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Zuletzt aktualisiert: 14.06.2010 um 17:35 UhrKommentare

Versicherer verkaufen Katastrophenrisiko als Anleihe

Eine neue Art der Anleihe wird immer beliebter: Man kann sein Erspartes in eine Katastrophen-Anleihe investieren. Lässt die Katastrophe auf sich warten, erzielt man so hohe Gewinne.

Foto © AP

Er ist mit Sicherheit eine der ungewöhnlicheren Formen, sein Erspartes anzulegen. Weil sich Versicherer, nicht zuletzt durch den Klimawandel, mit immer größeren Schäden konfrontiert sehen, versuchen sie, diese Last auf weitere Schultern zu verteilen. Risiken aus potenziellen Naturkatastrophen werden deshalb gebündelt und als Anleihen auf den Markt gebracht. Solche Catastrophe Bonds (Cat-Bonds) locken Investoren mit hohen Zinsen. Falls aber die Naturkatastrophe, etwa ein Hurrikan oder ein Erdbeben, in der vorher festgelegten Zeit und zu den definierten Kriterien eintritt, muss der Investor für den Versicherer einspringen und verliert im schlimmsten Fall seinen kompletten Einsatz.

Der Nischenmarkt, der seit den ersten Gehversuchen Mitte der 1990er Jahre langsam wächst, hatte bei Neuemissionen 2007 einen Rekord von rund 8 Mrd. Dollar (6,6 Mrd. Euro) erreicht. In der Finanzkrise stürzte das Volumen ab, Investoren hielten ihr Geld lieber zusammen. Vergangenes Jahr sah es mit 3,5 Mrd. Dollar aber schon wieder besser aus.

Trend zu Katastrophen-Anleihen boomt

Und der Trend setzt sich fort: Allein im bisherigen Jahresverlauf 2010 summierte sich das Neugeschäft auf 2,4 Mrd. Dollar. "Dies ist beinah doppelt so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres", sagt Martin Bisping, Cat-Bond-Experte beim Rückversicherer Swiss Re. Im Gesamtjahr dürften es 5 Mrd. Dollar werden, schätzt Rupert Flatscher vom weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück. Die Allianz gibt sich etwas zurückhaltender: Bis zu 4,5 Mrd. Dollar dürften es werden, prognostiziert deren Risikotransfer-Spezialistin Insa Adena.

Cat-Bonds waren bisher vor allem für Spezialfonds und teilweise auch Hedgefonds reizvoll. Nun drängen auch immer mehr klassische Pensionsfonds in den Markt. "Cat-Bonds sind für Investoren interessant, weil sie kaum mit anderen Finanzmärkten wie Aktien oder Devisen korrelieren", sagt Thomas Heidorn, Professor an der Frankfurt School of Finance. Kleinanleger warnt er allerdings, weil viel Wissen nötig sei. "Der Markt ist eher etwas für Profis. Ich sehe diese Anleihen vor allem als kleine Beimischung in großen Depots." Laut DZ Bank fehlen einheitliche Standards. Ein weiterer Nachteil sei, dass diese Wertpapiere nicht so leicht weiterverkauft werden könnten.

Gelockt wird mit hohen Gewinnen. Die Allianz zahlt für die beiden Tranchen ihres jüngsten Cat-Bonds mit einer Laufzeit von drei Jahren 14 beziehungsweise 9,25 Prozentpunkte mehr Zinsen, als besonders sichere US-Geldmarktfonds an Rendite abwerfen. Dabei hängt der Zins primär an der Ausfallwahrscheinlichkeit. Die Risiken decken meist Ereignisse ab, die statistisch alle 50 bis 150 Jahre vorkommen. "Aber es gibt auch kürzere Perioden, dann ist der Zins höher", sagt Münchener-Rück-Experte Flatscher. Auch die jüngere Entwicklung sei wichtig, betont seine Kollegin Adena von der Allianz. So sei die Hurrikan-Saison 2009 für Versicherer sehr glimpflich verlaufen, was nun die Prämien drücke. Für Investoren war das vergangene Jahr damit überaus lukrativ.

15 Mrd. Dollar Volumen

Der Gesamtmarkt aller ausstehenden Katastrophen-Anleihen hat derzeit ein Volumen von 15 Mrd. Dollar. Für die Allianz, Europas größten Erstversicherer, sind die Anleihen ein Mittel, um unabhängiger von Rückversicherern und auch besonders teuren Naturkatastrophen zu werden. Deswegen basieren viele transferierte Risiken auf Hurrikanen in den USA, weil diese immer wieder sehr hohe Schäden an Land, aber auch auf Bohrinseln vor der Küste anrichten. Aus diesem Grund prüfen auch Rückversicherer zunehmend die Ausgabe solcher Anleihen. In der Regel gibt es zwei Wellen mit Emissionen am Markt - im April und Mai kurz vor Beginn der US-Hurrikansaison und dann zum Jahresende, bevor die Winterstürme in Europa wüten.


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