"Die Gehaltsdifferenz ist nicht erklärbar"
Warum Sozialminister Rudolf Hundstorfer geschlechtsspezifische Lohnunterschiede ungerecht findet, sich für Gastronomie-Mitarbeiter aber nicht zuständig fühlt.

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Sie zeigen sich von den politischen Querelen in Kärnten entsetzt, stocken aber das Budget für Kärntner Arbeitsmarktpolitik großzügig auf. Ein Widerspruch?
Rudolf Hundstorfer:
Kärnten ist das Sorgenkind des Sozialministeriums, nirgends steigt die Arbeitslosigkeit so stark an. Das südlichste Bundesland ist leider Schlusslicht. Dagegen muss etwas getan werden, ich kann mich ja nicht zurücklehnen und zusehen. Die Menschen, die nichts dafür können, brauchen Arbeit.
Bei welcher Gruppe sind die Bedürfnisse am größten?
Rudolf Hundstorfer: Die Problemkinder sind die Jugendlichen, die muss man von der Straße holen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist gegenüber Dezember 2008 überdurchschnittlich gestiegen. Man muss ihnen mit verschiedenen Maßnahmen Chancen auf Ausbildung geben. Zum Beispiel werden in Kärnten 400 Jugendliche in überbetrieblichen Werkstätten geschult.
Jugendliche sind das eine Problem, aber was tut der Sozialminister für ältere Arbeitslose? Sie werden zunehmend aus dem Arbeitsprozess gedrängt.
Rudolf Hundstorfer: Ältere Arbeitslose sind eigentlich nicht meine Sorgenkinder. Wir haben einige Programme für Langzeitarbeitslose laufen, die Menschen nach längerer Arbeitslosigkeit in öffentlich rechtlichen Einrichtungen integrieren.
Gemeint sind Menschen, die schon ab 45 Jahren am Arbeitsmarkt zum "Alten Eisen" gehören.
Rudolf Hundstorfer: Also Lohnsubventionen werden wir sicher keine machen, wenn Sie das meinen.
Als Sozialminister wird Sie sicher die Ungerechtigkeit des unterschiedlichen Lohn-Niveaus von Frauen und Männern stören. Österreich wurde darob schon von der EU gescholten.
Rudolf Hundstorfer: Diese 15-prozentige Differenz zwischen Männer- und Frauenlöhnen ist tatsächlich nicht erklärbar. Wenn man die Teilzeitarbeit mit einkalkuliert, schaut es ja noch grässlicher aus. Ich verhandle jetzt mit dem Wirtschaftsminister über eine Lohn-Offenlegungsverpflichtung der Betriebe ab 50 Mitarbeitern.
Damit bekommen die Frauen aber noch nicht mehr bezahlt. Die schlecht bezahlten Jobs sind noch immer Frauenjobs.
Rudolf Hundstorfer: Es ist ein erster Schritt. Wenn Einkommen offengelegt werden müssen, kommen
Betriebe in Zugzwang. Skandinavien hat das erfolgreich vorgemacht.
Das Transferkonto bleibt hingegen geschlossen. Was ist so schlecht am Transferkonto, dass Sie es so strikt ablehnen? Bei den Lohnkonten wollen Sie ja auch Transparenz.
Rudolf Hundstorfer: Schlecht ist es nicht, aber es ist eine technische Lösung. Man kennt ja die Sozialtransfers, 94 Prozent davon kommen vom Bund. Nur vier Prozent beziehen sich auf eine Bedürftigkeit. Es konnte uns noch nicht klargemacht werden, was man damit erreichen will.
Was glauben denn Sie?
Rudolf Hundstorfer: A la longue sicher einen Sozialabbau.
Sie prangern die hohe Anzahl an Überstunden an. Wie viele Arbeitsplätze könnte eine Verringerung schaffen?
Rudolf Hundstorfer: Man könnte die Überstunden teurer machen, aber das ist kein gutes Rezept, wir vertrauen darauf, dass die Firmen selbstregulierend wirken. Wenn man alle Überstunden streichen würde, könnte man wahrscheinlich 100.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Es gibt in Österreich 170.000 Mitarbeiter, die ständig mehr als zehn Überstunden machen, da muss man etwas tun.
Können Sie das Phänomen erklären, warum Tourismusbetriebe trotz hoher Arbeitslosigkeit keine Mitarbeiter bekommen?
Rudolf Hundstorfer: Ich verstehe es auch nicht, aber es ist leider so. In Tirol habe ich 700 Lehrverhältnisse mit jungen Leuten aus Sachsen-Anhalt, aber aus Oberösterreich geht mir keiner nach Tirol. Sicher sind die Arbeitszeiten schwierig und auch die Entlohnung könnte besser sein, aber ich poche auch auf mehr Flexibilität der Mitarbeiter. Auf jeden Fall möchten wir eine Imagekampagne starten, mit der wir darauf hinweisen, dass die Arbeit im Tourismus nichts Schlechtes ist.
Die Branche ruft dann immer nach Verschärfung der Zugangsbestimmungen zur Arbeitslosenversicherung. Ist das eine Lösung?
Rudolf Hundstorfer: Die verschärfen wir doch ständig.
Warum sind Ihnen die benachteiligten Mitarbeiter egal, die durch das verunglückte Tabakgesetz dem Passivrauch in der Gastronomie ausgesetzt sind?
Rudolf Hundstorfer: Da ist der Gesundheitsminister zuständig.
Der kümmert sich aber nicht darum. Die Arbeitnehmer in der Gastronomie, die dem Rauch ausgesetzt sind, müssen Ihnen doch Leid tun?
Rudolf Hundstorfer: Die Arbeitsinspektoren sind bei mir angesiedelt, aber um die Einhaltung des Gesetzes muss sich der Gesundheitsminister kümmern.
Sind sie Raucher?
Rudolf Hundstorfer: Ja, aber das ist nicht der Grund. Ich muss nicht jedes Minenfeld durchqueren.














