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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2009 um 13:18 UhrKommentare

Rot-weiß-roter Sektdeal - Schlumberger schluckt Hochriegl

Die Nummer 2 am heimischen Sektmarkt übernimmt damit die Nummer 3. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Foto © APA

Die Karten auf dem österreichischen Sektmarkt werden neu gemischt. Der in Wien börsenotierte Getränkeproduzent und -händler Schlumberger übernimmt von seinem Konkurrenten Kattus die traditionsreiche Sektmarke Hochriegl inklusive der Produktionsanlagen. Die Verträge wurden heute, Donnerstag, finalisiert. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart.

Wenn die Kartellbehörden das Zusammengehen der Nummern zwei und drei am heimischen Sektmarkt abgesegnen, kommt die fast gesamte österreichische Sektproduktion mit den Marken Schlumberger, Goldeck und Hochriegl aus dem Hause Schlumberger. Marktführer bleibt aber weiterhin Henkell & Söhnlein. Der deutsche Sekt-Riese hat seine Produktion in Österreich vor einiger Zeit geschlossen.

Traditionsmarken

Hochriegl ist wie Schlumberger eine eingesessene Wiener Traditionsmarke. "Beide Häuser haben eine 150-jährige Geschichte, die Chemie passt also", sagte Schlumberger-Vorstand Eduard Kranebitter am Donnerstag vor Journalisten in Wien. Produziert wird Hochriegl-Sekt weiterhin am Standort von Kattus. Dafür wurde ein Produktionsvertrag geschlossen.

Hinter der Döblinger Sektkellerei Hochriegl steht die Familie Polsterer-Kattus. Ihr bleibt nach diesem Deal die Marke Kattus Frizzante sowie der Wein- und Spirituosenhandel. Der Grund für den Verkauf von Hochriegl sei "die allgemeine Marktsituation" gewesen, so Kattus-Chef Ernst Polsterer-Kattus mit wehmütiger Stimme zu den Hintergründen dieses für seine Familie "emotional schwierigen" Deals. Mit dem EU-Betritt seien die Sektpreise verfallen und die Erträge dramatisch zurückgegangen. Bei einer gleichzeitigen Zunahme der Kosten sei es nicht mehr möglich gewesen, ein Unternehmen mit zwei Marken wirtschaftlich erfolgreich zu führen.

"Nach dem Verkauf unseres Herzstücks sind wir gesundgeschrumpft", so Polsterer-Kattus, der sich künftig auf den Ausbau der Marke Kattus konzentrieren wolle, für die bereits zwei neue Produkte in der Pipeline seien. An Umsatz gehen Kattus durch den Verkauf 7 Mio. Euro - von 23 Mio. Euro insgesamt - verloren. Unter dem Strich habe man zuletzt "gerade keine Verluste" geschrieben. Der Kaufpreis sei in bar bezahlt worden, wodurch sein Unternehmen "erstmals seit 40 Jahren schuldenfrei" sei, zeigte sich Polsterer-Kattus mit dem Deal zufrieden.

Schlumberger mit der Familie Underberg als Kernaktionär (15 Prozent der Stammaktien sind in Streubesitz) kommt samt Hochriegl (2,3 Millionen Flaschen Sekt jährlich) auf 5,5 Millionen Flaschen Sekt in Österreich. Der Gesamt-Schaumweinmarkt beläuft sich auf rund 20 Millionen Flaschen.

Schlumberger hat im am abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 (per Ende März) den Umsatz um 10 Prozent auf 208,8 Mio. Euro gesteigert. Rund 40 Prozent der Erlöse werden mit Sekt erzielt. Ein genau so starkes Standbein hat man bei Spirituosen. Zuletzt wurde die bekannte Marke Gurktaler Alpenkräuter gekauft. Etwa je 10 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Weinhandel und alkoholfreie Getränke.

Vor kurzem hat sich Schlumberger von seiner Vertriebsfirma Appelt getrennt. Marken wie TexMex, Isostar, Kambly, Reber, Häagen Dazs oder Kühne werden jetzt unter dem Dach von Maresi, einer Tochter der Vivatis-Gruppe, vertrieben.

Schaumweine in Österreichs Lebensmittelhandel verzeichneten nach Daten von ACNielsen in Summe im rollierenden Jahr 2009 (bis zur Kalenderwoche 25) ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 79 Mio. Euro, die Menge ist um 3,2 Prozent gestiegen. Sekt verzeichnet als größtes Segment einen deutlichen Umsatzanstieg um 8 Prozent auf 51 Mio. Euro (Menge +6,2 Prozent). Champagner und Frizzante haben im Vergleich dazu nicht an die positive Entwicklung des Vorjahres angeknüpft.


Fakten

Schlumberger wurde 1842 gegründet und stellte damals als erstes Unternehmen in Österreich Sekt nach der französischen Champagner-Methode her. 1973 stieg der Likörspezialist Underberg in den Konzern ein und brachte die Gesellschaft 1986 an die Börse. Das Geschäft unterteilt sich heute in die Bereiche Schaumwein, Spirituosen und internationale Weine. Schlumberger beschäftigt rund 240 Mitarbeiter einschließlich seiner Töchter in Österreich, Deutschland und den Niederlanden.

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