil dieser Strategie ist unser neues Schulungszentrum in Graz. Perfekt geschultes Personal bringt tatsächlich viel mehr Umsatz. Je mehr Know-how wir hineingeben, desto mehr Erfolg kommt für alle heraus.
INTERVIEW: CLAUDIA HAASE














