Kammer-Reform
Beeindruckend, gar "sowjetisch" lauteten die ersten Kommentare zum Ergebnis der Wirtschaftskammerwahl, konkreter zu den 61,7 Prozent für Franz Pacher und seine Mannschaft vom Wirtschaftsbund. Wenn man die Zahlen genauer ansieht, relativiert sich der grandiose Wahlsieg aber zu einem soliden Wahlerfolg. Knapp 7300 von 26.000 Unternehmern haben für den ÖVP-nahen Wirtschaftsbund gestimmt. Der Zuwachs in Prozenten ist letztlich eine Folge der auf dramatische 36 Prozent gesunkenen Wahlbeteiligung.
Dass jetzt der Ruf nach einer neuerlichen Kammer-Reform laut wird, ist verständlich und berechtigt - nur muss er an die passenden Stellen ergehen. Denn eines darf auch gesagt werden: Bei 20.000 Unternehmern, die das Service der Kammer laufend nutzen und 40.000 Rechtsauskünften, die pro Jahr erteilt werden, kann die getane Arbeit so schlecht nicht sein - andernfalls hätte es mehr Proteststimmen gegen die omnipräsenten Schwarzen gegeben.
Ansetzen muss die Reform beim grundsätzlichen Verständnis der Wirtschaftskammerfunktionäre: Nicht die Parteien, die hinter ihnen stehen, sollten vertreten werden, sondern Ideen und Vorschläge zur Verbesserung des Arbeitsumfeldes der (Zwangs-)Mitglieder eingebracht. Dann wäre auch das Problem mit der Wahlbeteiligung gelöst - und die Kammer nicht nur Kraft der Verfassung eine maßgebliche Institution.
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