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Zuletzt aktualisiert: 25.09.2009 um 22:31 UhrKommentare

"Was uns treibt ist Vorsicht"

Der kommende Bank Austria-General Willibald Cernko - ein gebürtiger Obersteirer - zu Staatshilfe, Banker-Boni und einem möglichen Machtverlust.

Willibald Cernko

Foto © APAWillibald Cernko

Bei der Bank Austria kommt es mitten in den Verhandlungen um eine milliardenschwere Staatshilfe zur Wachablöse an der Spitze. Kein idealer Zeitpunkt.

WILLIBALD CERNKO: Mein Vorgänger Erich Hampel hat die Verhandlungen bis dato zwar federführend geführt, ich war aber immer eingebunden.

Die Verhandlungen haben sich zuletzt - Stichwort Wandlungsrecht - gespießt. Lichten sich die Nebel langsam?

CERNKO: Wir prüfen derzeit noch alle Optionen, die Entscheidungen fällen die Aufsichtsräte von Bank Austria und UniCredit am kommenden Dienstag.

Die Bank Austria hat im ersten Halbjahr 2009 833 Millionen Euro verdient, der Ruf nach Staatshilfe mutet da eigentlich unverschämt an.

CERNKO: Was uns bei der Staatshilfe treibt ist sicher nicht die Not sondern die Vorsicht. Wir wollen damit die Kapitalbasis stärken. Grundsätzlich wollen wir uns aber alle Optionen offen halten.

Mit dem Obersteirer Cernko kommt am 1. Oktober ein Mann an die Schalthebel der Macht bei der Bank Austria, dem nicht nur eine gehörige Durchschlagskraft sondern auch ein Naheverhältnis zum Eigentümer UniCredit nachgesagt wird. Kommt es mit Cernko jetzt zu einer Machtverschiebung Richtung Mailand?

CERNKO: Die UniCredit-Gruppe ist ein Zusammenschluss vieler starker Spieler, die alle im regionalen Kundengeschäft sehr stark verankert sind. Die Bank Austria ist ein sehr vitaler, sehr aktiver Teil der Gruppe. Da geht es nicht darum, Befehle entgegen zu nehmen, da geht es um aktive Mitarbeit. Dass ich lange in dieser Gruppe bin, sie sehr gut kenne und vernetzt bin, ist zweifelsohne kein Nachteil. Die Gruppe hat eine gewisse Größe, eine gewisse Komplexität, da ist es sicher nicht von Nachteil wenn man hier vertraut ist mit den aktuellen und auch zukünftigen Gegebenheiten.

Wie wird es künftig mit Osteuropa ausschauen, auch da gibt es im Haus ja starke Befürchtungen, die UniCredit könnte diesen Bereich von Wien abziehen?

CERNKO: Da gibt es eine formale Antwort. Bis 2016 gibt es diesbezüglich ganz klare Vereinbarungen. Es gibt aber auch noch eine zweite, entscheidendere Antwort: Es denkt niemand daran, etwas zu verändern. Wir haben 1989 begonnen, uns mit Osteuropa zu beschäftigen und Wien als Hub für das Ostgeschäft auszubauen. Daran will keiner etwas ändern, von Alessandro Profumo (UniCredit-Chef) angefangen.

Das Osteuropa-Geschäft ist derzeit nicht gerade berauschend.

CERNKO: In Osteuropa bieten sich momentan unterschiedliche Szenarien. Polen, die Slowakei oder Tschechien sind sehr robust, die Ukraine oder Kasachstan eine große Herausforderung. Der Filialausbau ist dort gestoppt worden, wir haben dort auch rund 3000 Leute weniger.

Wie schaut es diesbezüglich in Österreich aus?

CERNKO: Wir haben im Lande einen laufenden Restrukturierungsplan, darüber hinaus gibt es keine Überlegungen. Wir werden mit den getroffenen Maßnahmen das Auslangen finden, immer unter der Prämisse, dass wir langsam Boden unter den Füßen finden.

Schätzen Sie die allgemeine wirtschaftliche Lage nach wie vor als kritisch ein?

CERNKO: Ich bin nicht pessimistisch, die Krise ist aber noch lange nicht zu Ende. Auch wenn Anzeichen eines Frühlings sichtbar sind. Heuer und sicher auch noch im kommenden Jahr sehe ich sehr deutliche Herausforderungen, die Erholung wird noch einige Zeit auf sich warten lassen. Es wäre sicher verfrüht jetzt schon das Ende der Krise auszurufen.

Die G-20 beschäftigen sich in Pittsburgh auch mit den Boni der Banker. Wie stehen sie zu diesem System?

CERNKO: Ich halte es für erforderlich, dass man die Vergütung auf den nachhaltigen Erfolg ausrichtet. Die UniCredit hat das schon gemacht und auf mittel- und langfristige Ziele umgestellt. Es geht bei uns nicht um die reine Gewinn/Verlustrechnung. Neben der Erreichung langfristiger Vorgaben spielen bei der persönlichen Erfolgsbewertung aber auch Parameter wie Kundenzufriedenheit und Reputation des Unternehmens eine strake Rolle.

INTERVIEW: RAINER STRUNZ


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