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Zuletzt aktualisiert: 08.06.2010 um 12:25 UhrKommentare

Österreicher sind zu spezialisiert

Die "Gefahr einer zu engen Spezialisierung" in der beruflichen Bildung in Österreich ortet die OECD. Dies könne die Flexibilität und die Fähigkeit zur Weiterqualifikation einschränken "und damit langfristige Erwerbschancen mindern."

Österreichische Berufsausbildung ist meist sehr spezialisiert, so die OECD

Foto © WeichselbraunÖsterreichische Berufsausbildung ist meist sehr spezialisiert, so die OECD

Es solle daher darauf geachtet werden, "dass grundlegende, allgemeine Qualifikationen" nicht zu kurz kommen. Reformbedarf sieht die Studie bei der Polytechnischen Schule und der überbetrieblichen Lehrlings-Ausbildung, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten "Länderstudie berufliche Bildung Österreich"..

"In kaum einem anderen OECD-Land hat die beruflich ausgerichtete Ausbildung in der Sekundarstufe eine so große Bedeutung wie in Österreich", heißt es in der Studie. Rund 70 Prozent der 14- bis 18-Jährigen besuchen eine beruflich ausgerichtete schulische Einrichtung wie etwa Berufsschulen bzw. berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS). Im OECD-Mittel sind es dagegen nur 45 Prozent.

Niedrige Jugendarbeitslosigkeit

Das "gut ausgebaute Berufsbildungssystem" in Österreich leistet laut OECD einen "wesentlichen Beitrag zur niedrigen Jugendarbeitslosigkeit und hilft jungen Erwachsenen, einen vergleichsweise leichten Einstieg ins Erwerbsleben zu finden". Allerdings könne über eine stärkere Betonung grundlegender Fähigkeiten eine "solidere Basis für lebenslanges Lernen und damit für längere Erwerbszeiten gelegt werden". Derzeit hat Österreich eine im OECD-Vergleich extrem niedrige Beschäftigungsquote bei den 60-64-Jährigen (20,8 Prozent). Das OECD-Mittel liegt bei 42 Prozent. Die USA und Kanada kommen zusammen auf rund 50 Prozent, die Schweiz auf 55 Prozent, Schweden und Norwegen auf rund 60 Prozent und Island gar auf 76 Prozent.

Bei künftigen Lehrlingen soll nach Ansicht der OECD vor Beginn der Ausbildung systematisch überprüft werden, ob sie über die nötigen grundlegenden sprachlichen und mathematischen Kompetenzen verfügen. Ist dies nicht der Fall, sollte der Erwerb dieser Kompetenzen nachgeholt werden. Ein weiteres Problem stelle die einjährige Polytechnische Schule dar: So komme es etwa für Lehrlinge vom achten auf das neunte und vom neunten auf das zehnte Schuljahr zu "doppelten Übergängen", also einem zweifachen Schul-Wechsel. der sich negativ auf den Lernerfolg auswirken könne.

Zu Kleine Lehrbetriebe

Ein Manko sieht die OECD im Umstand, dass fast 70 Prozent der Lehrlinge in Firmen mit weniger als 50 Angestellten ausgebildet werden, die häufig nicht in der Lage seien, Arbeitskräfte alleine für die Ausbildung abzustellen. Häufig sei "die Ausbildung auch sehr eng an den Bedürfnissen des einzelnen Unternehmens ausgerichtet". Zwar seien Standards erarbeitet worden, deren Anwendung über ein Prämienmodell gefördert wird - allerdings fehlt eine flächendeckende Qualitätskontrolle.

Die überbetriebliche Lehrlings-Ausbildung für Jugendliche, die keinen Lehrplatz finden, schätzt die OECD als teuer ein, außerdem reduziere man dadurch die Anreize für Arbeitgeber, Lehrlinge selbst auszubilden. Daher wird empfohlen, die Mittel für die überbetriebliche Ausbildung zu reduzieren und in die Förderung regulärer Ausbildungsverhältnisse umzuleiten.

Aufgrund der "Vielzahl von Ausbildungsberufen" sieht die OECD die Berufsschulen "häufig unter dem Druck, sehr spezialisierte Angebote zu machen". Dies führe oft zu sehr kleinen Klassen und damit unverhältnismäßig aufwändigem und teurem Unterricht. Hier sollte den Berufsschulen etwa über die Entwicklung von Unterrichtsmodulen mehr Flexibilität eingeräumt und für seltenere Ausbildungsberufe der Unterricht regional stärker gebündelt werden.


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