Gemeinden kämpfen ums Überleben
Blut, Schweiß und Sparen - das kommt auf Kärntens Gemeinden zu. Dabei sind die meisten gleich dreifach bedroht: durch Geburtenrückgang, Landflucht und Krise.

Foto © APAIn manchen Kärntner Gemeinden sei die Lage sehr schwierig
Kärntens Gemeinden müssen sparen. Das geht in der Verwaltung, bei Projekten und freiwilligen Leistungen, also allem, was das Leben lebenswert macht. Kindergarten oder Volksschule, Schwimmbad oder Ortsbildpflege, Straßen gegen Sportplatz, so heißen die brutalen Duelle der Zukunft.
"Wir müssen die Aufgaben entrümpeln, und es wäre fehl am Platz, damit politisches Kleingeld zu sammeln", mahnt Gemeindebund-Präsident Hans Ferlitsch und unterstellt der Bevölkerung "Verständnis für einschneidende Maßnahmen, wenn sie dem Gemeinwohl dienen".
Doch selbst wenn "Kleingeld-Sammler" und Bürger mitspielen: Das Problem reicht in höhere Ebenen. "16 Millionen Euro Bedarfszuweisungen an Abgangsgemeinden gehen dem kleinen und mittleren Gewerbe im ländlichen Raum ab", so Ferlitsch. Da liegt noch viel Konfliktpotenzial.
Weil Peter Cede kein Politiker ist, sondern Humangeograf an der Universität Graz, kann er frei reden. Er fürchtet, "dass es Regionen gibt, in denen der Zug für eine zeitgemäße regionale Entwicklung schon abgefahren ist" und nennt unverfängliche Beispiele aus dem nördlichen Friaul. Auch im Metnitz-, Gurk- oder Görtschitztal sei die Lage "sehr schwierig. Experten sollten prüfen, wo Förderung sinnvoll ist und wo nicht." Der Unterschied: Sinnvolle Förderung zieht mehr Geld an, nicht sinnvolles Fördern ist nur willkommenes Geld.
"Teufelskreis"
Der "regionale Teufelskreis" - wenig Innovationsfreude führt zu weniger Einwohnern, das führt zu noch weniger Innovation und so weiter - werde die Kluft zwischen Ballungszentren und Landgemeinden weiter vergrößern, so Cede. Daher müsse sich die Peripherie auf ihre wahren Stärken besinnen: "Kein Stress, kein Verkehr, kein Lärm, niedrigere Mieten und Bodenpreise, mehr Lebensqualität." Das sei besser, als mit gestandenen Tourismuszentren zu konkurrieren.
Landesplanung-Chef Peter Fercher weiß, dass in 20 Jahren bis zu 20 Prozent der Leute aus vielen Tälern abwandern. Der Provokation, strukturschwache Gebiete "sterben" zu lassen, tritt er entgegen - nicht nur wegen des Verlustes an Kulturlandschaft. "Für ausgeglichene Lebenschancen in den Teilräumen des Landes zu sorgen, ist ein Staatsgrundziel." Seit Jahren versuche seine Abteilung, "jede Region auf ihre Stärken zuzuspitzen". Das sei oft schwierig, weil "viele Gemeinden alles für sich wollen". Doch ein Blick über die Grenzen macht Fercher optimistisch: "In der Schweiz fährt die Eisenbahn fast in jedes Tal und wo keine Greisler mehr sind, existiert ein gutes mobiles System."
Die beste Medizin gegen die Krise ist eben Kreativität - die einzige Ressource, die unbegrenzt wachsen kann.














