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Zuletzt aktualisiert: 10.11.2009 um 15:16 UhrKommentare

Ölpreis klettert bis 2030 auf 190 Dollar

Der weltweite Energieverbrauch droht nach Schätzung der Internationalen Energieagentur IEA ohne Klimaabkommen in den nächsten 20 Jahren schnell zuzunehmen. Bis dahin wird ein Fass Rohöl 190 Dollar kosten, so die Prognose.

Foto © APA

Ohne Klimaabkommen droht der weltweite Energieverbrauch in den kommenden Jahren in hohem Tempo zuzunehmen. Damit rollen auf die Industriestaaten nicht nur zusätzliche Kosten für die Folgen der Erderwärmung zu. Sie müssen sich nach den Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in den nächsten 20 Jahren auch auf eine Verdoppelung ihrer Energieausgaben einstellen.

Sollte sich die Welt nicht auf eine größere Schonung des Klimas und Maßnahmen zur Senkung des Verbrauchs einigen, werde es nicht gelingen, vom teuren und umweltschädlichen Öl wegzukommen, mahnte die Agentur, die 28 Industriestaaten in ihrer Energiepolitik berät, am Dienstag.

Wegen der Rezession dürfte der Energiebedarf zwar in diesem Jahr nach den IEA-Berechnungen um zwei Prozent zurückgehen. Dem Szenario der Experten zufolge ist aber allein in den kommenden fünf Jahren mit einem durchschnittlichen Anstieg der Nachfrage von 2,5 Prozent pro Jahr zu rechnen. Der Bedarf wird demnach bis 2030 mit einer Jahresrate von 1,5 Prozent zunehmen. Die Öl-Nachfrage soll zum selben Zeitpunkt einen Höhepunkt von 105 Mio. Barrel am Tag erreichen. Dies wären pro Tag 20 Mio. Barrel mehr, als im vergangenen Jahr verbraucht wurden. Damit ließ die IEA ihre Prognose für 2030 nahezu unverändert.

Einem IEA-Mitarbeiter zufolge liegt die Zahl allerdings deutlich über der als möglich erachteten Produktion. Nach Überzeugung vieler Experten der Agentur sei 2030 angesichts der schwindenden Vorkommen selbst eine Ausbeutung von 90 bis 95 Mio. Barrel am Tag kaum denkbar, sagte der Mitarbeiter der britischen Zeitung "Guardian". "Aber es herrscht die Angst vor, dass an den Finanzmärkten Panik ausbrechen könnte, wenn die Zahlen noch weiter gesenkt werden", sagte er dem Blatt,

Nach den Worten von IEA-Chefvolkswirt Fatih Birol dürfte der Ölpreis nach dem Szenario des Jahresberichts bis 2015 auf 100 Dollar je Fass steigen, bis 2030 prognostizierte er einen Preis von 190 Dollar je Fass. Damit würden sich die Energieausgaben in der Europäischen Union in den beiden kommenden Jahrzehnten auf 500 Mrd. Dollar (334 Mrd. Euro) verdoppeln. "Wir halten das für sehr alarmierend", sagte Birol. Mit dem Ölpreis-Rekord im vergangenen Jahr hätten die Energiekosten in der EU bereits 2,3 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erreicht. "Wir kommen in Schwierigkeiten, wenn wir nichts an unserem Energiesystem ändern", betonte Birol.

Im Sommer 2008 war der Ölpreis auf einen Rekord von 147,27 Dollar je Fass gestiegen. Derzeit notiert US-Leichtöl bei 79 Dollar. Die Verhandlungen über ein neues Klimaschutzabkommen sind vor der UN-Konferenz im Dezember ins Stocken geraten und derzeit wird kein umfassender Vertrag mehr von dem Treffen in Kopenhagen erwartet.

Die IEA sagt auch für den Energieträger Gas trotz der derzeitigen Überkapazitäten Engpässe voraus. Dank eines Ausbaus der Förderung in den USA und im Nahen Osten werde die Ausbeutung zwar in den kommenden fünf Jahren auf 250 Mio. Kubikmeter und damit das Dreifache von 2008 gesteigert, sagte Birol. Um 2030 aber den erwarteten Höhepunkt des Bedarfs zu befriedigen, seien große Anstrengungen nötig. Die Welt brauche bis dahin im Prinzip vier neue Russlands, betonte der Volkswirt. Russland hat die größten Gasvorkommen der Welt.

Die USA bleiben den Prognosen zufolge bis 2025 der größte Energieverbraucher der Welt, werden dann aber von China abgelöst. Indien dürfte demnach bereits 2020 die zweitgrößte Volkswirtschaft Japan überholen und auf Platz 3 der Verbraucher aufrücken.


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