Kelag-Direktor: "Verkaufen Strom mit Verlust"
Kelag-Direktor Hermann Egger im Interview mit der Kleinen Zeitung: Über zu hoch gesteckte Klimaziele, zu viel eingekauften Strom und seinen ausbleibenden Erfolgsbonus.

Foto © Kleine Zeitung/Helmuth WeichselbraunKelag-Direktor Hermann Egger
Herr Direktor: Welcher von der Kelag gesponserte Verein kostet Sie im Moment mehr Nerven – die Prügelknaben von den Wörthersee Piraten oder der SK Austria Kärnten?
Hermann Egger:: Für mich ist das kein sportliches Thema. Wir treten am Markt auf und sponsern, um wahrgenommen zu werden. Und hier erreichen wir eine Menge. Aber freilich tut es mir leid, wenn es – wie derzeit – schlecht läuft. Aber das kann sich im Frühjahr ja bessern.
Und sonst erreicht man auch über die zweite Liga potenzielle Kunden...
Hermann Egger:: So weit möchte ich noch nicht denken.
Auf einer Internet-Seite bewirbt die Kelag nun Strom-Tankstellen für Elektroautos. Was auffällt: Wirtschaftskammer und Land Kärnten, die sich um das geistige Eigentum für die Elektromobilitäts-Offensive streiten, ziehen nun mit Ihnen an einem Strang.
Hermann Egger:: Am Ende der Reise setzt sich das gemeinsame Ziel durch. Es geht schließlich um die Frage: Was kann man tun, um den CO2-Ausstoß des Verkehrs zu reduzieren? Man kann unsinnige Fahrten vermeiden, den Verkehr so weit wie möglich auf die Schiene bringen und drittens neue Technologien einführen. An diesem Punkt stehen wir jetzt. Unser Beitrag ist nicht das Elektroauto als solches. Unser Beitrag als E-Wirtschaft ist es, eine gescheite Infrastruktur herzustellen. Und dann lösen sich die Konflikte von selbst auf.
Derzeit wird der Strom für die E-Autos verschenkt. Wann wird man zahlen müssen?
Hermann Egger:: Das ist derzeit noch nicht vorhersehbar. Wir brauchen dafür nicht nur intelligente Geräte, die messen, die Einspeisung steuern und gleichzeitig verrechnen, sondern auch ein Regelwerk bis hin in den Konsumentenschutz. Aber ewig werden die E-Autos den Strom nicht gratis bekommen, das steht fest.
Die Zeit zur Erreichung der 20-20-20-Ziele, also 20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen, 20 Prozent Anteil an erneuerbaren Energien und 20 Prozent mehr Energie-Effizienz, drängt. Geht sich das Ihrer Meinung nach in zehn Jahren aus?
Hermann Egger:: Man muss schon sagen: Die Ziele sind so was von ehrgeizig – aber Papier ist geduldig. Da kann man viele Strategien aufmalen und Zahlen dahinterschreiben, nur muss man das dann in die Realität bringen. Ein Beispiel: Für Infrastruktur- und Energie- Anlagen gibt es Umweltverträglichkeitsprüfungen. Über deren Qualität will ich nicht urteilen, nur muss klar sein, dass beim Spardruck in der Verwaltung diese Verfahren noch langsamer laufen werden. Und das ist das Hauptproblem. Jeder beschäftigt sich mit Kleinigkeiten, nur die Klammer darüber beachtet niemand und die wird dadurch immer komplexer. Aber auf den Punkt gebracht: Wenn wir in der Geschwindigkeit weitermachen, sehe ich kein Licht, dass wir diese Ziele erreichen. Auch ist ungeklärt, wer welchen Beitrag leisten muss – die Industrie, die Energieversorger? Und bei Nicht-Einhaltung von Verträgen sind normalerweise Strafen zu zahlen. Wie hoch werden die sein?
Features
Zur Person
Hermann Egger (60) ist seit 1981 bei der Kelag, seit 1989 ist er technischer Vorstand des Unternehmens. Sein Vertrag läuft bis 2013. Parallel zu seiner Berufslaufbahn habilitierte der Elektrotechniker Egger im Jahr 2006.
Zum Unternehmen
Die Kelag gehört zu rund einem Drittel dem Land Kärnten, dem deutschen Energie-Konzern RWE und dem Verbund. Neben dem Strom- und Gas-Geschäft ist man mittlerweile auch der zweitgrößte Fernwärmeanbieter Österreichs. Die Kelag beschäftigt derzeit rund 1400 Mitarbeiter. Neben Egger sind der Deutsche Armin Wiersma und Harald Kogler Vorstände in der Kelag.














