Zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 um 14:23 Uhr
ÖBB-Konzern droht 2009 Verlust von 100 Millionen Euro
Der wirtschaftskrisenbedingte Umsatzrückgang bei der Güterverkehrstochter RCA um rund 500 Millionen Euro oder 10 bis 20 Prozent könne trotz Einsparungen nicht aufgefangen werden.

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ÖBB-Finanzvorstand Josef Halbmayr sieht für die Konzernbilanz des Bahnkonzerns im Geschäftsjahr 2009 "rot". Das werde sich bei der RCA (Rail Cargo Austria) und im Konzern mit einem Verlust im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 100 Millionen Euro niederschlagen, sagte Halbmayr am Mittwochabend vor Journalisten. Im Personenverkehr und im Bereich Infrastruktur werden zwar schwarze Zahlen bzw. ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet, was aber am Konzernergebnis nicht viel ändern werde.
In den nächsten Jahren wollen die ÖBB daher massiv einsparen. Dazu wurden laut Halbmayr mehr als 250 Projekte definiert - großteils Empfehlungen des Beratungsunternehmen Roland Berger, das im April beauftragt worden war, die Bahn-Sanierung zu begleiten. Damit sollen bis 2014 Einsparungen von 400 Millionen Euro gelingen, von denen sich am Ende des Tages etwa 150 Millionen Euro ergebniswirksam niederschlagen werden, sagte der Finanzvorstand.
Teil des Sparprogramms ist auch die Zusammenlegung der derzeit drei IT-Provider unter einem Dach, die allein 12 Millionen Euro bringen soll, ebenso wie die Zusammenlegung der beiden Infrastrukturgesellschaften Bau und Betrieb, die mittelfristig rund 20 Millionen Euro an Synergien heben soll.
Gleichzeitig muss der Bahnkonzern seine Kapazitäten "anpassen", vor allem beim Personal. Laut früheren Angaben von ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzendem Horst Pöchhacker muss die Zahl der Eisenbahner von derzeit rund 42.000 auf 37.000 sinken. Halbmayr will sich auf keine Zahlen einlassen. Bei den ÖBB gebe es im Schnitt jährlich 2.000 Abgänge durch natürliche Fluktuation, vor allem Pensionierungen und "ich gehe davon aus, dass sich der Trend auch in den nächsten Jahren fortsetzt", sagte Halbmayr. Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter bei den ÖBB liegt auch 2009 wieder bei 52,5 Jahren.
Allerdings dürften in den kommenden Jahren nicht so viele Mitarbeiter aufgenommen werden. Heuer wurden die Abgänge fast zur Gänze nachbesetzt. Halbmayr verweist vor allem auf Umschulungen und Umbesetzungen innerhalb des Konzerns, mit denen auf die geänderten Anforderungen reagiert werden soll.
Durch die massiven Investitionen in die Bahninfrastruktur wird dort Personal gebraucht, während es bei Verschub und Traktion teilweise Überkapazitäten gibt. Allerdings spießt sich eine Umschichtung der Mitarbeiter am Dienstrecht.
Eine neuerlich Abwertung des Anlagevermögens, die im Vorjahr die ÖBB-Bilanz verhagelt hat, wollte Halbmayr nicht ausschließen, sie sei aus heutiger Sicht allerdings sehr unwahrscheinlich, sagte er. Ob es im Jahresabschluss 2009 Rückstellungen für drohende Steuernachforderungen in Millionenhöhe für die Freifahrten der Bahnbeschäftigten geben wird, sei noch nicht klar. Derzeit liefen Verhandlungen mit den Finanzbehörden. Es gebe "interessante Lösungsmöglichkeiten", die noch heuer gefunden werden sollen, so Halbmayr.
Nicht kommentieren wollte der Finanzvorstand das Extrahonorar von 100.000 Euro für den früheren stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Eduard Saxinger. Nur soviel: Er habe die Auszahlung "sicher nicht" unterschrieben.