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Zuletzt aktualisiert: 24.12.2009 um 05:00 UhrKommentare

Zu Weihnachten fliegen alle auf Wech

In Glanegg arbeiteten die 170 Wech-Mitarbeiter in den vergangenen Tagen mit noch mehr Hochdruck als sonst. Denn es sollten noch zehntausende Truthühner auf den Weihnachtstisch. Ebenso gaben die 230 Mitarbeiter im Wech-Werk in St. Andrä Vollgas für die Weihnachtsproduktion.

Foto © Fotolia/ Lybinka

Von Hightech-Maschinen unterstützt rupfte, zerlegte und portionierte man 8000 Hendln. In der Stunde! 90.000 Hendln verlassen pro Tag kochfertig portioniert die Laderampen in Richtung Billa, Penny, Merkur, Spar oder Hofer, und das weit über Österreich hinaus: in die Schweiz und nach Deutschland, sowie von den burgenländischen und ungarischen Wech Werken bis nach Rumänien und in die Slowakei. Zwei Millionen Truthühner und 17 Millionen Hendln - zusammen 45.000 Tonnen Geflügel - kommen im Jahr aus dem Kärntner Wech-Imperium auf Europas Speisetische.

Hermine Wech Stiftung

"Glücklicherweise ist die Wirtschaftskrise an uns bisher vorübergegangen", sagt Jakob Sintschnig, der Vorstand der Wech-Holding. Die 800 Mitarbeiter starke Gruppe wird ihren Umsatz von rund 150 Millionen Euro heuer wieder um das kontinuierliche Wachstum drei bis fünf Prozent steigern, ein solides positives Ergebnis schreiben und 2010 wieder einige Millionen Euro investieren. Gleichwohl ist 2009 eine tiefe Zäsur für das Unternehmen. Nach dem Tod von Hermine Wech, der Begründerin des Unternehmens, musste die Nachfolge neu geregelt werden, wofür aber die legendäre Firmenchefin selbst noch zu Lebzeiten vorgesorgt hatte. Ihre Anteile an der Firma - 87,5 Prozent - hatte sie in die Hermine Wech Privatstiftung eingebracht und als Stifter ihren Neffen und langjährigen strategischen Chef Jakob Sintschnig (57) eingesetzt. "Hermine Wech wollte, dass der Betrieb so bleibt wie bisher. Jakob Sintschnig ist Stifter mit allen Rechten", unterstreicht Steuerberater Günther Pöschl, der gemeinsam mit Notar Franz Stenitza und Steuerberater Günther Willner den Stiftungsvorstand bildet. Sintschnig zur Seite stehen im Management drei ebenfalls bewährte operative Geschäftsführer: Karl Feichtinger (Vorproduktion, Beschaffung, Betreuung der Bauern), Helmut Bodner (Produktion und Vertrieb) sowie Helmut Wasserer (Finanzen). Die drei Co-Geschäftsführer halten auch die restlichen 12,5 Prozent an der Holding.

Wechs Wertewelt

50 Jahre war Hermine Wech selbst an der Spitze ihres Unternehmens gestanden, hatte es aus Nichts aufgebaut. "Gemeinsam mit meiner Mutter kam sie als mittelloser Kriegsflüchtling aus Niederösterreich nach Kärnten", berichtet Sintschnig. Während seiner Zeit als Gymnasiast im Stift St. Paul wohnte er neben im Bürogebäude der kontinuierlich wachsenden Firma, in die er nach dem BWL-Studium in Graz einstieg und deren strategische Führung er 1994 übernahm. "Qualität, Vertrauen und Zusammenarbeit auf partnerschaftlicher Ebene - das ist die konservative Wertewelt von Hermine Wech, die wir weitertragen", betont Sintschnig.

Netz mit 300 Bauern

"Wir sind vernetzt, wo jeder auf den anderen schauen muss", beschreibt Sintschnig. "Ohne Bauern sind wir nichts, und umgekehrt". 270 bis 300 Bauern der Umgebung gehören als Hendlzüchter diesem Netzwerk an. "Das bedeutet eine unglaublich tiefe, lokale Wertschöpfungskette", sagt Pöschl. Auf der anderen Seite steht der Preisdruck der Handelskonzerne, dem man ebenfalls mit partnerschaftlichen Innovationen begegnet. Sintschnig: "Wir wollen die Qualitäts-, Preis- und Kostenführerschaft haben." Ihm selbst liegt neben Qualitätskontrolle und Tierschutz besonders die Bioschiene am Herzen. Nicht nur, weil sie immer mehr zum Umsatz beisteuert, sondern auch kulinarisch. "Ich selbst habe am liebsten das Biohendl, mit Fülle und als Ganzes im Rohr gebraten. Das lege ich immer schon am Vortag ein."

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