Börsen-Crash aus dem Nichts: Tippfehler als Ursache?
Der radikale Kurssturz um rund 1000 Punkte am Donnerstagabend hat die Weltbörsen erschüttert: Immer noch rätseln Anleger über die Gründe des Kurzzeit-Crashs an der Wall Street.

Foto © Reuters"Kaufen, kaufen, kaufen!"
Selbst langgediente Börsianer haben einen solchen Kursabsturz noch nicht erlebt: Urplötzlich brachen an der Wall Street am Donnerstag die Kurse ein. Der Dow Jones raste binnen nicht mal einer Stunde um insgesamt fast 1.000 Punkte in die Tiefe - niemals zuvor in der Geschichte der Wall Street war es derart drastisch abwärtsgegangen. Und genau so schnell ging es auch wieder nach oben, bis der Dow Jones mit einem Minus von gut 3 Prozent bei 10.520,32 Punkten schloss.
Händler und Experten vermuten den Grund für die rasante Berg- und Talfahrt in den Computersystemen. "Das war wie eine Apokalypse für den computergesteuerten Handel", sagte Stefan de Schutter vom Wertpapierhandelsunternehmen Alpha. Hinzu komme die ohnehin angespannte Stimmung auf den Märkten. Wegen der Griechenland-Krise sind die Börsen auf Talfahrt, allein der Deutsche Aktienindex Dax büßte im Wochenverlauf zeitweise über sechs Prozent ein.
Was war passiert?
Der New Yorker Crash aus dem Nichts erfasste neben dem Leitindex Dow Jones unter anderem den Nasdaq-Index für Technologietitel. Dieser verlor an dem bereits mit "Schwarzen Donnerstag" betitelten Tag bis zu neun Prozent. Einige Standardwerte wie der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble oder der Mischkonzern 3M brachen um rund ein Drittel ein. Insgesamt hat der Börsencrash in der Spitze mehr als 1.000 Mrd. Dollar (786 Mrd. Euro) vernichtet. Was war passiert? Die Börsianer schoben die Schuld in einer ersten Reaktion auf die Computersysteme: Werden bestimmte Grenzwerte durchbrochen, beginnen die Rechenmaschinen automatisch, Aktien zu verkaufen. Fängt ein Computer an, kann er eine Kettenreaktion auslösen. Als die Menschen merkten, dass in der Welt da draußen eigentlich nichts Schlimmes passiert war, begannen sie, den Fehler zu korrigieren und kauften wieder fleißig zu.
Das ist die eine Theorie. Die andere, aufgebracht vom Wirtschaftssender CNBC, lautete, ein großer Marktteilnehmer habe einen Fehler gemacht. Statt "Millionen" habe er "Milliarden" in sein System eingetippt und damit das Chaos ausgelöst. Menschliches Versagen also, sicherlich beflügelt von der ohnehin schlechten Stimmung, die die griechischen Schuldenprobleme schon den ganzen Tag über verbreitet hatten. Und potenziert durch die Computerautomatiken.
Citigroup als Übeltäter?
Laut CNBC weist die Spur zur Citigroup als Übeltäter. Die Großbank wies dies erst einmal zurück und sagte, sie sei genauso ratlos wie der Rest der Finanzwelt. Die Börsenbetreiber schlossen Pannen in ihren Systemen aus. Die staatliche Börsenaufsicht SEC geht den Dingen nun auf den Grund.
Der Absturz hat ungewöhnliche Folgen: Die New Yorker Börsen NYSE und Nasdaq kündigten an, dass alle Transaktionen mit Aktien, die zwischen 14.40 und 15.00 Uhr (Ortszeit) mehr als 60 Prozent verloren hatten, zurückgenommen werden sollen. An der Technologiebörse Nasdaq sind davon mehrere hundert Titel betroffen. "Das hat nichts mehr mit Werten zu tun, das ist ein Witz", ereiferte sich Börsenexperte Joseph Saluzzi von Themis Trading landesweit im Fernsehen. "Das ist der Markt der Vereinigten Staaten von Amerika, das ist nicht Kasachstan oder so."













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